Achtsamkeit im Alltag, Texte und Inspirationen
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Angst – das scheue Tier

In dem wunderbaren Jugendbuch „Ein Dorf am Meer“* der amerikanischen Schriftstellerin Paula Fox stoße ich auf einen kleinen Text über die Angst:

„Ich stelle mir vor, dass ein scheues Tier in mir ist“, sagt da ein Vater zu seiner Tochter. Und er erklärt ihr weiter: „Wenn es Angst hat, spüre ich es zittern. Es kann nicht hören. Es kennt nur die Angst, die es empfindet. Es hat weder Gedächtnis noch eine Vorstellung von der Zukunft. Es lebt in der Gegenwart – im Hier und Jetzt – und ich versuche mir einzureden, dass es nur ein Teil von mir ist, ein kleines ängstliches Ding, das ich bedauern kann. Wenn mir das gelingt, geschieht etwas. Das Tier hat dann nicht mehr so viel Angst.“

Ja, denke ich mir, da ist Paula Fox tief eingetaucht, um das Wesen der Angst zu erforschen.
Angst – dieses scheue Tier – kennt nur die Angst. Und es kennt nur die Angst vor der Angst und erzittert vor der eigenen Angst. Es kennt keinen Ausweg.

Aber: es kennt das Hier und Jetzt. Und genau dorthin können wir gehen, um uns der Angst zuzuwenden. Mitfühlend.
Und dann verändert sich etwas.

Oft lassen wir uns von der Angst in die Zukunft treiben. Hin zu der Frage, was sein wird. Wir sind dann wie gelähmt. Von der Zukunft aus können wir der Angst nicht begegnen. Wir müssen schon hingehen, an den Ort in uns, an dem die Angst sitzt.

Achtsamkeit lehrt uns, in Momenten der Angst mit unserem Atem verbunden zu sein. Und zu spüren, wir sind mehr als die Angst…

*Fischer Taschenbuch Verlag 2011

 

 

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