Kinder, Kinder....
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Eltern sein und Fehler machen

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hat in einem seiner Bücher einmal geschrieben, dass fünfzehn Fehler pro Tag für Eltern völlig in Ordnung sind.  Natürlich ging es ihm mit dieser Aussage darum, der Vorstellung, Eltern könnten oder müssten perfekt sein und immer alles richtig machen, entgegen zu steuern.

Andererseits gehört „Fehler machen“ auf eine Weise zum Eltern sein dazu. Ganz objektiv gesehen machen Eltern manchmal auch Fehler, einfach weil sie nicht genug wissen, weil sie erschöpft oder gestresst sind, weil sie aus der eigenen Erfahrung und den eigenen Vorstellungen heraus auf ihre Kinder schauen und es nicht leicht ist, das eigene Gebäude aus Erfahrungen und Interpretationen zu verlassen.

Eine Auswirkung von wachsender Achtsamkeit ist auch, dass wir uns Situationen, in denen wir zu unseren Kindern nicht freundlich sind und sie vielleicht verletzen oder beschämen, bewusst werden. Das ist nicht leicht, und in solchen Situationen zeigt sich, dass Achtsamkeit nicht auf direktem Weg zu Glück und Sonnenschein führt.
Und zugleich lernen wir auf diesem Weg der Achtsamkeit, präsenter, geduldiger und mitfühlender zu sein  – auch und besonders in den Momenten, in denen wir nicht so Eltern sind, wie wir es uns vorgestellt haben.

Fehlern mit Präsenz zu begegnet bedeutet, nicht davon zu laufen, nicht weg zu sehen, aber  aus unseren Fehler auch keine endlose Geschichte zu machen. Sehr oft können wir nicht wissen, welche Folgen ein Fehler hat, sehr oft verhindern wir, dass aus Fehlern etwas Gutes entstehen kann, weil wir so sehr daran festhalten, das aus Fehlern etwas Falsches entsteht.

Wir können Fehler nicht verhindern indem wir versuchen, immer alles richtig zu machen. Achtsamkeit hilft uns, mit unseren eigenen Fehlern, den Fehlern unserer Kinder und anderer Menschen etwas geduldiger, großzügiger und vielleicht sogar etwas humorvoller umzugehen. Und es könnte sein, dass wir dann auf diesem Weg vielleicht doch, nach und nach, ein paar Fehler weniger machen. Nicht weil wir besser oder perfekter werden, sondern weil wir mitfühlender, großzügiger und präsenter werden.

Lies aus meiner kleinen Reihe über Fehler auch die Artikel „Fehler machen“, Fehlern begegnen“ und den Text „Das Loch in der Straße“ von Portia Nelson.

 

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