Alle Artikel in: Kinder, Kinder….

Kein Werkzeug – keine Methode

In diesen Tagen begegnet mir einmal wieder die Frage, welche Aufgaben im Leben wir eigentlich lösen können, wenn wir die „richtige Methode“ kennen und an welchen Stellen die „richtige Methode“ einer guten Lösung komplett im Wege steht. Je älter ich werde, desto mehr Bereiche entdecke ich nämlich, in denen „richtige Methoden“ eigentlich völlig unbrauchbar sind – und in denen die Suche nach dem richtigen „Werkzeug“ hilfreiche Antworten komplett verhindert. Es beginnt bei dem Thema Achtsamkeit. Wie kann man über die guten und hilfreichen Aspekte von Achtsamkeit sprechen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass es um eine Methode geht, die man nur anwenden muss, um sich oder das Leben zu „verbessern“ – was Achtsamkeit gleichwohl bei vielen Menschen bewirkt? Wie können wir Achtsamkeit üben oder meditieren und zugleich erkennen, dass Meditation kein Schraubschlüssel ist, der Stress reduziert – was Meditation andererseits bei vielen Menschen erwiesenermaßen tut? Diese grundlegende Frage hat mich im Zusammenhang mit verschiedenen Themen immer wieder bewegt: als ich mich mit der Gewaltfreien Kommunikation befasst habe und bemerken musste, welche Widerstände Menschen – vor …

Disziplin, die von innen kommt

Ich gebe es unumwunden zu: wenn mir jemand was von Disziplin erzählt und davon, dass man doch nur diszipliniert sein muss, um…. dann stellen sich in mir alle Stacheln auf. Ich gerate auf der Stelle und ohne zu zögern in eine Haltung von innerem Widerstand, schalte auf Abwehr und lasse mich so gut wie gar nicht mehr zu irgend etwas überreden oder drängen. Ist das gut oder schlecht? Man weiß es nicht… Einerseits steht mir mein Widerstand sicher an der ein oder anderen Stelle im Weg und behindert auch, dass ich mir mit Ordnung, weniger Internet oder mehr frischer Luft etwas Gutes tue. Andererseits führt er aber auch zu der Frage, was mich eigentlich selbst und von innen heraus dazu bewegt, etwas zu tun, Anstrengungen oder Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen und zu wachsen. Jetzt, zu Beginn des Jahres, tragen ja viele Menschen gute Vorsätze mit sich herum und wir glauben oft, mit etwas mehr Disziplin sei das schon zu schaffen, „mehr Sport“ oder „weniger essen“ oder „weniger „Smartphone“. Aber kaum sind ein paar Tage …

Sich nicht einmischen

Schon lange begleitet mich ein Text der italienischen Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori über die Kunst, sich nicht einzumischen. Sie beschreibt darin die beständigen Impulse der Erwachsenen, sich in das Tun von Kindern einzumischen mit dem Ziel, Dinge zu verbessern, dem Kind zu helfen oder es zu verändern. Und regt dazu an, immer dann wenn wir einen solchen Impuls spüren, eine Perlenkette zu nehmen und eine Perle zu schieben – bis wir zu einem Gefühl der Ruhe und Stille kommen, das uns innerlich verändert. Dieses einfach da sein ohne ein Ziel zu verfolgen ist nicht leicht. Im Zusammensein mit Kindern habe ich oft erlebt, dass sich Eltern und Pädagogen zwar äußerlich still verhalten und sich weniger einmischen – innerlich aber mit der Vorstellung verbunden sind, dass Kinder auf diese Weise eigenständig lernen und forschen, selbstständig werden oder „besser lernen“ – und gar nicht bemerken, dass sich die Katze gerade in den Schwanz beißt und sie sich von der Haltung  sich „nicht einzumischen“ weit entfernt haben. Andererseits darf dieses „sich nicht einmischen“ nichts damit verwechselt werden, …

Warum Achtsamkeit?

Alle Eltern wollen glücklich sein. Und …. alle Eltern wollen gute Eltern sein, ihre Kinder lieben und auf gute Weise ins Leben begleiten. Als  Eltern aber leiden wir in der heutigen Zeit oft unter großem Druck und mangelnder Unterstützung und oft wissen wir nicht, was uns hilft uns was wir tun können. Vor allem wenn die Kinder noch klein sind brauchen Eltern eigentlich alles – nur keine weiteren Belastungen, Termine oder Anforderungen. Um Achtsamkeit in unser Leben zu bringen müssen wir glücklicherweise nichts leisten, wir müssen nicht gut darin werden, uns nicht messen lassen und auch nichts vorweisen. Wir müssen nicht einmal besonders gute Eltern sein…

Vom Sachen finden

Letze Woche hatte ich das Glück, mit einer Sachenfinderin im Park unterwegs zu sein. Meine Lehrerin im „Sachen finden“ war vier Jahre alt. Aber das Alter tut eigentlich nichts zur Sache. Entscheidend ist, dass ich an diesem Tag eine kleine Lehrstunde im Nicht-Suchen und Doch-Finden bekommen habe. Innerhalb kürzester Zeit haben wir gefunden: eine winzige hellblaue Perle, eine Zigarettenschachtel mit dem Foto eines Menschen im Krankenbett (!), Haselnüsse mit und ohne Puschel, eine weiße Feder, Steine mit Gesichtern, die erste Kastanie, winzige Tannenzapfen, Holzstückchen mit Löchern und Holzstücken mit feinen blauen Farbresten. Alle diese wunderbaren Schätze haben wir nicht gesucht, sie sind uns begegnet. Für eine kurze Zeit waren wir Sachenfinder. Das Erstaunliche ist: in einem Modus von ziellosem herumstreunen, von hierhin und dorthin gehen, haben wir gefunden, ohne zu suchen. Wir waren einfach offen für das, was uns begegnet. Eigentlich haben wir gar nicht nach Sachen gesucht, vielmehr wurden wir von den Sachen gefunden. In einem solchen Zusammenspiel aus Präsenz, offener Wahrnehmung, Neugier, Ziellosigkeit und „einfach da sein und schauen“ kommen wir in Kontakt …

Im Hier und Jetzt

Solange Kinder noch kein Verständnis für die Zeit entwickelt haben kennen sie nur den Augenblick. Sie planen noch nicht den nächsten Tag oder gar die Termine im nächsten Monat. Sie verstehen noch nichts von „in einer halben Stunde“ oder von „zieh deine Mütze auf damit dir später nicht kalt wird“. Sie sind einfach da wo ihre Zeit ist, hier und jetzt. Wir Erwachsene dagegen sind in der heutigen Zeit oft am planen und vorausdenken und mit den Gedanken selten dort, wo wir stehen oder bei dem, was wir gerade tun. Wir essen und sind in Gedanken bei einem Telefonat, das wir noch führen müssen. Wir fahren Auto und diskutieren in Gedanken mit dem Partner. Unser Kind erzählt etwas und wir sind gedanklich beim nächsten Einkauf. Sicher – auf eine Weise müssen wir planen und vorausdenken. In einer Welt, in der aber sowieso ununterbrochen äußere Reize auf uns einstöhmen, kann dieses ständige innere „nicht da sein“ aber große Verwirrung auslösen. „Nicht da sein“ zieht an unserer Kraft und es hinterlässt auch für unsere Kinder eine Ungewissheit, …

Sich auf Freundlichkeit einstimmen

In der Begegnung mit kleinen Kindern habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie doch viele, viele Jahre lang offen und bereit sind, auf Erwachsene einzugehen, wenn wir ihnen mit Freundlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude begegnen, denn mit diesen Qualitäten sind Kinder ursprünglich verbunden. Wenn wir Kindern auf dieser Ebene begegnen, entsteht Resonanz. Freundlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude werden dann auf beiden Seiten gestärkt und können wachsen.

Vom Anfangen und Aufhören

In meinem Blogbeitrag  „Der Erschöpfung begegnen“ habe ich darüber geschrieben, wie wohltuend es sein kann, immer mal wieder aus dem Modus von „planen und machen“ auszusteigen und sich statt dessen von innen heraus leiten zu lassen  – und das zu tun, was zu tun ansteht, Schritt für Schritt und im eigenen Tempo. Heute lade ich Euch ein, einmal einen Tag lang ganz bewusst mit Tätigkeiten anzufangen –  und sie dann auch ganz bewusst wieder abzuschließen. Wie fühlt es sich an, anzufangen? Welche Gedanken und Impulse sind da, bevor ich anfange? Welche inneren Stimmen höre ich dabei? Wie fühle ich mich, wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe? Welche Gedanken und inneren Stimmen sind dann da?

Lieblingsstücke

Es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu wenig zum Leben haben. Und es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu viel haben. Unser Gefühl zu wenig zu haben und mehr besitzen zu müssen, wird in unserer konsumorientieren Gesellschaft stetig wie ein großes Schwungrad am Laufen gehalten. Kaum ist ein Wunsch befriedigt, kommt ein neuer auf. Immer früher werden auch unsere Kinder wie durch einen unsichtbaren Sog in den Bann des „haben müssens“ hineingezogen.

Das Herz für unser Kind öffnen

Mit unseren Kindern im herzlichen Kontakt zu sein, unser Herz für ein Kind zu öffnen… es klingt so selbstverständlich, und kann doch so schwierig sein. Gerade dann, wenn der Stresspegel mal wieder steigt, wenn unsere Kinder mal wieder ganz und gar nicht so sind oder so reagieren, wie wir uns das wünschen, kann unser Herz eng werden oder sich ganz verschließen. Sehr oft verhalten auch wir uns dann auf eine Weise, die dem Wunschbild, das wir von uns als Eltern haben, nicht entspricht. Wenn unser Herz eng wird oder verschossen, verlieren wir nicht nur die Geduld und das Wohlwollen mit unseren Kindern, wir verlieren auch die Geduld und die Freundlichkeit mit uns selbst. Schnell kann es passieren, dass wir in einen unheilvollen Strudel aus Vorwürfen, Schuldzuweisen, neuem Ärger und weiterer Wut geraten. Zusätzlich zu den oft schwierigen Bedingungen, unter denen wir in der heutigen Zeit Eltern sind, beschweren wir auf diese Weise unser Zusammensein mit Kindern durch belastende Gedanken. Unser Herz kann sich öffnen, wenn wir unseren Kopf von Urteilen und Wunschvorstellungen befreien. Wir müssen …