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Thich Nhat Hanh: Mein kleines Haus

„Mein kleines Haus ist gut genug. Es hat viele Fenster und die umgebende Landschaft ist so wunderschön. Wir verfügen über genügend Bedingungen, um bereits jetzt glücklich zu sein, wir müssen nicht in die Zukunft laufen, um noch ein paar mehr zu ergattern. Was wir haben reicht für uns. Wenn wir uns einen solchen Lebensstil erst einmal zu eigen gemacht haben, sind wir auf der Stelle ein glücklicher Mensch.“

Thich Nhat Hanh: Versöhnung mit dem inneren Kind. O.W. Barth
Foto: Pixabay/Boristrost

Jon Kabat Zinn: Präsenz

„Präsent sein ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es ist vielleicht die schwerste Arbeit der Welt. Ach, vergessen Sie ruhig das „vielleicht“. Es ist die schwerste Arbeit der Welt – zumindest das Aufrechterhalten der Präsenz. Und die wichtigste Arbeit. Wenn sie zur Präsenz gelangen – und gesunde Kinder leben die meiste Zeit in der Landschaft der Präsenz – dann wissen Sie es augenblicklich, dann fühlen Sie sich sofort zu Hause. Und da sie zu Hause sind, können Sie sich entspannen, können Sie loslassen, können Sie in Ihrem Sein ruhen, in Gewahrsein, in der Präsenz selbst, in Ihrer eigenen guten Gesellschaft.“

Jon Kabat Zinn „Zur Besinnung kommen“
Foto: Pixabay/Zichrini

Einführungskurs: Stressbewältigung durch Achtsamkeit

In einen Zeitraum von 6 Wochen vermittelt dieser Kurs die grundlegenden Achtsamkeitsübungen aus dem MBSR-Programm von Jon Kabat Zinn. Die Kursteilnehmer lernen, besser mit Stress umzugehen, Ruhepunkte im Alltag zu finden und eine eigene Übungspraxis aufzubauen. Im Mittelpunkt stehen geführte Achtsamkeitsmeditationen: Achtsamkeit im Liegen (Body-Scan), Sitzen und Gehen, achtsames Atmen, Hören und Spüren.

Achtsamkeit entsteht wenn wir uns daran erinnern, aus dem Modus von Tun und Planen auszusteigen und in den Modus von „einfach da sein“ zu wechseln. Es geht darum bewusst da zu sein, wo man ist. Achtsamkeitsübungen sind keine „Traumreisen“ und keine Entspannungsübungen. Entspannung und Entlastung kommen eher „durch die Hinterüre“ wenn wir lernen, auf den gegenwärtigen Augenblick zu achten ohne ihn verändern zu wollen.

Was passiert in diesem Augenblick?
Welche Empfindungen, Gedanken oder Gefühle sind jetzt da?
Gibt es Geräusche?
Was riechst und schmeckst du eigentlich, wenn du Kaffee trinkst oder in ein Brötchen ißt?

Durch diese präsente Wahrnehmung kommen wir in einen wachen und zugleich entspannten Zustand, an den wir uns nach und nach immer öfter erinnern.

Veränderungen werden im Alltag spürbar, Erleichterung und Entlastung stellen sich ein und wirken sich aus.

Dabei zeigt sich immer wieder: schon die allerkleinste Achtsamkeitsübung trägt in sich das Potential zu weitreichender Veränderung!

Achtsamkeitsübungen sind nicht schwer zu erlernen, wir müssen dafür nicht so viel tun – auch nicht entspannen. Vielmehr lernen wir wirklich da zu sein, bei der Empfindung unseres Atems, bei der Wahrnehmung unseres Körpers, bei unseren Gedanken und Empfindungen. Jeder Mensch kann Achtsamkeit üben und vertiefen. Jede/r kann dort anfangen, wo er/sie jetzt gerade steht.

Lies zu diesem Thema auch meinen Text Wege der Achtsamkeit.
Alle weiteren Fragen beantworte ich gerne per Telefon oder email. Kontakt

Lesetipps zum Einstieg:
Jon Kabat Zinn: Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung durch MBSR. Knaur TB
Elisha Goldstein, Bob Stahl: MBSR für jeden Tag. Die achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung im Alltag. Arbor Verlag
Patrizia Collard: Das kleine Buch vom achtsamen Leben. Heyne

Das Kurspaket umfasst
6 mal 2 Stunde, 19-21 Uhr
Kursunterlagen, Liste mit hilfreichen Büchern und Übungs-CD
Kosten: 160 Euro
Kursraum: voraussichtlich Adelungstraße 41, 64289 Darmstadt (Straßenbahn- und Busshaltestelle Rhein-/Neckarstraße; Parkhaus direkt gegenüber)
Telefon: 06151-318142
E-Mail

Foto: pixabay/one-vibe

 

Wellen

Schmerzliche Situationen, Stress und Krankheit sind Teil des Lebens.

Wie leicht sagt sich das, wenn der Himmel frühlingsblau ist, wenn wir keine Schmerzen haben, uns nicht bedroht fühlen und auch sonst alles ganz gut im Gleichgewicht ist.

Wenn wir dagegen krank sind, Schmerzen haben oder unser Leben gerade aus den Fugen gerät, kann es schwer sein, diesen Satz zu lesen oder ihn von einem anderen Menschen zu hören. Schnell schwingt da etwas mit von „mach kein Theater, reiß dich halt mal zusammen, so schlimm ist es doch nicht“.

Zugleich aber liegt in diesem Satz so viel Entlastung und Erleichterung in einer Zeit und einer Kultur in der viele glauben, wir müssten doch nur noch perfekter sein, noch mehr arbeiten, noch bessere Eltern sein und vor allem noch mehr und noch mehr und noch mehr machen, um glücklich zu sein.

Achtsamkeit geht einen anderen Weg. Sie erzählt uns von Wellen, denen wir im Leben unterbrochen ausgesetzt sind – und von einem Übungsweg auf dem wir lernen können, geschickter und besser mit diesen Wellen umzugehen. Wir müssen gar nicht gegen sie kämpfen. Wir müssen uns nicht verstecken, nicht davon laufen und nicht resignieren. Wir lernen auf diesem Weg da zu sein und das Kommen und Gehen der Wellen in unser Gewahrsein einzuschließen.

Unabhängig davon, ob wir gerade traurig sind, unser Kind einen Wutanfall hat oder wir uns in einer schwierigen Lebnssituation befinden – alles was kommt, geht wieder, alles was entsteht, kehrt auch wieder zurück. Was auch immer gerade innen oder außen geschieht, wir können lernen, bewusster mit diesen Wellen umzugehen und nicht gegen sondern mit ihnen zu sein. Anstatt zu kämpfen, zu grübeln, uns in Urteile oder Konflikte zu verstricken oder zu erstarren können wir da sein, atmen und sanft aber stetig das tun, was getan werden muss.

Foto:pixabay/taniadimas

Elternkompass – Selbstunterstützung durch Achtsamkeit

Eltern zu sein und mit Kindern zu wachsen bereichert unser Leben um viele glückliche Erfahrungen. In unserer heutigen Zeit kann es aber schnell passieren, dass Stress, Belastungen und mangelnde Unterstützung unser Zusammensein mit ihnen überlagern. Wir sind dann nicht mehr in der Lage, so Eltern zu sein, wie wir uns das eigentlich gewünscht haben: entspannt, innerlich klar, liebevoll und gelassen.

In diesem Kurs treffen wir uns über sechs Wochen und lernen, den Wellen des Alltags bewusster zu begegnen, anders mit Stress umzugehen und immer öfter gelassen zu bleiben –  auch wenn die Dinge einmal wieder anders laufen als gedacht und geplant.

Ihr lernt Achtsamkeitsübungen und Meditationen kennen, die euch im Alltag mit Kindern und vor allem in jenen Situationen unterstützen, in denen Stress aufkommt und Freude, Gelassenheit und innere Klarheit verloren gehen. Diese Übungen führen nicht dazu, dass es keine Schwierigkeiten mehr gibt. Sie helfen uns aber, anders mit unseren Reaktionen  umzugehen. Nach und nach wirkt sich unser veränderter Umgang mit Stress auch auf die Beziehung zu unserem Kind und die ganze Atmosphäre in der Familie aus.

Themen im Kurs sind unter anderem:
– Übungen zur achtsamen Kommunikation
– Selbstunterstützung und Selbstfreundlichkeit
– eigene Grenzen wahrnehmen
– Kinder achtsam begleiten

Es ist hilfreich, wenn wir uns täglich etwa 30 Minuten Zeit nehmen, um die Achtsamkeitsmeditationen aus dem Kurs zu üben und zu vertiefen. Dazu erhaltet ihr eine CD/Dateien mit geführten Übungen.

Lies zu diesem Thema auch meinen Text Gelassen Eltern sein.
Weitere Fragen beantworte ich gerne telefonisch oder per email. Kontakt

Buchtipp: Lienhard Valentin & Petra Kunze „Die Kunst, gelassen zu erziehen“ Arbor Verlag

Sechs Treffen über 2 Stunden
umfangreiche Kursunterlagen mit Artikeln und ÜbungsCD für zuhause
Kosten: 160 Euro
Kursraum: im Stadtgebiet von Darmstadt
Telefon: 06151-318142
E-Mail

„Nichts vermag uns letztlich auf das vorzubereiten, was tatsächlich auf uns zukommt, wenn wir Eltern werden. Wir lernen das, indem wir Eltern sind, indem wir unsere Rolle als Eltern ausfüllen. Wir müssen unseren Weg selbst finden, uns auf unsere inneren Ressourcen verlassen, auch auf diejenigen, von deren Existenz wir gar nichts ahnten. Dabei kommen die entscheidenden Anstöße und Signale von unseren Kindern und von jeder neuen Situation, mit der wir konfrontiert werden. Nur indem wir Eltern sind können wir herausfinden was es bedeutet, Eltern zu sein. Es beinhaltetet eine unablässige tiefe innere Arbeit, eine eigene Art der spirituellen Schulung, Augenblick für Augenblick, sofern wir uns entscheiden, das Familienleben auf diese Weise zu sehen.“ Jon Kabat-Zinn

Foto: pixabay/pimpelucha

Erblühen

Endlich kommen die ersten Blüten hervor. Wilde Primelchen, Osterglocken und die ersten Traubenhyazinthen wachsen im Garten, an den Sträuchern bilden sich winzige grüne Triebe und hier an der Odenwälder Bergstraße blühen die ersten Bäume. In wenigen Tagen verwandeln sich die Hänge dort in ein rosaweißes Blumenmeer – und die Wege werden voller Menschen sein, die aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, um diesen Anblick zu genießen.

Mir scheint, ich habe nie länger auf die ersten Frühlingsboten gewartet, habe mich nie mehr nach dem ersten Grün gesehnt, als in diesem Jahr. Aber vielleicht denke ich das auch jedes Jahr und vergesse es im Lauf des Sommers wieder, das kann schon sein…

Nun aber kommt der Frühling doch.

Diesen Übergang von Winter zum Frühling bewusst erleben zu können ist ein Glück. Achtsamkeit entsteht bei diesem Schauen, Schnuppern und Lauschen in den Frühling hinein ganz natürlich. Die kühle feuchte Luft am Morgen, die Stimmen der Vögel, das Wachsen und Blühen – alles lädt uns ein, wahrzunehmen, da zu sein, Freude, Leichtigkeit und Verbundenheit mit der Natur entstehen zu lassen – auch und obwohl es Sorgen und Schwierigkeiten gibt und unser Leben meistens nicht perfekt ist.

Jeder Augenblick, in dem wir uns dem Frühling bewusst zuwenden, füllt unsere inneren Speicher mit Farben und Klängen, mit der Sanftheit winziger Blättchen, mit wärmenden Sonnenstrahlen und mit dem Vertrauen, dass auf jeden Winter ein neuer Frühling folgt. Jede Blüte kann uns an die Kraft erinnern die dafür sorgt, dass sich alles wandelt und dass auch wir neu erblühen werden.

Du bist eingeladen, mit kleinen Forscherfrage in den Wald oder in die Natur zu gehen, ein kleines Stück Gras reicht aber auch schon.

Forscherfragen können sein:
Wenn du die Augen schließt – woran bemerkst du, dass der Frühling kommt?
Wenn du ein frisches Blatt berührst – was spürst du? Wie wirkt sich das auf deinen Körper aus?
Wenn du „erblühen“ in den Mittelpunkt stellst, welche Gedanken und Empfindungen entstehen? Wenn du magst kannst du „erblühen“ malen, in Worte fassen, deine Empfindungen mit einer Geste oder einer Bewegung ausdrücken oder einen Ton in dir entstehen lassen.

Folge aber auch deinen eigenen Impulsen und Ideen…

Herzengrüße für dich
Julia

Foto: Unsplash/Caleb Wright

 

 

 

Jugendliche

Immer wieder im Leben machen Menschen schwierige oder schmerzliche Erfahrungen, immer wieder wissen wir nicht, warum diese Situation jetzt da ist. Wir fühlen nur die Schwierigkeiten und den Schmerz und verstehen nicht, was eigentlich passiert. Erst im Laufe des Lebens oder im Rückblick sehen wir manchmal ein, dass uns schmerzliche Erfahrungen zu einem tieferen Verständnis geführt haben. Es ist wohl so, dass uns jede schmerzliche Situation innerlich weiten  und uns helfen kann, Mitgefühl, innere Klarheit und Freundlichkeit mit uns selbst und anderen zu entwickeln – wenn wir gelernt haben, sie in den Raum von achtsamem Gewahrsein zu stellen.

Im Zusammenleben mit Jugendlichen und jungen Menschen beobachte ich gerade, wie schwer es in diesem Alter sein kann, über den eigenen Schmerz hinauszuschauen und zu erkennen, dass alle Menschen verwundbar sind und dass es im Leben mehr gibt als die eigene schmerzliche Erfahrung. In diesem Alter sind sie noch so sehr mit sich selbst beschäftigt, manchmal wie  Raupen zurückgezogen in ihrem Kokon,  manchmal wie in einer Austernschale, die sich blitzschnell verschließen kann. Wie wichtig ist es doch für Jugendliche, wenn sie in dieser Phase immer mal wieder erfahren dass es sich lohnt, die Schale etwas zu öffnen und sich trotz aller Schwierigkeiten interessiert und fragend dem Leben zuzuwenden. Erzwingen können wir das als Eltern oder Lehrer allerdings nicht.

Wenn wir als Erwachsene allerdings den weiten Raum von achtsamem Gewahrsein kennen, in dem unsere eigenen schmerzlichen Erfahrungen aufgehoben sind, teilt sich das auch jungen Menschen mit. Es entsteht eine bestimmte Qualität, weil wir als Erwachsene weniger urteilen, den inneren Raum öffnen und einfach da sein können. Leiden, so sagt man, ist wie ein Teelöffel Salz. Fällt er in ein Glas Wasser, wird das Wasser ungenießbar oder schädlich. Fällt er ins Meer, wird es einfach aufgenommen, löst sich auf und geht in die Weiten der Ozeane ein. Das Meer bleibt davon völlig unberührt.

Die Praxis der Achtsamkeit unterstützt uns immer wieder darin, dieses weite Gewahrsein aufzubauen, in dem leidvolle Erfahrungen aufgehoben sind und sich wandeln. Wenn in einer Familie, einer Schule oder einem Unternehmen nur ein Mensch diese Erfahrung gemacht hat und Zugang zu Achtsamkeit und mitfühlender Präsenz hat, wirkt sich dies auch auf alle anderen aus. Eine Garantie gibt es dafür nicht, keine Gebrauchsanweisung und wir wissen auch nicht, wie es „funktioniert“. Es gibt nur die eigene Erfahrung, die sich ausweiten und zu einer gemeinsamen Erfahrung werden kann…

Bild: Pixabay/ Free-Photos

 

 

 

 

 

 

 

 

Erwartungen

Seit ein paar Tagen begegnen mir in verschiedenen Zusammenhängen „Erwartungen“. Erwartungen an Freunde und Kollegen, an Partner, Kinder – und ganz besonders die hohen Erwartungen, die Menschen oft an sich selbst stellen. Dass Erwartungen da sind gehört wohl zu unserem Menschsein dazu, wir können das nicht verhindern. Die Frage ist aber: bemerken wir diese Erwartungen eigentlich oder werden wir wie automatisch von ihnen gesteuert?

Wie viele Menschen neige auch ich dazu, hohe Erwartungen an mich zu stellen – und zugleich Strategien zu entwickeln, wie ich mich diesen Erwartungen auch wieder entziehen kann. Zugleich habe ich – kein Wunder! – schnell das Gefühl, dass andere viel von mir erwarten und reagiere je nach Stimmung mit Rückzug oder rumrüffeln. In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass dieses Ping-Pong-Spiel ganz schön viele Energien bindet – die ich eigentlich gut gebrauchen könnte, um einfach in aller Ruhe meinen Weg zu gehen und das zu tun, was zu tun ansteht.

Erwartungen haben mit diesem „tun, was zu tun ansteht“ und mit dem „da sein mit dem, was jetzt ist“ nichts zu tun. Sie haben oft auch nichts mit dem Menschen zu tun der vor uns steht oder der wir sind, sondern nur mit unserem Bild von diesem Mensch und unserer Vorstellung, wie er sein sollte. Vor allem für Kinder ist es sehr spürbar, wenn Eltern sie nur durch die Brille ihrer Erwartungen sehen. Für Kinder ist es dann so, als wären sie gar nicht richtig da.

Unsere Erwartungen loszulassen ist manchmal nicht leicht. Es kann sich anfühlen wie ein Fall ins Bodenlose wenn wir erkennen, dass die Erwartungen die wir an uns oder andere haben, unrealistisch sind und dass aus einem Hühnerei ein Huhn schlüpft – und kein Seeadler! Mitfühlende Freundlichkeit mit uns selbst aber hilft uns, mit Schmerz und Enttäuschungen umzugehen und uns zu trösten. Achtsamkeitsübungen können uns daran erinnern, öfter innezuhalten, unsere Körperwahrnehmung zu verfeinern und früher zu bemerken, wenn uns Erwartungen einengen oder zu großer Druck entsteht.

Ganz sicher bin ich mir noch nicht aber ich vermute, dass uns letztlich hinter all unseren Erwartungen die beglückende Erfahrung erwartet, dass wir und andere bereits genau das sind, was wir und andere jetzt sein sollen und dass jeder an seinem Ort das verkörpert, was jetzt gebraucht wird. Und da sich alles ununterbrochen wandelt, wachsen und entfalten wir uns auch ganz ohne Erwartungsdruck. Es spricht aber sicher nichts dagegen, wenn wir uns manchmal etwas Mut zusprechen und freundlich auf das schauen, was wir allein durch unser Dasein in die Welt bringen. Auf diesem Weg werden wir vielleicht ein wenig weiser und mitfühlender mit uns selbst und anderen – das hoffe ich jedenfalls!

Und eines noch: keine Erwartungen mehr zu haben ist auch nur – eine Erwartung!

Foto: Karen Ciocca / Unsplash

Zurückkehren

Mit meinem Blog ergeht es mir immer mal so wie mit der Meditation. Es gibt Zeiten, da finde ich die Zeit und die Möglichkeit, Artikel zu schreiben – dann wieder geht mir das Schreiben ganz verloren. Wochenlang gab es hier jetzt nichts Neues zu lesen und vielleicht denkt ihr ja schon, ich hätte aufgegeben…

Manchmal ist es aber so, dass sich Dinge auch unsichtbar oder im Verborgenen bewegen und entwickeln. In den letzten Wochen war ich viel damit befasst zu beobachten, was sich um mich herum in Sachen Achtsamkeit tut. Manches freut mich, manches gibt mir zu denken und dann wieder hilft mir dieses „in die Weite schauen“, um zu meinem eigenen inneren Weg zurückzukehren, zu dem was für mich jetzt stimmig und lebbar ist.

Die große Achtsamkeitswelle bringt vieles in Bewegung. Studien entstehen die zeigen, das Achtsamkeit wirkt und Studien, die das Gegenteil behaupten. Es geht um Geld und um Pfründe, um Konkurrenz, um Sein und Schein und ums Haben wollen. Und manche hoffen eine Methode gefunden zu haben, um noch effizienter, noch belastbarer und noch leistungsfähiger zu sein.
Ja, die Achtsamkeitswelle wirbelt vieles auf und bringt nicht nur Feines, Schönes und Gutes an die Oberfläche.

Zugleich aber sehe ich, wie viele Menschen sich im Rahmen ihrer Möglichkeit und oft ganz im Stillen darum bemühen, mehr Achtsamkeit in ihren Alltag zu bringen. Es geht ja in Wahrheit nicht um diesen ganzen glitzernden Tand und all die schillernden Blasen die aufsteigen und unsere Aufmerksamkeit fesseln. Es geht doch um diesen Augenblick, in dem wir uns immer und immer wieder daran erinnert, zurückzukehren zu einer präsenten und freundlichen inneren Haltung, zur offenen Wahrnehmung und zum interessierten Schauen – ohne ein Urteil zu fällen.

Unter der großen Achtsamkeitswelle gibt es eine Strömung, die uns verändert – auch wenn das noch nicht gesehen, benannt oder durch Studien erfasst werden kann. Es geht um das schlichte Bemühen vieler, vieler Menschen, bewusster, mitfühlender und „achtsamer“ mit sich, anderen Menschen, Tieren, Pflanzen und der Erde umzugehen. Es geht um das Vertrauen und das innere Wissen, dass sich jeder kleine Moment der Achtsamkeit und des Mitgefühls auswirkt auf uns selbst und auf alles, was uns umgibt – auch wenn wir die Veränderung nicht messen oder wiegen können. Und es geht darum zu erfahren, dass Achtsamkeit unsere Lebendigkeit, unsere Fähigkeit fürsorglich und mitfühlend zu sein und unsere Friedfertigkeit weckt und erblühen lässt.

In diesem Sinn kehre ich zurück zu meinem Blog und danke euch, dass ihr noch da seid!
Von Herzen
Julia

Foto: pixabay/Pezibear

Jack Kornfield: Mitgefühl

„Mitgefühl ist nicht töricht. Es sorgt nicht einfach dafür, dass andere bekommen, was sie unbedingt haben wollen. Im Mitgefühl gibt es ein klares Ja, aber auch ein ebenso klares Nein, das vom selben Mut des Herzens getragen wird. Nein zu Missbrauch, Rassismus und Gewalt – auf individueller aber auch globaler Ebene. Doch dieses Nein kommt nicht aus dem Gefühl des Hasses, sondern aus einer unerschütterlichen Fürsorge heraus.“
Jack Kornfield „Das weise Herz“
Foto: pixabay/webandi