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Am Anfang sein

Am Anfang zu sein, nichts zu können und nicht zu wissen wie es „richtig geht“, ist in unserer Kultur keine besonders geschätzte Eigenschaft. Wir sind sehr darauf konditioniert, dieses „nicht wissen“ oder „noch nicht können“ möglichst schnell zu beenden, bei uns selbst uns bei unseren Kindern. Im Zen-Buddhismus gibt es einen Satz, den wir uns einprägen können, denn er hilft uns sehr mit Situationen umzugehen, in denen wir selbst oder unsere Kinder noch nicht wissen, wie es geht – die Sache mit dem Elternsein zum Beispiel, die Sache mit dem Schnürsenkel binden oder eben die Sache mit der Achtsamkeit: „Im Geist des Anfängers gibt es viele Möglichkeiten, im Geist des Experten gibt es nur wenige.“

Vor allem im Zusammensein mit kleinen Kindern können wir täglich beobachten, wie sie damit umgehen, nicht zu wissen wie etwas ist. Sie haben noch keine Vorstellung, probieren Dinge aus, sie forschen, sie scheitern, sie fangen von vorne an. Und sie kommen dabei auf neue, eigene Ideen, verblüffen uns mit „kindlicher Logik“ und Lösungen, auf die wir nie gekommen wären. Wenn es uns Eltern gelingt, ihnen weniger oft unsere eigenen Lösungen vorzugeben, wenn wir vielmehr selbst eine Haltung der Offenheit und der Neugier einnehmen können, ergeben sich neue, kreative Wege.

Es ist wie am Beginn eines Atemzugs – wir wissen noch nicht wie er sein wird. Es ist wie zu Beginn eines neuen Jahres – wir wissen noch nicht was kommen wird. Es ist wie wenn ein Kind auf die Welt kommt und wir noch nicht ahnen können, wie es einmal sein wird. Martin Buber sagt “ Mit jedem Menschen ist etwas Neues in die Welt gesetzt, was es noch nicht gegeben hat, etwas Erstes und Einziges.“ Eltern sein ist auch damit verbunden, diesem Neuen, Ersten und Einzigen immer neu mit freundlichem Wohlwollen und einer wachen Neugier zu begegnen. Was wird aus dir? Was zeigt sich? Was von mir als Mutter oder Vater brauchst du denn?

Anfänge bewusst wahrzunehmen, in unserem Elternsein, bei unserem Kind und in der Natur ist eine erste Öffnung hin zur Achtsamkeit. In dem Moment in dem wir einen Anfang wahrnehmen, können wir auch einen kleinen Schritt von automatischem Handeln oder Sprechen zurücktreten und dem was entstehen will Raum geben. Wir müssen auch als Erwachsene nicht alles wissen, im Gegenteil steht uns unser Wissen ja manchmal auch im Weg wenn es darum geht wahrzunehmen, was wir selbst, unser Kind, oder eine Situation von uns braucht.

Es ist eine Erleichterung für Eltern, wenn wir die Erfahrung machen, dass wir in jedem Moment zum Anfang zurückkehren können. Auch wenn Situationen schiefgegangen sind, auch wenn alles mal wieder etwas weniger als perfekt ist – es gibt die Möglichkeit mit einer sanften und freundlichen inneren Bewegung an den Anfang zurückzukehren und jetzt neu zu beginnen. (j.g.)

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