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Thich Nhat Hanh: Mein kleines Haus

„Mein kleines Haus ist gut genug. Es hat viele Fenster und die umgebende Landschaft ist so wunderschön. Wir verfügen über genügend Bedingungen, um bereits jetzt glücklich zu sein, wir müssen nicht in die Zukunft laufen, um noch ein paar mehr zu ergattern. Was wir haben reicht für uns. Wenn wir uns einen solchen Lebensstil erst einmal zu eigen gemacht haben, sind wir auf der Stelle ein glücklicher Mensch.“

Thich Nhat Hanh: Versöhnung mit dem inneren Kind. O.W. Barth
Foto: Pixabay/Boristrost

Jon Kabat Zinn: Präsenz

„Präsent sein ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es ist vielleicht die schwerste Arbeit der Welt. Ach, vergessen Sie ruhig das „vielleicht“. Es ist die schwerste Arbeit der Welt – zumindest das Aufrechterhalten der Präsenz. Und die wichtigste Arbeit. Wenn sie zur Präsenz gelangen – und gesunde Kinder leben die meiste Zeit in der Landschaft der Präsenz – dann wissen Sie es augenblicklich, dann fühlen Sie sich sofort zu Hause. Und da sie zu Hause sind, können Sie sich entspannen, können Sie loslassen, können Sie in Ihrem Sein ruhen, in Gewahrsein, in der Präsenz selbst, in Ihrer eigenen guten Gesellschaft.“

Jon Kabat Zinn „Zur Besinnung kommen“
Foto: Pixabay/Zichrini

Graue Tage

Ein Tag an der dänischen Ostseeküste.

Es regnet nicht, aber trocken ist es auch nicht. Nieselregen, feuchte Luft.

Das Meer ist grau, der Himmel ist grau, mehr Grau geht nicht.

Und doch…

unfassbar viele Schattierungen, Abstufungen, lichte und dunkle Stellen zwischen Weiß und Schwarz.

Schönheit, Eleganz und Sanftheit liegen auch darin. Und dann diese Stille…

Urplötzlich die Hagebutten –

knallen ihr Rot in die Welt. Kraftstrotzend, glänzend, berstend vor Saft.

Was wären sie ohne das Grau?

Text: j.g.
Foto: f.e.

 

 

 

Mein Lesetipp: Ajahn Brahm „Öffne die Tür zu deinem Herzen“

Vor ein paar Tagen bin ich auf ein kleines Buch gestoßen, das ich euch sehr empfehlen kann. Vielleicht kennt ihr den buddhistischen Lehrer Ajahn Brahm ja schon durch seine anderen Bücher „Die Kuh, die weinte“ oder „Der Elefant, der das Glück vergaß“. Ich mag die Geschichten  in diesen Büchern  sehr, weil sie die Einsichten und Lehren immer wieder humorvoll und klug auf den Punkt bringen.

In fünf Schritten baut Ajahn Brahm zunächst einen Weg auf, der uns zu unserem „schönen Atem“ führt. Dieser bildet die Basis für den darauf folgenden Prozess, liebevolle Achtsamkeit zu erwecken. Er beschreibt, wie wir zunächst ein „warmes Feuerchen“ in unserem Herzen entfachen, indem wir uns beispielsweise ein kleines hilfloses Kätzchen vorstellen, ein Wesen also, dass unsere ganze Liebe und unser grenzenloses Mitgefühl wecken kann. In den nächsten Schritten weiten wir die liebevolle Achtsamkeit auf andere Menschen aus – und auf uns selbst.

Sehr hilfreich ist auch der dritte Abschnitt, der sich in kurzen aber prägnanten Absätzen dem Umgang mit Störungen widmet. Trägheit, Reue, Unrast, Wut, Zorn, unser ständig „nörgelnder Geist“ – wer meditiert kennt diese Zustände… Ajahn Brahm aber schreibt so freundlich und liebevoll über diese Störungen, dass man sie schon beim Lesen dahinschmelzen sieht. Ein kleines Zitat, um zu zeigen, wie das klingen bei ihm kann:

„Wenn sie voller Abneigung mit dem Meditieren beginnen und es zwar tun, aber eigentlich nicht mögen, wird es nie funktionieren. So bauen sie von vornherein ein Hindernis vor sich auf. Versuchen Sie doch einmal, die Meditation wie eine liebe alte Freundin zu behandeln, mit der sie gerne Zeit verbringen und für die sie alles stehen und liegen lassen würden. Wenn ich in einem Kilometer Entfernung einer Meditation ansichtig werde, renne ich einfach auf sie zu, nehme ich sie fest in den Arm und lade sie irgendwo zu einem Kaffee ein. „

Die amerikanische Meditationslehrerin Jan Chozen Bays hat dieses Büchlein als „kleines Juwel“ bezeichnet. Und wirklich braucht es nicht viel mehr, um mit liebevoller Achtsamkeit zu beginnen und sich führen zu lassen.

Ajahn Brahm: Öffne die Tür zu deinem Herzen. Lotos Verlag 2017

Selbstunterstützung durch Achtsamkeit 19. bis 21. Januar 2018

Dieser Kurs am Wochenende richtet sich an Menschen, die die unterstützende Kraft der Achtsamkeit kennen lernen wollen um besser mit Stress umzugehen, Bewusstheit im Umgang mit ihren Gedanken und Gefühlen zu entwickeln, mehr Lebendigkeit zu spüren und Ruhepunkte im Alltag zu finden. Im Mittelpunkt stehen grundlegende Übungen und geführte Achtsamkeitsmeditationen aus dem MBSR-Programm von Jon Kabat-Zinn: Achtsamkeit im Liegen (Body-Scan), Sitzen und Gehen, achtsames Atmen, Hören und Spüren.

Achtsamkeit entsteht wenn wir uns daran erinnern, aus dem Modus von Tun und Planen auszusteigen und in den Modus von „einfach da sein“ zu wechseln. Es geht darum bewusst da zu sein, wo man ist. Wir lernen, auf den gegenwärtigen Augenblick zu achten ohne ihn verändern zu müssen. Was passiert jetzt gerade? Welche Gedanken sind da? Welche Empfindungen? Durch diese präsente Wahrnehmung kommen wir in einen wachen und zugleich entspannten Zustand und lernen nach und nach, bewusster mit Stress und Herausforderungen umgehen.

Die Kursteilnehmer erhalten Anregungen, wie sie Achtsamkeitsübungen und Meditationen in ihren Alltag integrieren können. Veränderungen werden im Alltag schnell spürbar, Erleichterung und Entlastung stellen sich ein und wirken sich aus.

Dabei zeigt sich immer wieder: schon die allerkleinste Achtsamkeitsübung trägt in sich das Potential zu weitreichender Veränderung!

Achtsamkeitsübungen sind nicht schwer zu erlernen, wir müssen dafür nicht so viel tun – auch nicht entspannen. Vielmehr lernen wir wirklich da zu sein, bei der Empfindung unseres Atems, bei der Wahrnehmung unseres Körpers, bei unseren Gedanken und Empfindungen. Jeder Mensch kann Achtsamkeit üben und vertiefen. Jede/r kann dort anfangen, wo er/sie jetzt gerade steht.

Wir üben vor allem im Sitzen auf Stühlen. Wer gerne auf einem Kissen am Boden sitzt kann sein eigenes Kissen gerne mitbringen.

Lesetipps zum Einstieg:
Jon Kabat Zinn: Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung durch MBSR. Knaur TB
Elisha Goldstein, Bob Stahl: MBSR für jeden Tag. Die achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung im Alltag. Arbor Verlag
Patrizia Collard: Das kleine Buch vom achtsamen Leben. Heyne
Christine Brähler: Selbstmitgefühl entwickeln. Liebevoller werden mit sich selbst. Scorpio Verlag

Der Arbor Verlag hat drei kleine Filme erstellt, die in kurzer Form erklären, worum es bei Achtsamkeit und Meditation eigentlich geht.

Wochenendkurs: freitags 19-21 Uhr, samstags 10 – 13 und 15-18 Uhr, sonntags 10 – 13 Uhr
20 Seiten Kursunterlagen
Liste mit hilfreichen Büchern und Links
Anregungen und Übungen für Achtsamkeit im Alltag
Kosten: 110 – 180 Euro nach eigenem Ermessen/Möglichkeiten
Kursraum: Luftig, Landwehrstraße 1a, 64293 Darmstadt
(Straßenbahn- und Busshaltestelle Willy-Brandt-Platz)
Telefon: 06151-318142
E-Mail

Foto: Pixabay/Pezibaer

Achtsam durch das erste Jahr *** Neuer Kurs ab November 2017

Eltern zu werden und für ein Baby zu sorgen ist eine der erfüllendsten und zugleich eine der anstrengendsten Aufgaben überhaupt. Viele Ratgeber und Kurse zeigen uns, wie wir mit einem Baby umgehen sollen, um es gut ins Leben zu begleiten. Oft wissen wir aber wenig darüber, wie wir mit unseren eigenen Gedanken und Gefühlen umgehen und uns selbst unterstützen können. Dieser Kurs richtet sich an Eltern, die  unterstützende Kraft der Achtsamkeit für sich selbst und ihr Baby kennenlernen oder vertiefen wollen.

Einmal in der Woche dürft ihr einfach ankommen, aus dem alltäglichen Trubel aussteigen und zusammen da sein. Wir haben Zeit für Achtsamkeitsübungen und kleine Meditationen, für ruhiges Beobachen und für alle Fragen, die im Alltag mit einem kleinen Kind aufkommen. Ich zeige euch, wie Achtsamkeit zur unterstützenden Kraft werden kann und wie ihr insgesamt mehr Gelassenheit und Fröhlichkeit ins Zusammensein mit eurem Kind bringen könnt. Für zuhause bekommt ihr hilfreiche  Texte und Übungen, so dass ihr die Themen in aller Ruhe vertiefen und auch in den kommenden Jahren immer wieder darauf zurückgreifen könnt.

Achtsamkeit hilft dir

  • immer wieder im Hier und Jetzt anzukommen und die Zeit mit deinem Kind bewusst zu genießen
  • deiner Intuition als Mutter/Vater zu vertrauen
  • besser mit Erschöpfung, Stress und schwierigen Situationen umzugehen
  • deinem Kind sein eigenes Tempo zuzugestehen und Vertrauen in seine Kraft zu entwickeln
  • fürsorglich und sanft für dein Kind zu sorgen – und für dich selbst!
  • auch im Alltag Zeiten einzurichten, in denen ihr einfach zusammen seid und nichts erreichen müsst
  • besser mit anstrengenden Situationen klar zu kommen
  • die schönen Momente bewusst wahrzunehmen und dich selbst zu stärken.

Die Kinder haben im Kurs die Möglichkeit, ganz im eigenen Tempo und aus eigener Kraft ihren Körper und unterschiedliche Spiel- und Bewegungsmaterialien kennenzulernen und im Kontakt mit sich selbst zu sein. Sie können ungestört die Möglichkeiten ihres Körpers kennenlernen, erste Erfahrungen mit anderen Kindern machen, kuscheln, schlafen oder einfach beobachten – wir lassen den Kindern ihren Rhythmus und ermöglichen ihnen, ihrem Forscherdrang nachzukommen.

Das Kurspaket umfasst 8 Gruppentreffen á 1,5 Stunden
Kursunterlagen mit Artikeln sowie Übungen für zuhause
Kosten: 110 – 140 Euro nach eigenen Möglichkeiten
(Bitte sprecht mich an, wenn es schwierig ist, diesen Betrag aufzubringen. Wir suchen dann nach einer Lösung.)
Kurstag: mittwochs 10:30 – 12 Uhr
Kursraum: Adelungstraße 41, 64289 Darmstadt (Straßenbahn- und Busshaltestelle Rhein-/Neckarstraße; Parkhaus direkt gegenüber)
Telefon: 06151-318142
E-Mail

„Du musst deinem Kind nichts beibringen. Du musst keinen Schnickschnack mehr kaufen. Du musst gar nichts tun. Ihr könnt beide einfach leben und euch an der Beziehung erfreuen, die sich zwischen euch entwickelt.“  Magda Gerber

 

„Nichts vermag uns letztlich auf das vorzubereiten, was tatsächlich auf uns zukommt, wenn wir Eltern werden. Wir lernen das, indem wir Eltern sind, indem wir unsere Rolle als Eltern ausfüllen. Wir müssen unseren Weg selbst finden, uns auf unsere inneren Ressourcen verlassen, auch auf diejenigen, von deren Existenz wir gar nichts ahnten. Dabei kommen die entscheidenden Anstöße und Signale von unseren Kindern und von jeder neuen Situation, mit der wir konfrontiert werden. Nur indem wir Eltern sind, können wir herausfinden was es bedeutet, Eltern zu sein. Es beinhaltetet eine unablässige tiefe innere Arbeit, eine eigene Art der spirituellen Schulung, Augenblick für Augenblick, sofern wir uns entscheiden, das Familienleben auf diese Weise zu sehen.“ Jon Kabat-Zinn

Lesetipps:
Myla und Jon Kabat Zinn: Mit Kindern wachsen. Die Praxis der Achtsamkeit in der Familie. Arbor Verlag
Emmi Pikler, Anna Tardos: Miteinander vertraut werden. Arbor Verlag
Magda Gerber: Ein guter Start ins Leben. Arbor Verlag
Cassandra Vieten: Ressourcen für Mütter. Praktische Hilfen für die Zeit der Schwangerschaft und das erste Jahr mit Ihrem Baby. Arbor Verlag

Foto: Pixabay/HolgersFotografie und privat

 

Stille einladen **** Samstag, 2. Dezember 15 – 19 Uhr

Zu Beginn der Adventszeit, die oft voller Termine und Unternehmungen steckt, nehmen wir uns bewusst Zeit für Stille. Wir laden sie ein wie einen Gast, verbringen Zeit mit einander und schauen, was uns begegnet und was entsteht.

Achtsam in die Stille kommen, uns der Stille zuwenden –
an diesem Nachmittag erforschen wir Stille in der Natur, im Sitzen und Liegen und im Gespräch.

Wir üben
I achtsames Gehen in der Natur
II in Stille ein Tasse Tee trinken
III Bodyscan
IV Stille beim Sprechen und Zuhören in der Gruppe

Die ersten drei Teile finden im Schweigen statt.

Wenn du teilnehmen möchtest sollten Achtsamkeit und Meditation nicht ganz neu für dich sein. Wenn du Fragen hast – melde dich gerne per Email oder telefonisch!

samstags 2.12.2017, 15-19 Uhr
Kosten: 35 – 45 Euro nach eigenem Ermessen/Möglichkeiten
Kursraum: Luftig, Landwehrstraße 1a, 64293 Darmstadt
(Straßenbahn- und Busshaltestelle Willy-Brandt-Platz)
Telefon: 06151-318142
E-Mail

Foto:freephotoc/pixabay

Etwas einfach tun

Achtsamkeit bezeichnet eine innere Haltung, in der wir Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrnehmen ohne Urteile über sie zu fällen. Wir sind einfach da und beobachten mit freundlicher Anteilnahme, was um uns herum und in uns drin gerade passiert.

Immer mal wieder können wir uns im Lauf des Tages auch die Frage stellen: was begegnet mir jetzt? Es gibt diese Vielfalt an Farben und Formen, Licht und Dunkelheit, Bewegung, Geräuschen und Gerüchen zu entdecken. Ebenso ist es mit Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Wenn wir uns immer wieder bewußt darin üben, wahrzunehmen ohne Urteile zu fällen, entsteht Achtsamkeit. Wir werden freier von automatischen Reaktionen, es entsteht ein Bewusstsein für Verbundenheit und innere Freundlichkeit.

Diese innere Haltung verändert auch unser Handeln. Es entsteht ja schnell der Eindruck, dass uns Achtsamkeit dazu bringt, passiv zu werden und nichts zu tun. Und ja – wenn wir Achtsamkeit auf dem Stuhl sitzend und in Stille üben, nehmen wir uns ein Auszeit vom Machen und Tun. Dann aber endet die Zeit der Meditation, wir kehren in eine Welt zurück in der es Emails gibt und Termine, Staubflocken und volle Wäschekörbe, Menschen und Tiere die es brauchen, versorgt zu werden. Und es kann sehr schnell passieren, dass wir uns aus der Haltung einer freundlichen Präsenz heraustragen lassen und wieder in die alte Hektik geraten.

Aus der Haltung der Achtsamkeit heraus gibt es aber ein Tun und Handeln, das eine andere Qualität hat. In dieser Haltung folgt unser Tun einem eigenen Rhythmus.  Wir tun, was jetzt als nächstes zu tun ist, wir beenden diese Aufgabe und schließen sie bewusst ab. Wir halten einen Moment inne und wenden uns der nächsten Aufgabe zu. Das ist wie Ein- und Ausatmen. Einatmend wende ich mich einer Aufgabe zu, ausatmend erledige ich sie. Schritt für Schritt, von Augenblick zu Augenblick.

Diese achtsame Art, unseren Aufgaben zu begegnen und ins Tun zu kommen, kann uns durch den Tag hindurch leiten. Wir bemerken auch, dass wir in aller Ruhe auch ohne dauerndes Planen und ohne uns anzutreiben oder unter Druck zu setzen das tun können, was zu tun ansteht. Und dass durch ein solches Tun am Ende des Tages wirklich viel getan ist.

Um diese Erfahrung zu machen, können wir uns zunächst mal eine Stunde am Tag vornehmen, in der wir dazu übergehen, alles was wir tun bewusst zu beginnen, bewusst zu beenden und zwischen der einen und der nächsten Aufgabe ein paar Atemzüge zu nehmen. Was ändert sich, wenn du auf diese Weise tätig wirst? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

 j.g.

Enttäuschung

Da habe ich doch gerade auf facebook einen schönen Satz gepostet – und der geht so: „Schiffe sinken nicht, weil sie von Wasser umgeben sind. Schiffe sinken, wenn das Wasser in sie eindringt. Lass nicht zu dass das, was um dich ist, in dich eindringt und dich nach unten zieht.“

Und kaum habe ich diese schöne Weisheit in die Welt geschickt, da macht es einmal kurz „plopp“ – und schon bin ich in einer Situation, in der ich mir diesen Spruch selbst an den Spiegel kleben kann…

Gleichzeitig war das Leben so nett, mir diese Weisheit zwei Tage vor der akuten Situation zu schicken, so dass ich mich nach zwanzig Minuten Wut und Ärger dann doch daran erinnert habe. Wie war das noch mit der achtsamen Selbstfreundlichkeit? „Es geht vorbei!“. „Schau einfach mal, wie du morgen darüber denkst…“, „Lass es ziehen…“, „Lass dir nicht bange machen!“, „Lass nicht zu, dass die Kleinlichkeit anderer Raum in deinem Haus bezieht.“.

Da war ich doch so voller Freude und Euphorie – und dann kommt da eine Bekannte und macht alles schlecht. Urteilt, kritisiert, mäkelt rum. Puh… da hatte ich mir etwas anders erhofft. Nicht unbedingt Ermutigung, aber einfach Mitfreude, Anteilnahme, ein klein wenig Begeisterung.

Ja, das hat mich getroffen und geärgert.
Und zugleich lerne ich, mich in solchen Situationen erst einmal freundlich um mich selbst zu kümmern, bevor ich meine Verärgerung und meine Enttäuschung gegen mich selbst oder andere befeuere. Man nennt das wohl Achtsamkeit…

Nachdem die ersten Gefühle nun etwas abgeklungen sind und ich wieder klarer sehe, kann ich auch entscheiden, mit wem ich meine Freude teile. Immer mal wieder geht es auch um die Frage, von wem ich mir was und warum erhoffe – und was entstehen kann, wenn die Hoffnung enttäuscht wird. Und um die Erfahrung, dass ich mich trotz der Enttäuschung an meine Freude erinnern und zu ihr zurückkehren kann.

Menschen um sich zu haben, die sich von Herzen mit freuen können – das ist wirklich ein Geschenk. Heute bin ich in dieser Sache mal wieder ein bißchen klüger geworden…

Foto: Pixabay/pexels

Mein Lesetipp: Erling Kagge „Stille“

„Die Stille um dich herum kann vieles enthalten, aber für mich ist die interessanteste Stille diejenige, die in mir ist. Eine Stille, die ich in gewisser Weise selbst schaffe. Daher suche ich nicht mehr nach der Stille um ich herum. Die Stille, auf die ich aus bin, ist die Stille in mir.“

In unserer lauten Welt sehnen wir uns nach Stille. Ist die Stille aber da, halten wir sie oft nicht aus, werden unruhig, lenken uns ab. Der norwegische Autor und Abenteurer Erling Kagge hat sich auf den Weg gemacht, die Stille zu suchen – und aus dieser Suche ist nun ein kluges und inspirierendes Buch geworden, das ich euch sehr empfehle.

Einen Wegweiser, wie im Untertitel versprochen, einen Ratgeber also wie man Stille findet, sollte man nicht erwarten. Vielmehr lotet Erling Kagge in 33 Abschnitten seine eigenen Erfahrungen mit Stille aus – und als LeserInnen dürfen wir uns vertrauensvoll auf diesen Wegen führen lassen. Es sind Erinnerungen und Fragen, Gespräche, philosophisches und allgemein menschliches, er unternimmt Wege zur Wissenschaft, zur Literatur, Kunst und Musik, an den Küchentisch zu seinen Töchtern, in die Antarktis, in ein Fußballstadion und zurück zu dem Bett, in dem er als kleiner Junge angstvoll der Stille gelauscht hat. Und immer wieder führen seine  Betrachtungen zu Einsichten die nachklingen und uns dafür öffnen, Stille zu bemerken und uns ihr wieder zuzuwenden.

Ein kleines Forschungsprojekt ist für mich aus der Frage entstanden, wie und wo Frauen Stille suchen und finden. Dem will ich in den nächsten Wochen in meinem Alltag nachgehen. Unabhängig davon schärft dieses Buch unsere Sinne und unseren Verstand, um Stille neu zu entdecken und ihr, weil wir sie bemerken, neuen Raum zu geben.

Erling Kagge: Stille. Ein Wegweiser. Insel Verlag 2017
Zur Leseprobe
Foto: Pixabay/pixel2013

 

 

 

Langsamer werden

Bedrängt von dem Gefühl, schnell sein zu müssen, ist „langsamer werden“ in der heutigen Zeit eine Kunst und ein Wagnis zugleich. Wagen wir es, samstags in der städtischen Fußgängerzone langsam einen Fuß vor den anderen zu setzen und achtsam zu gehen? Wagen wir es noch, uns in der Mittagspause zu einem Essen hinzusetzen und uns Zeit für Schmecken und Kauen zu nehmen? Wagen wir es, unseren Kindern morgens Zeit zu geben, um langsam in den Tag zu kommen? Wagen wir es, die empörten Blicke und Bemerkungen auszuhalten die uns treffen, wenn wir an der Supermarktkasse das Gemüse nicht eilig in die Einkaufskarre werfen oder das Gedrängel und Gehupe hinter uns zu ertragen, wenn wir in der 30er-Zone auch nur 30 fahren? Weiterlesen