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Thich Nhat Hanh: Mein kleines Haus

„Mein kleines Haus ist gut genug. Es hat viele Fenster und die umgebende Landschaft ist so wunderschön. Wir verfügen über genügend Bedingungen, um bereits jetzt glücklich zu sein, wir müssen nicht in die Zukunft laufen, um noch ein paar mehr zu ergattern. Was wir haben reicht für uns. Wenn wir uns einen solchen Lebensstil erst einmal zu eigen gemacht haben, sind wir auf der Stelle ein glücklicher Mensch.“

Thich Nhat Hanh: Versöhnung mit dem inneren Kind. O.W. Barth
Bold: Pixabay/StockSnap

Etwas einfach tun

Achtsamkeit bezeichnet eine innere Haltung, in der wir Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrnehmen ohne Urteile über sie zu fällen. Wir sind einfach da und beobachten mit freundlicher Anteilnahme, was um uns herum und in uns drin gerade passiert.

Immer mal wieder können wir uns im Lauf des Tages auch die Frage stellen: was begegnet mir jetzt? Es gibt diese Vielfalt an Farben und Formen, Licht und Dunkelheit, Bewegung, Geräuschen und Gerüchen zu entdecken. Ebenso ist es mit Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Wenn wir uns immer wieder bewußt darin üben, wahrzunehmen ohne Urteile zu fällen, entsteht Achtsamkeit. Wir werden freier von automatischen Reaktionen, es entsteht ein Bewusstsein für Verbundenheit und innere Freundlichkeit.

Diese innere Haltung verändert auch unser Handeln. Es entsteht ja schnell der Eindruck, dass uns Achtsamkeit dazu bringt, passiv zu werden und nichts zu tun. Und ja – wenn wir Achtsamkeit auf dem Stuhl sitzend und in Stille üben, nehmen wir uns ein Auszeit vom Machen und Tun. Dann aber endet die Zeit der Meditation, wir kehren in eine Welt zurück in der es Emails gibt und Termine, Staubflocken und volle Wäschekörbe, Menschen und Tiere die es brauchen, versorgt zu werden. Und es kann sehr schnell passieren, dass wir uns aus der Haltung einer freundlichen Präsenz heraustragen lassen und wieder in die alte Hektik geraten.

Aus der Haltung der Achtsamkeit heraus gibt es aber ein Tun und Handeln, das eine andere Qualität hat. In dieser Haltung folgt unser Tun einem eigenen Rhythmus.  Wir tun, was jetzt als nächstes zu tun ist, wir beenden diese Aufgabe und schließen sie bewusst ab. Wir halten einen Moment inne und wenden uns der nächsten Aufgabe zu. Das ist wie Ein- und Ausatmen. Einatmend wende ich mich einer Aufgabe zu, ausatmend erledige ich sie. Schritt für Schritt, von Augenblick zu Augenblick.

Diese achtsame Art, unseren Aufgaben zu begegnen und ins Tun zu kommen, kann uns durch den Tag hindurch leiten. Wir bemerken auch, dass wir in aller Ruhe auch ohne dauerndes Planen und ohne uns anzutreiben oder unter Druck zu setzen das tun können, was zu tun ansteht. Und dass durch ein solches Tun am Ende des Tages wirklich viel getan ist.

Um diese Erfahrung zu machen, können wir uns zunächst mal eine Stunde am Tag vornehmen, in der wir dazu übergehen, alles was wir tun bewusst zu beginnen, bewusst zu beenden und zwischen der einen und der nächsten Aufgabe ein paar Atemzüge zu nehmen. Was ändert sich, wenn du auf diese Weise tätig wirst? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Text: j.g.
Foto: Pixabay/raiPR

Zu wenig Selbstwertgefühl?

Über den Newsletter von familylab bin ich heute auf eine Artikel gestoßen, in dem von einer Studie mit mehr als 84 000 Müttern berichtet wird. Die Frauen wurden zu ihrem  Selbstwertgefühl befragt und sollten unter anderem darauf antworten ob der Satz „Manchmal fühle ich mich komplett nutzlos“ auf sie zu traf. „Die Auswertung der Daten offenbarte, dass das Selbstwertgefühl der Frauen Weiterlesen

Pema Chödrön: Passanten beobachten

„Es kann zu einer täglichen Übung werden, Passanten, an denen wir auf der Straße vorübergehen, in ihrem Menschsein wahrzunehmen. Wenn ich das tue, gewinnen Unbekannte für mich ein Gesicht. Sie rücken in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit und werden zu lebendigen Wesen, die an Freuden und Leiden teilhaben, so wie ich auch, zu Menschen, die Eltern, Nachbarn, Freunde und Feinde haben so wie ich. Auch meine Ängste und vorgefassten Meinungen, die über diese Unbekannten wie aus dem Nichts auftauchen, werden mir allmählich bewusster. Ich begreife, dass ich und diese Menschen dasselbe sind, und ich begreife auch, was dieses Verständnis trübt und dazu führt, dass ich mich von ihnen getrennt fühle. Dadurch, dass uns diese Übung unsere Kraft wie auch unsere Verwirrung stärker vor Augen führt, deckt sie die natürliche Wärme auf und bringt uns der Welt um uns herum näher.“

Text: Pema Chödrön, Den Sprung wagen. Wie wir uns von destruktiven Gewohnheiten und Ängsten befreien. Goldmann Verlag
Bild: Pixabay/ MichaelGaida

Norman Fischer: Frustration

Zu versuchen, nicht frustriert zu sein, wenn man es ist, erzeugt noch zusätzliche Frustration. Warum sie sich also nicht aus aller Nähe ansehen? Wenn du das machst wirst du feststellen, dass das Erste was du tust, wenn die Frustration aufsteigt, darin besteht, dass du nach jemandem oder etwas suchst, dem du die Schuld dafür geben kannst – sogar wenn du selbst das bist. Aber sobald du das tust, vermehrst du sie in Wirklichkeit, weil du dein tatsächliches Gefühl der Frustration übergehst – in dem in der Tat vergeblichen Versuch, es zu meiden -, indem du deine Energie auf das Objekt deiner Schuldzuweisung fokussiert. Das Ausmaß der Frustration ist aber immer zu groß, um diese zu übergehen. Man fällt nur immer wieder in sie zurück. (…)

Wie fühlt sich Frustration an? Atmest du angespannt? Verspannen sich deine Schultern oder wird dein Gesicht rot und heiß? Beißt du die Zähne auf einander? Wie steht es mit deinen Fäusten? Was für Gedanken schießen dir in den Kopf? Kommen Erinnerungen hoch? Bilder? Wie ist Frustration wirklich?
Merkwürdigerweise wird dich Frustration nicht überwältigen, wenn du sie als solche akzeptierst und sie studierst, ohne dass du versuchst, sie zu verringern, indem du Schuld zuweist oder wütend wirst. Statt dessen wird sie sich ziemlich schnell auflösen oder zumindest schneller. Du wirst sie einfach auf natürliche Weise verdauen.
Norman Fischer: „Unseren Platz einnehmen. Der buddhistische Weg zum wirklichen Erwachsensein“ Arbor Verlag.
Foto: pixabay/ DariuszSankowsky

 

Um Hilfe bitten

In unterschiedlichen Zusammenhängen begegnet mir gerade das Thema „helfen und sich helfen lassen“. Es gibt meine über achtzigjährige Mutter, die mehr und mehr auf Hilfe angewiesen ist und meine Versuche zu verstehen, was eigentlich hilft wenn sich das Leben langsam neigt. Es gibt die Babys und Kleinkinder in meinen Kursen und die wiederkehrende Frage, in welchen Situationen Eltern eingreifen und helfen sollten und in welchen wir schon ganz kleinen Kinder Hilflosigkeit anerziehen, weil wir ihr Tempo nicht respektieren oder oft nicht abwarten können, bis sie ihre Fähigkeiten selbst entdecken. Ich denke auch an Maria Montessoris Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“ – und an die Gratwanderung zwischen „zu viel helfen“ und „im Stich lassen“, auf der wir immer wieder unterwegs sind. Und ich denke an eine Kursteilnehmerin, die von einem auf den nächsten Moment vor Schmerzen nicht mehr laufen konnte und an ihre Einsicht, wie herausfordernd es ist, plötzlich nicht mehr diejenige zu sein, die alles im Griff hat, sondern diejenige, die andere um Hilfe bitten muss, sogar für die allerkleinsten Kleinigkeiten. Weiterlesen

Einem Kind und sich selbst helfen

Achtsamkeit ist eine beständige Übung darin, präsent zu sein, sich zu öffnen und immer wieder vom Herzen her wahrzunehmen. Diese innere Haltung geht uns immer wieder verloren, weshalb wir eine Praxis brauchen, die uns an Achtsamkeit erinnert. Eine Form besteht darin, auf dem Kissen oder einem Stuhl sitzend zu meditieren, eine andere, das Leben mit all seinen Erscheinungen Weiterlesen