Autor: Julia

Sich Zeit nehmen

Bedrängt von dem Gefühl, „alles schaffen zu müssen“, ist „sich Zeit nehmen“ eine Kunst und ein Wagnis zugleich. Wagen wir es, samstags in der städtischen Fußgängerzone einmal bewusst einen Fuß vor den anderen zu setzen und langsam zu gehen? Wagen wir es noch, uns in der Mittagspause zu einem Essen hinzusetzen und uns Zeit für Schmecken und Kauen zu nehmen? Und wäre es nicht eine Revolution, unseren Kindern morgens Zeit zu lassen, um in den Tag zu starten? Wagen wir es, empörte Blicke und Bemerkungen auszuhalten, wenn wir an der Supermarktkasse das Gemüse nicht eilig in die Einkaufskarre werfen?

Jon Kabat Zinn: Präsenz

„Präsent sein ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es ist vielleicht die schwerste Arbeit der Welt. Ach, vergessen Sie ruhig das „vielleicht“. Es ist die schwerste Arbeit der Welt – zumindest das Aufrechterhalten der Präsenz. Und die wichtigste Arbeit. Wenn sie zur Präsenz gelangen – und gesunde Kinder leben die meiste Zeit in der Landschaft der Präsenz – dann wissen Sie es augenblicklich, dann fühlen Sie sich sofort zu Hause. Und da sie zu Hause sind, können Sie sich entspannen, können Sie loslassen, können Sie in Ihrem Sein ruhen, in Gewahrsein, in der Präsenz selbst, in Ihrer eigenen guten Gesellschaft.“ Jon Kabat Zinn „Zur Besinnung kommen“ Foto: Pixabay/Zichrini

Bindung

Ankommen einfach da sein atmen wahrnehmen. Verbunden sein mit mir und dir im Spüren im Schauen im Hören. Mich spüren, mein Tempo, meine Kraft. Mich strecken, wachsen, Grenzen weiten, lernen, beobachten, im Gleichgewicht sein. Glück ist: Neues erkunden – und scheitern dürfen. Nicht gedrängt und nicht gebremst zu sein in dem Wunsch bei dir und zugleich bei mir zu sein. (j.g.) Foto: pixabay/StockSnap  

Gedanken erforschen

Gedanken haben Schönes und Schwieriges mit uns im Sinn, sie meinen aber nichts davon persönlich. Sie kommen und gehen einfach und mir gefällt die Vorstellung, dass sie mit Paketen gefüllte Rucksäcke herumtragen, die wir entgegen nehmen und öffnen können – oder einfach mit dem Vermerk „unbekannt verzogen“ weiter wandern lassen. Denn nicht jedes Paket, dass vorbei kommt, ist auch an uns adressiert. Achtsamkeitsübungen lehren uns, das Kommen, Dasein und Gehen unserer Gedanken zu bemerken, ohne etwas zu unterdrücken oder festzuhalten. Wir lernen, wie wir mit den Päckchen umgehen können, ob wir sie gierig an uns reißen und sofort öffnen, ob wir sie zunächst einmal vorsichtig betrachten, ob wir ihnen interessiert oder misstrauisch begegnen. Nach und nach bemerken wir, dass nicht alles was glänzend daher kommt auch Gold ist, wir erleben auch Überraschungen und manchmal stehen wir vor einer Ansammlung von Plunder, den einfach kein Mensch braucht… Die wichtige Frage im Alltag ist aber immer wieder, was eigentlich die Qualität dieser Päckchen beeinflusst. Wie können wir leben, wie können wir sein, damit wir uns von unseren …

Reichtum der Gedanken

Immer mal wieder begegnet mir beim Lesen ganz unverhofft ein kleiner Satz, der mein Verständnis von Achtsamkeit wieder ein wenig wandelt oder ergänzt. Das ist, als würde eine kleine Glocke erklingen. Etwas berührt mich, etwas schwingt. Etwas, das zuvor nicht da war, ist plötzlich neu entstanden. So ist es mir dieser Tage beim Lesen eines Romans ergangen, genauer gesagt der Geschichte einer Frau, die dem Leben ihrer Mutter nachspürt*. Während sie erzählt wird ihr die eigene Angst vor dem Alter und dem Alleinsein bewusst. Bei einem der letzten Telefonate mit der Mutter „sagte ich zu ihr, ich würde anfangen, mich vor dem Alter zu fürchten, vor dem Alleinsein. Ich rückte damit raus, dass es mir schwerfiel zu sehen, wie sie an ihre Wohnung gebunden war, dass es mich bedrückte und mir Angst machte. ‚Du musst dir keine Sorgen machen‘, hatte sie zu mir gesagt, mit ihrer jungen, zuversichtlichen Stimme. ‚Du wirst den Reichtum deiner Gedanken haben.‘ „ Das fand ich schön. Und tröstlich. Und irgendwie ist mir seit einiger Zeit mal wieder bewusst geworden: Gedanken …

Willkommen…

… auf dem Weg der Achtsamkeit (Mindfulness). Wir sind eingeladen, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen und Entspannung, Freude, Leichtigkeit und innere Klarheit wachsen zu lassen. Wir halten inne, atmen, kommen an und richten uns neu aus. Dies macht nicht, dass im Leben keine Schwierigkeiten mehr auftauchen – wir lernen aber, anders mit ihnen umzugehen. Achtsamkeit lässt neue Wege entstehen, überraschende Einsichten. Wir müssen nicht so viel machen, nur aus dem Modus von „machen und tun“ immer wieder mal aussteigen und einfach sein. Es geht um diesen Moment, diesen Atemzug, diesen Schritt, diesen Gedanken, dieses Wort. Alles entsteht in diesem einzigen, kostbaren Augenblick… In meinem Kursen, auf Spaziergängen im Darmstädter Wald und mit meinen Texten begleite ich Menschen auf diesem Weg. Und freue mich, wenn wir uns kennen lernen… Herzlichst Julia Grösch Foto: pixabay/pezibaer

Und was ist eigentlich Meditation?

Jenseits der äußeren Gegebenheiten die unser Leben so oft bestimmen, gibt es in uns einen Ort, an dem wir uns jederzeit niederlassen können. An diesem Ort verbinden wir uns immer wieder neu mit Stille, Präsenz, Offenheit, Friedfertigkeit, Achtsamkeit und Mitgefühl. Achtsamkeit öffnet den Weg zu diesem Ort – Medititation heißt, sich um diesen Weg zu kümmern, ihn frei zu räumen und ihn offen zu halten. Von dort aus sind wir verbunden, sicher und einverstanden – und können zugleich gut für uns sorgen und bewusster entscheiden, wie wir mit uns umgehen und was wir in die Welt bringen wollen – in der Begegnung mit uns selbst, mit Erwachsenen und Kindern, Tieren, Pflanzen und allem, was ist. Achtsamkeitsmeditation ist keine Phantasiereise und keine Entspannungsübung. Vielmehr geht es darum, wach zu sein für unsere Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. Während der Meditation sind wir „ganz da“ . Dies kann zu Entspannung, Friedlichkeit und einem Gefühl von Leichtigkeit oder auch innerer Klarheit führen. Es gibt aber kein „so muss es sein“. Und manchmal ist Meditation auch zum Einschlafen. :-) Und …

Mary Oliver: Familie aller Dinge

Du brauchst nicht gut zu sein. Du brauchst nicht Hunderte von Meilen Reuevoll auf Knien durch die Wüste zu rutschen. Du brauchst bloß das kleine weiche Tier deines Körpers Lieben zu lassen, was es liebt…. Erzähl mir von Verzweiflung, deiner, und ich erzähle dir von meiner. Derweil nimmt die Welt ihren Lauf. Derweil bewegen sich die Sonne und die klaren Kiesel des Regens Durch die Landschaften, über Prärien, die tiefen Bäume, die Berge und Flüsse. Derweil ziehen die wilden Gänse hoch in der klaren, blauen Luft Wieder heimwärts. Wer immer du bist, gleich, wie verlassen, die Welt bietet sich deiner Phantasie dar, ruft dich wie die wilden Gänse, mit rauer, aufregender Stimme – immer wieder, und verkündet dir deinen Platz in der Familie aller Dinge. You do not have to be good. You do not have to walk on your knees For a hundred miles through the desert, repenting. You only have to let the soft animal of your body love what it loves. Tell me about your despair, yours, and I will tell you …

Atmen

Unser Atem begleitet uns vom ersten bis zum letzten Moment unseres Lebens. Er verbindet Innen und Außen, Oben und Unten, er stömt durch uns hindurch und versorgt jede Zelle unseres Körpers mit Lebensenergie. Wenn wir damit beginnen, unsere Wahrnehmung auf den Atem zu lenken bemerken wir meist schnell, dass es nicht einfach ist, den Atem einfach nur zu beobachten ohne ihn zu lenken oder zu verändern. Wir müssen aber nichts tun, nur mit freundlicher und liebevoller Aufmerksamkeit erforschen, wie er ist, wie er kommt, wie er geht. Je feiner wir in unserer Wahrnehmung werden, desto mehr bemerken wir auch, dass jeder Atemzug anders, jeder Atemzug neu und einzigartig ist. Dies zu erfahren verändert vieles. Unser Atem hilft uns dabei, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen. Ob wir an der Supermarktkasse stehen, unserem Kind die Schnürsenkel zubinden oder längere Zeit auf einem Kissen oder einem Stuhl sitzen wollen – unser Atem ist da. Nach und nach bringt er uns zur Stille, nach und nach führt er uns zu einer inneren Aufrichtung die uns hilft, stabiler und zugleich entspannter …

Einfach achtsam * 4-Wochen-Kurs ab Montag 19.11. 19 Uhr

Achtsamkeitsübungen, Meditationen, sanfte Körperübungen, achtsamer Dialog   Dieser Kurs ist eine Einführung in die Praxis der Achtsamkeit (Mindfulness) für Menschen, die aus dem üblichen Getriebe des Alltags aussteigen und sich mehr Zeit und Raum für „einfach da sein“ nehmen wollen – mit sich und mit anderen. Wir praktizieren Übungen und Meditationen die euch dabei unterstützen, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen, Anspannungen loszulassen und sich bewusst zuzuwenden: dem Atem, den Gedanken und Empfindungen, der Stille, der Freude, dem gegenwärtigen Augenblick, dem anderen Menschen. Achtsamkeit hilft uns, auf freundliche und unterstützende Weise für uns selbst da zu sein. Zugleich lehrt sie uns auf sanfte Weise, wie wir uns anderen Menschen zuwenden und präsent und mitfühlend sein können, ohne die eigene Mitte zu verlieren. Auf diese Weise wachsen Einsicht, tieferes Verständnis, Gelassenheit und innere Freude. Dabei zeigt sich immer wieder: schon die allerkleinste Achtsamkeitsübung trägt in sich das Potential zu weitreichender Veränderung! Jeder Mensch kann Achtsamkeit üben und vertiefen. Jede/r kann dort anfangen, wo er/sie jetzt gerade steht. Hilfreich ist es, sich im Alltag Zeit für Übungen einzurichten. Alle …