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Ärger, Wut und Traurigkeit

Eltern zu sein bringt uns in Kontakt mit starken Gefühlen – unseren eigenen und denen unserer Kinder. Einerseits empfinden wir für unser Kind eine Zärtlichkeit, die ganz anders ist als alles,  was wir zuvor gefühlt haben. Viele Eltern schildern, dass sie sich weicher und durchlässiger fühlen und Momente großer Freude aber auch Ärger, Angst und Gefühle von Einsamkeit intensiver erleben. In einer Kultur in der Menschen von klein auf lernen, Gefühlen zu misstrauen oder sich für Trauer und Ärger schuldig zu fühlen, kann uns der Kontakt mit den eigenen starken Gefühlen und denen unserer Kinder ziemlich herausfordern.

Leitsterne für Eltern

Es gibt in dieser Zeit und in unserem Leben als Eltern immer wieder innere und äußere Einflüsse, die uns von Achtsamkeit entfernen, die uns verwirren oder entmutigen und die dazu führen, dass wir uns selbst beschuldigen und das Gefühl haben, als Eltern niemals gut genug zu sein. Auf dem Weg Eltern zu sein lernen wir aber mit der Zeit, dass es in keinem Augenblick darum geht, perfekt zu sein und die „einzig richtige Entscheidung zu treffen“. Was unsere Kinder vielmehr beeinflußt ist die Summe vieler kleiner Entscheidungen, die wir ununterbrochen mehr oder weniger unbewußt treffen. Kinder werden auch beeinflußt von der grundlegenden Stimmung oder Haltung in ihrer Familie, zum Beispiel davon ob es viel Stress gibt, ob sich die Eltern nach Konflikten wieder annähern, wie über andere Menschen gesprochen wird, welcher Umgang mit Geld vorherrscht, welche Situationen Angst oder Sorge hervorrufen und für was wir uns engagieren. Als Eltern mussen wir auch akzeptieren, dass Kinder manchmal etwas mit auf die Welt bringen, das wir nicht kennen und das uns fremd ist. Wenn beispielsweise ein sehr …

Mit Kindern innehalten

Im Alltag stehen Eltern oft unter zeitlichem Druck. Wir haben ein Ziel vor Augen, zum Beispiel das Kind anzuziehen weil wir noch einkaufen wollen. Es soll schnell gehen mit der Jacke, den Schuhen, der Mütze. Das Kind unterm Arm geht es zum Auto, das Kind will sich nicht anschnallen lassen und wehrt sich. Es gibt Geschrei und innere Aufruhr und unsere Gedanken und Bewegungen werden spitz und sind manchmal nicht mehr gewaltfrei. Und weil viele Eltern diese Erfahrungen machen scheint es, als würden solche Situationen unweigerlich zum Leben mit Kindern dazu gehören. Wir kennen es ja nicht anders. Wir glauben, dass wir Zeit gewinnen wenn wir schneller werden und Druck ausüben.

Weniger urteilen

Im Leben mit Kindern sind wir Eltern oft sehr gefordert, schnell zu urteilen und spontan zu handeln. Wenn ein kleines Kind auf eine Treppe oder auf die befahrene Straße zuläuft, bleibt wenig Zeit für achtsame Wahrnehmung. Vielmehr ist es wichtig, dass wir Gefahren schnell erkennen und reagieren. In vielen anderen Situationen aber ist unser Drang nach schnellen Urteilen wenig hilfreich – er ist sogar schädlich, verschießt Möglichkeiten und verhindert den Blick aufs Ganze – auf unser Kind, eine Situation, andere Menschen, uns selbst.  Achtsamkeit erzählt von einem weiten Feld, in dem wir mit unseren Kindern sein dürfen, ohne bewertet und verurteilt zu werden, ohne uns selbst zu bewerten oder zu verurteilen und ohne unsere Kinder zu bewerten oder zu verurteilen. Dies ist, als würde man die Welt so wie sie im Moment ist, auf den Kopf stellen.

Auch das geht vorbei….

Es gibt diese Tage im Leben mit Kindern, da ist alles gut. Wir fühlen uns offen und verbunden, die Kinder spielen friedlich und unsere Aufgaben erledigen sich mit Leichtigkeit. Wir begegnen Missgeschicken mit Humor, und überhaupt scheint die Sonne und die Welt erstrahlt in Himmelblau. Und es gibt diese Tage und Nächte, die nicht so sind….

In Bewegung sein

Zu den schönsten Momente im Leben mit kleinen Kinder gehören sicher die, in dem sie Laufen lernen. In diesen Zeiten machen nicht nur die Kinder ihre ersten Schritte, wir haben auch kleine Lehrmeister vor uns, von denen wir uns einiges über „Schritte machen“ abschauen können. Laufen zu lernen ist bei Kindern, wenn es im eigenen Tempo und aus eigener Kraft geschieht,  ein ganz fließender Prozess. Sie machen ein paar Schritte, sie fallen, sie stehen wieder auf, sie kehren zum Laufen zurück. Ein innerer Plan, ein Wunsch, ein Antrieb bringt sie dazu, sich immer und immer wieder aufzurichten und die nächsten Schritte zu unternehmen. Es gibt bei ihnen – soweit ich das beobachten kann – kein Urteil über Scheitern und Vorwärtskommen. Es gibt keine inneren Dramen (andere sind schuld daran, dass ich gefallen bin/ ich bin schon so oft gefallen und werde es nie schaffen / ich muss es schaffen um gut genug zu sein), kein Festhalten und keinen Stillstand. Alles fließt.

Ganz bei sich sein

Im Kontakt mit kleinen Kindern wird uns manchmal bewusst, wie die Kinder noch in Verbindung mit sich selbst sind, wie sie sich aus einem inneren Impuls heraus bewegen, spielen und forschen und welche ursprüngliche Freude sie am Tun haben. Kinder berechnen nicht, was sie tun – und denken nicht über die Folgen nach. Viele Missverständnisse und Konflikte entstehen zwischen Kindern und Erwachsenen, weil die Kinder vehement an dieser Verbindung zu sich selbst festhalten und sich nicht an äußere Maßstäbe und Erwartungen anpassen wollen oder einfach noch gar nicht reif dafür sind.

Beschämungen

Viele Erwachsene in unserer westlichen Kultur tragen in sich den einen sehnlichen Wunsch, von den eigenen Eltern angenommen und geliebt zu sein – so wie sie sind. Von den eigenen Eltern nicht so angenommen und geliebt zu sein wie wir sind, hinterlässt eine Leere in unser aller Leben. Viele Süchte, viele Abhängigkeiten, viele Verknotungen und zerstörerische Verhaltensweisen entstehen aus dem Wunsch, diese Leere zu füllen oder sie nicht mehr spüren zu müssen.

Gute Eltern

Als Eltern tragen wir alle in unserem Inneren ein Wissen darum, was es bedeutet, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein. Zugleich sind wir umgeben von äußeren Maßstäben – und fühlen uns oft schlecht oder unzureichend, weil wir diesen Maßstäben nicht entsprechen. Es gibt im Leben von Eltern Ungeduld, Ärger, Stress und Staubfocken in den Wohnzimmerecken. Auf dem achtsamen Weg Eltern zu sein und Kinder zu begleiten kann uns bewusst werden, wie schwierig und unpassend es ist, sich an äußeren Messlatten zu orientieren – und wie unkompliziert vieles wird, wenn wir einfach mit dem sind, was aus uns selbst heraus in diesem gegenwärtigen Augenblick möglich ist.