Achtsamkeit im Alltag
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Begegnung jenseits von Worten

Es gibt Tage und Situationen da frage ich mich immer mal wieder, ob sprechen eigentlich wirklich die geeignete Form ist, um sich mitzuteilen oder etwas zu erfahren. Kommunikation kann zu einem sperrigen, viel öfter aber auch zu einem ausgefransten Ding werden – und ganz ehrlich, dieses viele belanglose Gequatsche von dem wir in der heutigen Zeit so oft umgeben sind geht mir je nach eigener Verfassung manchmal ganz schön auf den Geist.

Wir sprechen der Kommunikation mit Worten in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert zu, kaum ein Unternehmen in dem die Arbeitnehmer nicht in Kurse geschickt werden um Strategien und Regeln der Gesprächsführung zu erlernen. Mündliche Beteiligung steht in Schulen, dies erlebe ich gerade bei meiner Tochter wieder, hoch im Kurs – und SchülerInnen, die weniger aber dafür Gehaltvolles sagen, werden oft schlechter benotet als jene, die ununterbrochen inhaltsleere Sülze quatschen. In Grundschulen und Kitas werden Kinder dazu angehalten, Konflikte verbal zu lösen und ihre Empfindungen in Worte zu fassen. Und dies ist ja auch alles ganz schön und gut – auch ich bediene mich der Worte um einen Text zu schreiben oder über Achtsamkeit zu sprechen.

Immer wieder aber können wir auch innehalten und uns in Stille darüber klar werden, dass es jenseits der Kommunikation auch ganz andere Möglichkeiten gibt, um einander zu begegnen. Wirklich etwas von einander zu erfahren oder einen Konflikt zu lösen hat nämlich gar nicht so viel  mit den richtigen Worten zu tun als mit der Bereitschaft, sich präsent, offen und fragend zuzuwenden, ohne ein Ziel mit einander zu haben. Diese innere Haltung der Achtsamkeit kann sich in Worten ausdrücken, aber auch in Stille, in einer kleinen Geste oder im gemeinsamen Tun. Bei kleinen Kindern, die noch nicht zu Wettbewerb und Konkurrenzdenken erzogen wurden, mündet sie oft im gemeinsamen Spiel. Zusammen ohne äußeren Druck zu spielen und ins gemeinsame Tun zu kommen ist der Weg der Kinder, um einander kennen zu lernen und auch, um aus Konflikten wieder heraus zu finden.

Vielleicht sollten wir viel öfter in Familien, Schulen und Unternehmen – und ja, auch in uns selbst – Raum schaffen für ein Zusammensein, das Begegnung jenseits von Worten ermöglicht, schweigend, spielend, im einfachen Tun, im kreativ sein, im Tanzen und im Singen. All dies sind Ausdrucksmöglichkeiten, all dies sind Wege sich und einander kennen zu lernen und sich und anderen zu begegnen. Sich und andere auch einmal sein zu lassen und abzuwarten was passiert wenn wir nicht reden, nicht überzeugen, nicht verbessern, nicht diskutieren und Unterschiede nicht durch Worte überdecken, kann zu tieferer Einsicht führen und schafft auch neuen Raum. Nicht zu sprechen, nichts zu raten, nichts zu forcieren gibt auch dem anderen, vor allem den Kindern die Chance herauszufinden, dass es auch jenseits von Worten die Möglichkeit gibt, einander kennen zu lernen, Konflikte zu lösen und etwas Neues in die Welt zu bringen…

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