Autor: Julia

Aufräumen

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch im Bonner Frauenmuseum vor etwa fünfundzwanzig Jahren – und wie ich mit sehr gemischten Gefühlen vor einem dort ausgestellten Wäscheschrank aus einem Bauernhaus des 19. Jahrhunderts stand. Sorgfältig und millimetergenau gefaltet und beschriftet lagen dort Leinentücher, Handtücher, Bettwäsche und Leibwäsche gestapelt. Die Regalbretter waren mit geklöppelten Borten verziert und wir erfuhren, dass ein solcher Wäscheschrank zu jener Zeit der Stolz jeder Hausfrau war. Diese Arbeit und die Ordnung zu würdigen oder als wichtig anzuerkennen, wäre uns jungen Frauen damals nicht in den Sinn gekommen. Hausarbeit, Ordnung, Wäsche bügeln und sortieren – nichts wollten wir ja weiter hinter uns lassen, als diese „typische Frauenarbeit“, in der wir ein wesentliches Element der Ausbeutung von Frauen sahen. Irgendwie aber hat mich der Anblick dieses Wäscheschrankes nicht mehr los gelassen. Ging von ihm auch nicht auch Schönheit aus? Und eine Wertschätzung für die Dinge, die dort so ordentlich aufgeschichtet waren? Und hatte sich die Besitzerin dieses Schrankes wirklich unterdrückt und ausgebeutet gefühlt, oder entsprang diese Einschätzung nur unserer eigenen, eingeschränkten …

Veränderung

Stressfreier zu leben, mehr im Einklang mit sich selbst, auch freudiger: es ist möglich wenn wir bereit sind, mit der Veränderung zu sein. Veränderung stellt sich ein wenn wir bereit sind, mit den Folgen der Veränderung zu leben. Die Praxis der Achtsamkeit hat mir in den letzten Jahren gezeigt, dass der Weg der Veränderung ein Prozess sein kann, der von innen heraus entsteht. Zunächst – langsam, langsam – entsteht im Inneren eine Bereitschaft oder auch eine Kraft,

Eine Art zu sein

Jenseits aller Definitionen beschreibt das Wort „Achtsamkeit“ eine bestimmte Art zu sein. Eine Art zu sein, die uns ganz natürlich gegeben ist, die uns aber im Lauf des Lebens und unter verschiedensten Einflüssen immer wieder abhanden kommen kann. Wenn wir uns aber nach Momenten der Achtsamkeit in unserem Leben fragen, dann erinnern sich alle Menschen an Situationen, Begegnungen oder Wahrnehmungen, in denen sie bereits im Zustand der Achtsamkeit waren, auch wenn sie das nicht bewusst geübt haben. Wenn wir anfangen, uns mit Achtsamkeit zu befassen und diese Haltung der freundlichen Präsenz bewusst einzuüben, lernen wir ein Übungspraxis kennen: Achtsamkeit auf den Atem, im Sitzen, Liegen, Gehen, Achtsamkeit auf Gedanken, Stimmungen, Wahrnehmungen. Dies sind wichtige, grundlegende Übungen, die uns im Alltag sehr helfen können und die uns Einsichten in bestimmte Zusammenhänge ermöglichen. Wenn wir beispielsweise lernen, unseren Urteilen über unsere Gedanken bewusster zu begegnen, überträgt sich dies in den Alltag und verändert unsere Haltung zu stressigen Situationen oder schwierigen Mitmenschen. Immer wieder können wir uns aber auch fragen, was uns im Alltag dabei hilft, aus uns …

Achtsamkeit –
eine kleine Einführung

„Achtsamkeit bedeutet auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen… Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hochwirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren und uns mit unserer Weisheit in Berührung zu bringen.“ Jon Kabat-Zinn  In unseren Familien, in Beziehungen, im Kontakt mit Kollegen und im Zusammensein mit unseren Kindern – wir alle wollen frei und glücklich leben, gesund sein und uns sicher und geborgen fühlen. Zugleich stehen wir immer wieder vor Hindernissen. Äußere Umstände wie zu viel Stress, Krankheiten oder Konflikte, aber auch Sorgen, Grübeleien und Ängste können uns daran hindern, zu entspannen und uns der freudigen Momente bewusst zu sein. Achtsamkeit bringt uns wieder in unser inneres Gleichgewicht und öffnet uns für den gegenwärtigen Augenblick. Auf diesem Übungsweg lernen wir mit Hindernissen so umzugehen, dass sie unsere Freude, unsere Offenheit und unsere innere Klarheit nicht behindern. Achtsamkeit macht zwar nicht, dass wir im Alltag nie mehr Probleme haben, sie hilft uns aber, anders mit diesen umzugehen. Ein amerikanisches Werbeplakat für Surfer aus den …

Meditation

Jenseits der Gegebenheiten, die unser Leben so oft bestimmen, gibt es in uns einen Ort, an dem wir uns jederzeit niederlassen können. An diesem Ort verbinden wir uns immer wieder neu mit Stille, Präsenz, Offenheit, Freundlichkeit und Mitgefühl. Meditation heißt, sich um diesen Weg nach innen zu kümmern, ihn immer wieder frei zu räumen. Von dort aus sind wir verbunden, sicher und einverstanden – können zu Kraft und mehr Klarheit  finden und zugleich gut für uns sorgen. Von dort aus können wir auch bewusster entscheiden, wie wir mit uns umgehen und was wir in die Welt bringen wollen – in der Begegnung mit uns selbst, mit Erwachsenen und Kindern, Tieren, Pflanzen und allem, was da ist. Achtsamkeitsmeditation ist keine Phantasiereise und keine Entspannungsübung. Vielmehr geht es darum, wach zu sein für unsere Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. Während der Achtsamkeitsmeditation sind wir „ganz da“  und üben uns darin, nicht wertend und absichtslos im Hier und Jetzt zu verweilen, ohne uns in Gedanken, Empfindungen oder Gefühlen zu verwickeln. Dies kann zu Entspannung, Friedlichkeit und einem Gefühl von …

Jon Kabat Zinn: Präsenz

„Präsent sein ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es ist vielleicht die schwerste Arbeit der Welt. Ach, vergessen Sie ruhig das „vielleicht“. Es ist die schwerste Arbeit der Welt – zumindest das Aufrechterhalten der Präsenz. Und die wichtigste Arbeit. Wenn sie zur Präsenz gelangen – und gesunde Kinder leben die meiste Zeit in der Landschaft der Präsenz – dann wissen Sie es augenblicklich, dann fühlen Sie sich sofort zu Hause. Und da sie zu Hause sind, können Sie sich entspannen, können Sie loslassen, können Sie in Ihrem Sein ruhen, in Gewahrsein, in der Präsenz selbst, in Ihrer eigenen guten Gesellschaft.“ Jon Kabat Zinn „Zur Besinnung kommen“ Foto: Pixabay

Etwas einfach tun

Achtsamkeit bezeichnet eine innere Haltung, in der wir Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrnehmen ohne Urteile über sie zu fällen. Wir sind einfach da und beobachten mit freundlicher Anteilnahme, was um uns herum und in uns drin gerade passiert. Immer mal wieder können wir uns im Lauf des Tages auch die Frage stellen: was begegnet mir jetzt? Es gibt diese Vielfalt an Farben und Formen, Licht und Dunkelheit, Bewegung, Geräuschen und Gerüchen zu entdecken. Ebenso ist es mit Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Wenn wir uns immer wieder bewußt darin üben, wahrzunehmen ohne Urteile zu fällen, entsteht Achtsamkeit. Wir werden freier von automatischen Reaktionen, es entsteht ein Bewusstsein für Verbundenheit und innere Freundlichkeit. Diese innere Haltung verändert auch unser Handeln. Es entsteht ja schnell der Eindruck, dass uns Achtsamkeit dazu bringt, passiv zu werden und nichts zu tun. Und ja – wenn wir Achtsamkeit auf dem Stuhl sitzend und in Stille üben, nehmen wir uns ein Auszeit vom Machen und Tun. Dann aber endet die Zeit der Meditation, wir kehren in eine Welt zurück in der es …

Das Herz für unser Kind öffnen

Mit unseren Kindern im herzlichen Kontakt zu sein, unser Herz für ein Kind zu öffnen… es klingt so selbstverständlich, und kann doch so schwierig sein. Gerade dann, wenn der Stresspegel mal wieder steigt, wenn unsere Kinder mal wieder ganz und gar nicht so sind oder so reagieren, wie wir uns das wünschen, kann unser Herz eng werden oder sich ganz verschließen. Sehr oft verhalten auch wir uns dann auf eine Weise, die dem Wunschbild, das wir von uns als Eltern haben, nicht entspricht. Wenn unser Herz eng wird oder verschossen, verlieren wir nicht nur die Geduld und das Wohlwollen mit unseren Kindern, wir verlieren auch die Geduld und die Freundlichkeit mit uns selbst. Schnell kann es passieren, dass wir in einen unheilvollen Strudel aus Vorwürfen, Schuldzuweisen, neuem Ärger und weiterer Wut geraten. Zusätzlich zu den oft schwierigen Bedingungen, unter denen wir in der heutigen Zeit Eltern sind, beschweren wir auf diese Weise unser Zusammensein mit Kindern durch belastende Gedanken. Unser Herz kann sich öffnen, wenn wir unseren Kopf von Urteilen und Wunschvorstellungen befreien. Wir müssen …

Einfach sitzen – einfach atmen
Selbstfürsorge und Stressbewältigung durch Achtsamkeit

Einführungskurs ab 14. März 2019 Dieser Kurs ist eine Einführung in die Praxis der Achtsamkeit für Menschen die lernen wollen, unterstützend mit sich selbst umzugehen und im Alltag anders auf Stress und Belastungen zu reagieren. Wir praktizieren Übungen und Meditationen die dabei helfen, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen und Anspannungen loszulassen. Ruhe und Freude nehmen zu, wir gewinnen inneren Raum, werden gelassener und können bewusster wählen, was uns gut tut.