Alle Artikel in: Natur und Garten

Graue Tage

Ein Tag an der dänischen Ostseeküste. Es regnet nicht, aber trocken ist es auch nicht. Nieselregen, feuchte Luft. Das Meer ist grau, der Himmel ist grau, mehr Grau geht nicht. Und doch… unfassbar viele Schattierungen, Abstufungen, lichte und dunkle Stellen zwischen Weiß und Schwarz. Schönheit, Eleganz und Sanftheit liegen auch darin. Und dann diese Stille… Urplötzlich die Hagebutten – knallen ihr Rot in die Welt. Kraftstrotzend, glänzend, berstend vor Saft. Was wären sie ohne das Grau? Text: j.g. Foto: f.e.      

Genug für alle?

Seit gestern zeigt sich nun also in Prozentzahlen, wie viele Menschen in Deutschland in dem Gefühl leben, nicht genug zu haben. Wie viele den Eindruck haben, andere würden ihnen etwas weg nehmen, und dass man sich abgrenzen muss, dass es so nicht weiter geht. Manche haben den Eindruck, dass man andere verjagen, sogar zunichte machen muss. Viele fürchten, dass auch unsere Demokratie nicht stark genug ist und dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte. Wohin wir schauen zeigt sich Angst vor Mangel und davor, nicht wahrgenommen zu werden, nicht wichtig genug zu sein und nicht das zu bekommen, was uns eigentlich zusteht. Ich kenne diese Gefühle. Seit diesem Frühjahr versuche ich beispielsweise, in unserem Garten etwas Gemüse anzubauen. Und seit dem plage ich mich auch mit Nacktschnecken herum. Jeden Morgen erschafft die Zucchini eine neue Blüte – jeden Nacht wird sie von hungrigen Nacktschnecken zerfressen. Ich bin ohne Probleme in der Lage, mich in Wut und Ärger hineinzusteigern. Immerhin habe ich den Boden bereitet, Samen gesetzt und das Pflänzchen gegossen. Sollten mir nicht jetzt auch die …

Ajahn Brahm: Idioten im Garten

„In Australien gehört ein Garten fast zu jeden Haus, doch nur wenige Menschen kommen in ihrem Garten wirklich zur Ruhe. Für die meisten ist er schlichtweg ein zusätzlicher Arbeitsplatz. Deshalb rate ich denjenigen, das Grün um ihr Haus eine gewisse Zeit lang zu hegen und zu pflegen und danach das Gleiche für ihr Herz zu tun. Dafür setzt man sich einfach ruhig in den Garten und erfreut sich an den Gaben der Natur.

Galway Kinnell: Die Knospe

Die Knospe steht für alles selbst für jene Dinge, die nicht blühen, denn alles blüht, aus sich selbst, aus innerem Glück, obwohl es manchmal nötig ist, ein Ding nochmals seine Liebenswürdigkeit zu lehren, einer Blume die Hand auf die Stirn zu legen ihr mit Worten und Berührungen zu sagen, wie schön sie ist, bis sie wieder aus sich selbst blüht, aus innerem Glück. aus Sharon Salzberg: Metta Meditation. arbor 2006

Staunen

Achtsamkeit wird beschrieben als offenes Gewahrsein für den Augenblick. Wir öffnen unsere Wahrnehmung für alles, was uns begegnet: für Gedanken, Gefühle, Sinneseindrücke und körperliche Empfindungen. Wir sind bei unserer Wahrnehmungen, ohne uns ein Urteil zu bilden. Diese Haltung hat sehr viel mit der inneren Bereitschaft zu tun, uns auf  Nicht-Wissen einzulassen und zu staunen. Zu staunen über die Schönheit und das Wunder des Lebens, das wir im Trubel des Alltags so schnell übergehen. Zu staunen aber auch über die alltäglichen Zumutungen und Unebenheiten, die das Leben bereit hält. Jetzt im Herbst morgens über eine feuchte Wiese zu gehen, das Glitzern der Tautropfen im Sonnenlicht zu sehen, die feinen Spinnweben, die kunstvoll zwischen Grashalmen gespannt vor mir liegen – da fällt das Staunen leicht. Es fiele mir nicht ein ergründen zu wollen, wie das alles gemacht oder entstanden ist und es fiele mir auch nicht ein, die Spinne dafür zu kritisieren, wie sie ihr Netz gewebt hat oder ihr zu sagen, was sie besser machen kann. Auf der herbstlich gefärbten Wiese im Morgenlicht kann ich da …

Schlichtes Tun

Im Sinne der Achtsamkeit ist es wohl nicht besonders hilfreich, vergangene Zeiten zu idealisieren oder zu glauben, dass früher alles besser war. Und doch spüre ich immer mal wieder so ein kleines Seufzen in mir und eine kleine romantische Sehnsucht nach dem „einfachen Landleben“. Ich stelle mir dann gerne vor wie es wohl wäre, die eigenen Kartoffeln zu ernten, Tiere zu versorgen und in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen auf einem Hof zu leben. Ich hätte dann unbedingt auch einen großen Sonnenhut, eine Bank in der Sonne mit Blick auf den Gemüsegarten und sonntags gäbe es immer frischen Apfelkuchen. Die Realität eines solchen Lebens blende ich dann natürlich gerne aus – und auch die Frage, wie es wirklich wäre, als „Selbstversorger“ zu leben oder wer wohl sonntags früh aufstehen würde, um für alle Kuchen zu backen. Wenn ich in dieser Sache tiefer schaue gibt es zum einen den Wunsch, mehr mit der Natur verbunden zu sein und mehr im Rhythmus der Natur leben zu können. Zum anderen stelle ich mir vor, dass so ein mit …

Von einer Wiese aus

Hinter dem Haus, am Rande der Siedlung in der ich lebe, liegt zwischen Häusern, Bahnlinie und Autobahn, eine Wiese. Jahr für Jahr ist sie mir vertrauter geworden, aber erst vor einigen Tagen habe ich verstanden, dass diese Wiese unbeeindruckt vom Lärm um sie herum, eine vollkommene Stille bewahrt. Inmitten wechselnder Geräusche von Güterzügen, Flugzeugen und LKWs, bewachsen von einer für mich unüberschaubaren Vielfalt von Gräsern, Kräutchen und Blumen, bewohnt von unzähligen Kaninchen- und Krähenstämmen, ruht diese Wiese zu jeder Jahreszeit, bei Regen, Schnee und Sonnenschein, in ihrer umfassenden Vollkommenheit. Was wäre, das frage ich mich, wenn ich mein Leben von einem solchen Ort der ruhenden Vollkommenheit aus leben könnte? Was, wenn ich von einem solchen Ort ausgehen würde? Was, wenn ich von dort aus alles um mich tastend, lauschend und schauend erforschen könnte, ohne gedrängt oder gehetzt zu sein? Was, wenn die Angst, die Angst, diese Angst also, wenn die Angst so wie ein welkes Blatt, Hundekot und Krähenfedern auf den Boden und zu Staub zerfiele, wenn sie wie alles Fallende so bereitwillig angenommen und …