Autor: Julia

Gedanken erforschen

Gedanken haben Schönes und Schwieriges mit uns im Sinn, sie meinen aber nichts davon persönlich. Sie kommen und gehen einfach und mir gefällt die Vorstellung, dass sie mit Paketen gefüllte Rucksäcke herumtragen, die wir entgegen nehmen und öffnen können – oder einfach mit dem Vermerk „unbekannt verzogen“ weiter wandern lassen. Denn nicht jedes Paket, dass vorbei kommt, ist auch an uns adressiert. Achtsamkeitsübungen lehren uns, das Kommen, Dasein und Gehen unserer Gedanken zu bemerken, ohne etwas zu unterdrücken oder festzuhalten. Wir lernen, wie wir mit den Päckchen umgehen können, ob wir sie gierig an uns reißen und sofort öffnen, ob wir sie zunächst einmal vorsichtig betrachten, ob wir ihnen interessiert oder misstrauisch begegnen. Nach und nach bemerken wir, dass nicht alles was glänzend daher kommt auch Gold ist, wir erleben auch Überraschungen und manchmal stehen wir vor einer Ansammlung von Plunder, den einfach kein Mensch braucht… Die wichtige Frage im Alltag ist aber immer wieder, was eigentlich die Qualität dieser Päckchen beeinflusst. Wie können wir leben, wie können wir sein, damit wir uns von unseren …

Reichtum der Gedanken

Immer mal wieder begegnet mir beim Lesen ganz unverhofft ein kleiner Satz, der mein Verständnis von Achtsamkeit wieder ein wenig wandelt oder ergänzt. Das ist, als würde eine kleine Glocke erklingen. Etwas berührt mich, etwas schwingt. Etwas, das zuvor nicht da war, ist plötzlich neu entstanden. So ist es mir dieser Tage beim Lesen eines Romans ergangen, genauer gesagt der Geschichte einer Frau, die dem Leben ihrer Mutter nachspürt*. Während sie erzählt wird ihr die eigene Angst vor dem Alter und dem Alleinsein bewusst. Bei einem der letzten Telefonate mit der Mutter „sagte ich zu ihr, ich würde anfangen, mich vor dem Alter zu fürchten, vor dem Alleinsein. Ich rückte damit raus, dass es mir schwerfiel zu sehen, wie sie an ihre Wohnung gebunden war, dass es mich bedrückte und mir Angst machte. ‚Du musst dir keine Sorgen machen‘, hatte sie zu mir gesagt, mit ihrer jungen, zuversichtlichen Stimme. ‚Du wirst den Reichtum deiner Gedanken haben.‘ „ Das fand ich schön. Und tröstlich. Und irgendwie ist mir seit einiger Zeit mal wieder bewusst geworden: Gedanken …

Von Augenblick… zu Augenblick…

wenden wir uns Achtsamkeit zu. Wir begegnen unseren Gedanken, Gefühlen und Empfindungen ohne ein Urteil zu fällen. Wir richten uns innerlich bewusst aus und schauen mit neuer Offenheit auf Erfahrungen und Situationen. Das präsente, offene Dasein schenkt uns Freiheit und mehr innere Klarheit, Akzeptanz, Gelassenheit und vielleicht sogar Humor. Neue Wege entstehen, überraschende Einsichten. Wir müssen nicht so viel machen, einfach nur da sein. Es geht um diesen Moment, diesen Atemzug, diesen Schritt, diesen Gedanken, dieses Wort. Alles entsteht in diesem einzigen, kostbaren Augenblick…

Jenseits von Stress und Schwierigkeiten…

gibt es in uns einen Ort, an dem wir uns jederzeit niederlassen können. An diesem Ort verbinden wir uns immer wieder neu mit Stille, Präsenz, Offenheit, Friedfertigkeit, Achtsamkeit und Mitgefühl. Wir kommen in Kontakt mit Qualitäten, die uns helfen und leiten können. Achtsamkeit öffnet den Weg zu diesem Ort – Medititation heißt, sich um diesen Weg zu kümmern, ihn frei zu räumen und ihn offen zu halten. Von dort aus sind wir verbunden, sicher und einverstanden – und können zugleich gut für uns sorgen und bewusster entscheiden, wie wir mit uns umgehen und was wir in die Welt bringen wollen – in der Begegnung mit uns selbst, mit Erwachsenen und Kindern, Tieren, Pflanzen und allem, was ist.

Mary Oliver: Familie aller Dinge

Du brauchst nicht gut zu sein. Du brauchst nicht Hunderte von Meilen Reuevoll auf Knien durch die Wüste zu rutschen. Du brauchst bloß das kleine weiche Tier deines Körpers Lieben zu lassen, was es liebt…. Erzähl mir von Verzweiflung, deiner, und ich erzähle dir von meiner. Derweil nimmt die Welt ihren Lauf. Derweil bewegen sich die Sonne und die klaren Kiesel des Regens Durch die Landschaften, über Prärien, die tiefen Bäume, die Berge und Flüsse. Derweil ziehen die wilden Gänse hoch in der klaren, blauen Luft Wieder heimwärts. Wer immer du bist, gleich, wie verlassen, die Welt bietet sich deiner Phantasie dar, ruft dich wie die wilden Gänse, mit rauer, aufregender Stimme – immer wieder, und verkündet dir deinen Platz in der Familie aller Dinge. You do not have to be good. You do not have to walk on your knees For a hundred miles through the desert, repenting. You only have to let the soft animal of your body love what it loves. Tell me about your despair, yours, and I will tell you …

Atmen

Unser Atem begleitet uns vom ersten bis zum letzten Moment unseres Lebens. Er verbindet Innen und Außen, Oben und Unten, er stömt durch uns hindurch und versorgt jede Zelle unseres Körpers mit Lebensenergie. Wenn wir damit beginnen, unsere Wahrnehmung auf den Atem zu lenken bemerken wir meist schnell, dass es nicht einfach ist, den Atem einfach nur zu beobachten ohne ihn zu lenken oder zu verändern. Wir müssen aber nichts tun, nur mit freundlicher und liebevoller Aufmerksamkeit erforschen, wie er ist, wie er kommt, wie er geht. Je feiner wir in unserer Wahrnehmung werden, desto mehr bemerken wir auch, dass jeder Atemzug anders, jeder Atemzug neu und einzigartig ist. Dies zu erfahren verändert vieles. Unser Atem hilft uns dabei, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen. Ob wir an der Supermarktkasse stehen, unserem Kind die Schnürsenkel zubinden oder längere Zeit auf einem Kissen oder einem Stuhl sitzen wollen – unser Atem ist da. Nach und nach bringt er uns zur Stille, nach und nach führt er uns zu einer inneren Aufrichtung die uns hilft, stabiler und zugleich entspannter …

Workshop am Wochenende: Achtsamkeit kennen lernen

„Wir können die Wellen nicht aufhalten, aber wir können lernen, auf ihnen zu surfen!“ (Jack Kornfield) Dieser Workshop am Wochenende ist eine Einführung für Menschen, die grundlegende Achtsamkeitsübungen wie Achtsamkeit im Liegen (Body-Scan), Sitzen und Gehen, achtsames Atmen, Hören und Wahrnehmen kennenlernen wollen. Ich unterstütze euch dabei, im Alltag eine eigene Meditationspraxis aufzubauen und herauszufinden, welche Übungen euch gut tun. Von Anfang an geht es darum, Meditation als eine Zeit zu verstehen, in der wir freundlich und unterstützend für uns selbst da sind. Achtsamkeit entsteht wenn wir uns daran erinnern, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen und „einfach da zu sein“, ohne Urteile zu fällen. Wir erlernen eine bestimmte Art, mit Gedanken, Stimmungen und Körperempfindungen zu sein und diese zu bemerken, ohne uns in Sorgen, Pläne, Grübeleien oder Vermutungen zu verstricken. Achtsamkeitsübungen führen uns immer wieder zurück zum Fluss unseres Atems. Wir müssen nicht so viel tun, auch nicht entspannen. Entspannung und Entlastung kommen eher „durch die Hinterüre“ wenn wir lernen, auf den gegenwärtigen Augenblick zu achten, ohne ihn verändern zu wollen. Durch präsente Wahrnehmung kommen wir …

Wellen

„Schmerzliche Situationen, Stress und Krankheit sind einfach Teil des Lebens!“ – wie leicht sagt sich das dahin, wenn der Himmel weit und blau ist, wenn wir keine Schmerzen haben, uns nicht bedroht fühlen und auch sonst alles ganz gut im Gleichgewicht ist. Wenn wir aber erschöpft sind, Schmerzen haben oder unser Leben gerade aus anderen Gründe aus den Fugen gerät, kann es schwer sein, diesen Satz zu lesen oder ihn von einem anderen Menschen zu hören. Schnell schwingt da etwas mit von „mach kein Theater, reiß dich halt mal zusammen, so schlimm ist es doch nicht“. Zugleich aber liegt in diesem Satz so viel Entlastung und Erleichterung in einer Zeit und einer Kultur in der viele glauben, wir müssten doch nur noch perfekter sein, noch mehr arbeiten, noch bessere Eltern sein und vor allem noch mehr, und noch mehr, und noch mehr machen, um gut genug zu sein. Achtsamkeit geht einen anderen Weg. Sie erzählt uns von Wellen, denen wir im Leben unterbrochen ausgesetzt sind – und von einem Übungsweg auf dem wir lernen können, …

Achtsame Mittagspause im Darmstädter Westwald

„Die Zeit, die wir unter Bäumen verbringen, geht nicht verloren.“ Wir treffen uns für eine Stunde und gehen langsam und zum Teil in Stille eine kleine Runde im Damstädter Westwald. Achtsamkeitsübungen und ausgewählte Texte unterstützen euch dabei, bewusst anzukommen, aufzutanken, Stress loszulassen und einfach da zu sein. Mehr und mehr wächst das Wissen darüber, wie sehr es uns Menschen unterstützt, im Grünen zu sein. Oft aber bewegen wir uns dort mit einem Ziel vor Augen oder ganz unbewusst und gefangen von unseren Gedanken. Wir sind zwar draußen – in Gedanken aber ärgern wir uns  über den Chef, grübeln über vergangene Erlebnisse oder planen schon wieder den nächsten Tag. Wir sind in der Natur – und sind doch nicht wirklich da. Achtsamkeit in der Natur unterstützt uns darin, wieder präsent zu werden für den Augenblick, für unseren Atem, unsere Gedanken, unsere Sinne. Wir gehen mit interessierter Offenheit durch den Wald, achten auf Geräusche und Gerüche und nehmen wahr, was uns begegnet. Auf diese Weise kommen wir auch in Kontakt mit Freude, Gelassenheit, Verbundenheit und Entspannung. Wir …