Kinder, Kinder...., Texte und Inspirationen
Kommentare 2

Das Herz für unser Kind öffnen

Mit unseren Kindern im herzlichen Kontakt zu sein, unser Herz für ein Kind zu öffnen… es klingt so selbstverständlich, und kann doch so schwierig sein. Gerade dann, wenn der Stresspegel mal wieder steigt, wenn unsere Kinder mal wieder ganz und gar nicht so sind oder so reagieren, wie wir uns das wünschen, kann unser Herz eng werden oder sich ganz verschließen. Sehr oft verhalten auch wir uns dann auf eine Weise, die dem Wunschbild, das wir von uns als Eltern haben, nicht entspricht. Wenn unser Herz eng wird oder verschossen, verlieren wir nicht nur die Geduld und das Wohlwollen mit unseren Kindern, wir verlieren auch die Geduld und die Freundlichkeit mit uns selbst. Schnell kann es passieren, dass wir in einen unheilvollen Strudel aus Vorwürfen, Schuldzuweisen, neuem Ärger und weiterer Wut geraten. Zusätzlich zu den oft schwierigen Bedingungen, unter denen wir in der heutigen Zeit Eltern sind, beschweren wir auf diese Weise unser Zusammensein mit Kindern durch belastende Gedanken.

Unser Herz kann sich öffnen, wenn wir unseren Kopf von Urteilen und Wunschvorstellungen befreien. Wir müssen zulassen, dass unser Geist, der ununterbrochen aktiv ist und neue Ideen hervorbringt, zur Ruhe kommt. Denn auch wenn wir schon viele Jahre Achtsamkeit üben ist das geöffnete Herz kein Dauerzustand. Vielmehr geht es darum wahrzunehmen, dass wir uns gerade innerlich verschließen und wir uns dann, mit einer sanften inneren Bewegung, uns selbst zuwenden – bevor weiterer Schaden entsteht.

Achtsam zu atmen oder achtsam zu gehen hilft uns dann dabei, unseren Geist zu beruhigen. Gedanken dürfen herabsinken, langsam und sanft wie ein Blatt im Herbst vom Baum heruntersegelt. Unser Geist darf sich setzen. Das ruhige Sitzen, das ruhige Gehen, bei dem wir nichts erreichen und nichts verbessern wollen, nur den Atem wahrnehmen oder unsere Füße, die den Boden berühren, ist kein Zwang und kein Muss. Es ist eine Möglichkeit die wir ergreifen können, es ist eine Option, in jedem Augenblick. Wenn unsere Gedanken zur Ruhe kommen, kann unser Herz weit werden.

Es kann dann sein, dass wir offen werden für unser Dasein im Augenblick, für unsere Kinder, sogar für uns selbst. Es kann dann sein, als würden wir unsere Kinder mit ungetrübten Augen sehen. Wir sehen mit dem Herzen, dass sie manches, so wie wir selbst, nicht wissen oder können. Wir sehen mit dem Herzen, dass sie, wie wir selbst, verletzt wurden und, wie wir selbst, begrenzt sind in ihren Möglichkeiten. Auf dieser Ebene geschehen wirkliche Begegnung, tiefes Verstehen und Heilung. (j.g.)

 

2 Kommentare

  1. Ich merke selbst ganz oft, dass sich mein Herz verschließt, wenn ich mit meinem Kind einige Stunden oder Tage alleine bin. Einfach weil es mich heillos überfordert, die einzige Ansprechpartnerin zu sie, immerzu funktionieren, zuhören, antworten, reagieren zu müssen. Keine Wahl zu haben. Immerzu geht es weiter und weiter und weiter obwohl meine Grenze dessen, was ich leisten kann, längst überschritten ist. Ich bin müde und leer und will still sein, mich sammeln, wieder zu mir kommen. Und in dem Moment, wo mir dieses tiefe Bedürfnis bewusst wird, kommt das nächste „Mama, hilf mir! Mama, komm! Mama schau! Maaaaamaaaa!!!!“ Ich kann nicht mehr, ich will weglaufen. Ich will alleine sein. Nur für eine Stunde, Bitte. Zum Kraft tanken. Aber es geht nicht. Weil niemand da ist außer mir, der sich kümmert. Ich muss bleiben, obwohl ich am Rande der Erschöpfung stehe.

    Und dann kommt da noch der innere Kritiker, der sagt: „Waaas, nur EIN Kind und du bist schon überfordert? Andere haben drei oder mehr. Stell dich nicht so an. Dein Kind braucht dich, los, geh auf es ein. Sei für es da. Andere Mütter schaffen das auch.“

    Puh, manchmal ist das gar nicht so leicht.

    Das wollte ich mir einfach mal von der Seele schreiben.

    • Julia Grösch sagt

      Liebe Alexandra, Mama und Kind allein zuhause ist wirklich eine der schwierigsten und heraufordensten Lebensituationen, die man sich vorstellen kann. Und der Vergleich mit zwei oder drei Kindern hinkt sowieso, weil manches mit mehr Kindern leichter wird.
      Bei aller Achtsamkeit und inneren Sammlung braucht jede Mutter Kontakte und Unterstützung. Bitte wende dich an deine Hebamme oder eine Familienberatung, wenn du so erschöpft bist. Dir stehen Hilfen zu.
      Ein wichtiger Punkt aus der Sicht der Achtsamkeit ist auch, dass in der Zeit mit einem Baby oder Kleinkind die Zeit der Sammlung nicht getrennt vom Kind entsteht, sondern genau in dem Moment, in dem es „Mama“ plärrt. Es könnte sein, dass es auch deshalb so anstrengend ist, weil du mit den Gedanken an einem Ort oder in einer Situation bist, die nicht das Hier und Jetzt ist. Auch ständige Schuldgefühle und hohe Ansprüche an sich selbst schwächen uns sehr. Diese gedankliche Mühle kannst du unterbrechen wenn du lernst, dich immer wieder mit deinem Atem oder deinem Körper im hier und jetzt zu verbinden.
      Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Zeilen eine kleine Unterstützung geben kann.
      Fühl dich ein Stückchen schwesterlich getragen
      Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.