Alle Artikel in: Kinder, Kinder….

Sich nicht einmischen

Schon lange begleitet mich ein Text der italienischen Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori über die Kunst, sich nicht einzumischen. Sie beschreibt darin die beständigen Impulse der Erwachsenen, sich in das Tun von Kindern einzumischen mit dem Ziel, Dinge zu verbessern, dem Kind zu helfen oder es zu verändern. Und regt dazu an, immer dann wenn wir einen solchen Impuls spüren, eine Perlenkette zu nehmen und eine Perle zu schieben – bis wir zu einem Gefühl der Ruhe und Stille kommen, das uns innerlich verändert. Dieses einfach da sein ohne ein Ziel zu verfolgen ist nicht leicht. Im Zusammensein mit Kindern habe ich oft erlebt, dass sich Eltern und Pädagogen zwar äußerlich still verhalten und sich weniger einmischen – innerlich aber mit der Vorstellung verbunden sind, dass Kinder auf diese Weise eigenständig lernen und forschen, selbstständig werden oder „besser lernen“ – und gar nicht bemerken, dass sich die Katze gerade in den Schwanz beißt und sie sich von der Haltung  sich „nicht einzumischen“ weit entfernt haben. Andererseits darf dieses „sich nicht einmischen“ nichts damit verwechselt werden, …

Vom Sachen finden

Letze Woche hatte ich das Glück, mit einer Sachenfinderin im Park unterwegs zu sein. Meine Lehrerin im „Sachen finden“ war vier Jahre alt. Aber das Alter tut eigentlich nichts zur Sache. Entscheidend ist, dass ich an diesem Tag eine kleine Lehrstunde im Nicht-Suchen und Doch-Finden bekommen habe. Innerhalb kürzester Zeit haben wir gefunden: eine winzige hellblaue Perle, eine Zigarettenschachtel mit dem Foto eines Menschen im Krankenbett (!), Haselnüsse mit und ohne Puschel, eine weiße Feder, Steine mit Gesichtern, die erste Kastanie, winzige Tannenzapfen, Holzstückchen mit Löchern und Holzstücken mit feinen blauen Farbresten. Alle diese wunderbaren Schätze haben wir nicht gesucht, sie sind uns begegnet. Für eine kurze Zeit waren wir Sachenfinder. Das Erstaunliche ist: in einem Modus von ziellosem herumstreunen, von hierhin und dorthin gehen, haben wir gefunden, ohne zu suchen. Wir waren einfach offen für das, was uns begegnet. Eigentlich haben wir gar nicht nach Sachen gesucht, vielmehr wurden wir von den Sachen gefunden. In einem solchen Zusammenspiel aus Präsenz, offener Wahrnehmung, Neugier, Ziellosigkeit und „einfach da sein und schauen“ kommen wir in Kontakt …

Im Hier und Jetzt

Solange Kinder noch kein Verständnis für die Zeit entwickelt haben kennen sie nur den Augenblick. Sie planen noch nicht den nächsten Tag oder gar die Termine im nächsten Monat. Sie verstehen noch nichts von „in einer halben Stunde“ oder von „zieh deine Mütze auf damit dir später nicht kalt wird“. Sie sind einfach da wo ihre Zeit ist, hier und jetzt. Wir Erwachsene dagegen sind in der heutigen Zeit oft am planen und vorausdenken und mit den Gedanken selten dort, wo wir stehen oder bei dem, was wir gerade tun. Wir essen und sind in Gedanken bei einem Telefonat, das wir noch führen müssen. Wir fahren Auto und diskutieren in Gedanken mit dem Partner. Unser Kind erzählt etwas und wir sind gedanklich beim nächsten Einkauf. Sicher – auf eine Weise müssen wir planen und vorausdenken. In einer Welt, in der aber sowieso ununterbrochen äußere Reize auf uns einstöhmen, kann dieses ständige innere „nicht da sein“ aber große Verwirrung auslösen. „Nicht da sein“ zieht an unserer Kraft und es hinterlässt auch für unsere Kinder eine Ungewissheit, …

Sich auf Freundlichkeit einstimmen

In der Begegnung mit kleinen Kindern habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie doch viele, viele Jahre lang offen und bereit sind, auf Erwachsene einzugehen, wenn wir ihnen mit Freundlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude begegnen, denn mit diesen Qualitäten sind Kinder ursprünglich verbunden. Wenn wir Kindern auf dieser Ebene begegnen, entsteht Resonanz. Freundlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude werden dann auf beiden Seiten gestärkt und können wachsen.

Vom Anfangen und Aufhören

In meinem Blogbeitrag  „Der Erschöpfung begegnen“ habe ich darüber geschrieben, wie wohltuend es sein kann, immer mal wieder aus dem Modus von „planen und machen“ auszusteigen und sich statt dessen von innen heraus leiten zu lassen  – und das zu tun, was zu tun ansteht, Schritt für Schritt und im eigenen Tempo. Heute lade ich Euch ein, einmal einen Tag lang ganz bewusst mit Tätigkeiten anzufangen –  und sie dann auch ganz bewusst wieder abzuschließen. Wie fühlt es sich an, anzufangen? Welche Gedanken und Impulse sind da, bevor ich anfange? Welche inneren Stimmen höre ich dabei? Wie fühle ich mich, wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe? Welche Gedanken und inneren Stimmen sind dann da?

Lieblingsstücke

Es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu wenig zum Leben haben. Und es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu viel haben. Unser Gefühl zu wenig zu haben und mehr besitzen zu müssen, wird in unserer konsumorientieren Gesellschaft stetig wie ein großes Schwungrad am Laufen gehalten. Kaum ist ein Wunsch befriedigt, kommt ein neuer auf. Immer früher werden auch unsere Kinder wie durch einen unsichtbaren Sog in den Bann des „haben müssens“ hineingezogen.

Das Herz für unser Kind öffnen

Mit unseren Kindern im herzlichen Kontakt zu sein, unser Herz für ein Kind zu öffnen… es klingt so selbstverständlich, und kann doch so schwierig sein. Gerade dann, wenn der Stresspegel mal wieder steigt, wenn unsere Kinder mal wieder ganz und gar nicht so sind oder so reagieren, wie wir uns das wünschen, kann unser Herz eng werden oder sich ganz verschließen. Sehr oft verhalten auch wir uns dann auf eine Weise, die dem Wunschbild, das wir von uns als Eltern haben, nicht entspricht. Wenn unser Herz eng wird oder verschossen, verlieren wir nicht nur die Geduld und das Wohlwollen mit unseren Kindern, wir verlieren auch die Geduld und die Freundlichkeit mit uns selbst. Schnell kann es passieren, dass wir in einen unheilvollen Strudel aus Vorwürfen, Schuldzuweisen, neuem Ärger und weiterer Wut geraten. Zusätzlich zu den oft schwierigen Bedingungen, unter denen wir in der heutigen Zeit Eltern sind, beschweren wir auf diese Weise unser Zusammensein mit Kindern durch belastende Gedanken. Unser Herz kann sich öffnen, wenn wir unseren Kopf von Urteilen und Wunschvorstellungen befreien. Wir müssen …

Ärger, Wut und Traurigkeit

Eltern zu sein bringt uns in Kontakt mit starken Gefühlen – unseren eigenen und denen unserer Kinder. Einerseits empfinden wir für unser Kind eine Zärtlichkeit, die ganz anders ist als alles,  was wir zuvor gefühlt haben. Viele Eltern schildern, dass sie sich weicher und durchlässiger fühlen und Momente großer Freude aber auch Ärger, Angst und Gefühle von Einsamkeit intensiver erleben. In einer Kultur in der Menschen von klein auf lernen, Gefühlen zu misstrauen oder sich für Trauer und Ärger schuldig zu fühlen, kann uns der Kontakt mit den eigenen starken Gefühlen und denen unserer Kinder ziemlich herausfordern.

Leitsterne für Eltern

Es gibt in dieser Zeit und in unserem Leben als Eltern immer wieder innere und äußere Einflüsse, die uns von Achtsamkeit entfernen, die uns verwirren oder entmutigen und die dazu führen, dass wir uns selbst beschuldigen und das Gefühl haben, als Eltern niemals gut genug zu sein. Auf dem Weg Eltern zu sein lernen wir aber mit der Zeit, dass es in keinem Augenblick darum geht, perfekt zu sein und die „einzig richtige Entscheidung zu treffen“. Was unsere Kinder vielmehr beeinflußt ist die Summe vieler kleiner Entscheidungen, die wir ununterbrochen mehr oder weniger unbewußt treffen. Kinder werden auch beeinflußt von der grundlegenden Stimmung oder Haltung in ihrer Familie, zum Beispiel davon ob es viel Stress gibt, ob sich die Eltern nach Konflikten wieder annähern, wie über andere Menschen gesprochen wird, welcher Umgang mit Geld vorherrscht, welche Situationen Angst oder Sorge hervorrufen und für was wir uns engagieren. Als Eltern mussen wir auch akzeptieren, dass Kinder manchmal etwas mit auf die Welt bringen, das wir nicht kennen und das uns fremd ist. Wenn beispielsweise ein sehr …

Mit Kindern innehalten

Im Alltag stehen Eltern oft unter zeitlichem Druck. Wir haben ein Ziel vor Augen, zum Beispiel das Kind anzuziehen weil wir noch einkaufen wollen. Es soll schnell gehen mit der Jacke, den Schuhen, der Mütze. Das Kind unterm Arm geht es zum Auto, das Kind will sich nicht anschnallen lassen und wehrt sich. Es gibt Geschrei und innere Aufruhr und unsere Gedanken und Bewegungen werden spitz und sind manchmal nicht mehr gewaltfrei. Und weil viele Eltern diese Erfahrungen machen scheint es, als würden solche Situationen unweigerlich zum Leben mit Kindern dazu gehören. Wir kennen es ja nicht anders. Wir glauben, dass wir Zeit gewinnen wenn wir schneller werden und Druck ausüben.