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Ärger, Wut und Traurigkeit

Eltern zu sein bringt uns in Kontakt mit starken Gefühlen – unseren eigenen und denen unserer Kinder. Einerseits empfinden wir für unser Kind eine Zärtlichkeit, die ganz anders ist als alles,  was wir zuvor gefühlt haben. Viele Eltern schildern, dass sie sich weicher und durchlässiger fühlen und Momente großer Freude aber auch Ärger, Angst und Gefühle von Einsamkeit intensiver erleben. In einer Kultur in der Menschen von klein auf lernen, Gefühlen zu misstrauen oder sich für Trauer und Ärger schuldig zu fühlen, kann uns der Kontakt mit den eigenen starken Gefühlen und denen unserer Kinder ziemlich herausfordern.

Kleine Kindern zeigen uns wie es ist, vollkommen von Gefühlen eingenommen zu sein und Gefühle auch vollkommen auszudrücken – ohne Rüchsicht auf die Folgen. Wenn Kinder Freude empfinden, dann ist da nur Freude. Wenn sie Wut empfinden, dann gibt es in diesem Moment nichts anderes als Wut. So schnell wie die Wut gekommen ist, so schnell fließt sie aber meist auch wieder ab. Kleine Kinder spielen nichts vor, sie unterdrücken nichts, sie zeigen ihre Gefühle und es ist möglich, dass im nächsten Moment wieder alles neu und anders ist. Sie leben von Augenblick zu Augenblick, sie sind nicht nachtragend und halten nicht an vergangenen Gefühlen fest.

Viele Erwachsenen haben auf dem Lebensweg dagegen gelernt, Gefühle eher zu unterdrücken, vor allem Ärger und Trauer. Wenn wir dann damit beginnen uns mit Achtsamkeit zu befassen kann auch die Vorstellung entstehen, dass wir nur noch lächelnd und auf Zehenspitzen durch die Welt zu gehen sollten. Darum geht es aber nicht. Achtsamkeit lehrt uns vielmehr, alle Gefühle bewusst wahrzunehmen. Nichts auszusperren, auch nicht die Angst, alles wahrzunehmen, auch den Ärger. Uns nicht ununterbrochen davon abzulenken, uns nicht zu verstellen und nicht nach schnellen Lösungen zu suchen, wie wir die unangenehmen Gefühle wegmachen können. Nicht reflexartig in Schuldgefühle und Schuldzuschreibungen zu verfallen und den Schmerz den wir in uns wahrnehmen nicht reflexartig an andere weiterzugeben.

Achtsamkeit lehrt uns den klugen und einfühlsamen Umgang mit Gefühlen – denen unserer Kinder und unsere eigenen. Auf diesem Weg lernen wir, Gefühle wahrzunehmen, ihnen mit  Neugier zu begegnen und auf eine Weise mit ihnen umzugehen, die uns selbst und andere nicht verletzt. Wenn es uns als Erwachsenen gelänge, im Kontakt mit den starken Gefühlen unserer Kinder und unseren eigenen wach, präsent und wohlwollen zu bleiben, würde sich vieles grundlegend wandeln. Aus einer achtsamen Haltung für unsere Gefühle entsteht eine neue innere Freiheit und eine Gewissheit, dass wir selbst und unsere Kinder in jedem Moment mehr sind als die Wut oder die Angst oder die Traurigkeit die in diesem Moment vielleicht da ist. (j.g.)

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