Glück

Einfach da sein

So viel Stress, so viel Unglück kommt ins Leben, weil wir mit unseren Gedanken nicht da sind, wo wir gerade sind. Oder anders gesagt, weil wir mit dem, wie es gerade ist, nicht sein können. Dies mag auch damit zu tun haben, dass wir nicht wirklich schätzen, was wir sind und tun oder glauben, dass sich nichts verändert, wenn wir einfach in Ruhe das tun, was zu tun ansteht, an dem Ort und in dem Moment, in dem wir gerade sind.

Diese innere Zerissenheit kenne ich als Frau, Mutter, Schreibende und Lehrende gut. Ich kenne den Gedanken, dass ich dort, wo ich gerade bin, nicht sein sollte, weil etwas anderes eigentlich wichtiger ist. Bin ich beim Kind, sollte ich doch eigentlich emails schreiben. Schreibe ich emails, sollte ich doch eigentlich das Abendessen vorbereiten. Es scheint dann, ich sollte dort sein, wo ich nicht bin und das tun, was ich gerade nicht tue. Die innere Abwesenheit von dem, was gerade ist, erzeugt zusätzlich zu den Herausforderungen, die sowieso schon da sind, großen Stress.

Wie wohltuend ist es dann, diese Abwesenheit vom Augenblick, die ja immer auch eine Abwesenheit von mir selbst ist, zu durchbrechen. Wie erfrischend ist es, den Atem zu spüren und zu spüren „ich bin da“. Zwischen all den Aufgaben, all den Gedanken, Urteilen und Reaktionen, zwischen Ärger, Ängsten, Zweifeln, Stress, gibt es doch einen Raum, in dem ich mich niederlassen und einfach sein darf. Wie beruhigend ist es, in diesem Raum zu sitzen, zu atmen, zu sein.

Wir können lernen, uns dem Augenblick, uns selbst, einem Kind, einem Kollegen, unserer Aufgabe von diesem inneren Raum aus freundlich und interessiert zuzuwenden und das zu tun, was von Augenblick zu Augenblick getan werden kann. Unsere Aufgaben sortieren sich dann wie Perlen auf einer Schnur. Wir können mit dem sein, was ist, ohne uns oder andere dafür zu verurteilen, dass wir nicht woanders sind. Eine Kraft entsteht, eine Ausrichtung, ein Lächeln, ein Glück.

Foto: Stefan Schweihofer/Pixabay