Achtsamkeit im Alltag, Texte und Inspirationen
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Enttäuschung

Da habe ich doch gerade auf facebook einen schönen Satz gepostet – und der geht so: „Schiffe sinken nicht, weil sie von Wasser umgeben sind. Schiffe sinken, wenn das Wasser in sie eindringt. Lass nicht zu dass das, was um dich ist, in dich eindringt und dich nach unten zieht.“

Und kaum habe ich diese schöne Weisheit in die Welt geschickt, da macht es einmal kurz „plopp“ – und schon bin ich in einer Situation, in der ich mir diesen Spruch selbst an den Spiegel kleben kann…

Gleichzeitig war das Leben so nett, mir diese Weisheit zwei Tage vor der akuten Situation zu schicken, so dass ich mich nach zwanzig Minuten Wut und Ärger dann doch daran erinnert habe. Wie war das noch mit der achtsamen Selbstfreundlichkeit? „Es geht vorbei!“. „Schau einfach mal, wie du morgen darüber denkst…“, „Lass es ziehen…“, „Lass dir nicht bange machen!“, „Lass nicht zu, dass die Kleinlichkeit anderer Raum in deinem Haus bezieht.“.

Da war ich doch so voller Freude und Euphorie – und dann kommt da eine Bekannte und macht alles schlecht. Urteilt, kritisiert, mäkelt rum. Puh… da hatte ich mir etwas anders erhofft. Nicht unbedingt Ermutigung, aber einfach Mitfreude, Anteilnahme, ein klein wenig Begeisterung.

Ja, das hat mich getroffen und geärgert.
Und zugleich lerne ich, mich in solchen Situationen erst einmal freundlich um mich selbst zu kümmern, bevor ich meine Verärgerung und meine Enttäuschung gegen mich selbst oder andere befeuere. Man nennt das wohl Achtsamkeit…

Nachdem die ersten Gefühle nun etwas abgeklungen sind und ich wieder klarer sehe, kann ich auch entscheiden, mit wem ich meine Freude teile. Immer mal wieder geht es auch um die Frage, von wem ich mir was und warum erhoffe – und was entstehen kann, wenn die Hoffnung enttäuscht wird. Und um die Erfahrung, dass ich mich trotz der Enttäuschung an meine Freude erinnern und zu ihr zurückkehren kann.

Menschen um sich zu haben, die sich von Herzen mit freuen können – das ist wirklich ein Geschenk. Heute bin ich in dieser Sache mal wieder ein bißchen klüger geworden…

Foto: Pixabay/pexels

2 Kommentare

  1. Danke für den Text. Es geht mir oft so ähnlich. Da gebe ich einen Abend über Geschwister und Streit. Und schwupps, verhalte ich mich am Folgetag komplett so, wie es nicht sein sollte. Schön, dass wir menschlich sind. Zu wissen wie es geht, heisst nicht, es jederzeit anwenden zu können. Wir sind auf dem Weg. Alle. Der Weg ist zum gehen da. Herzliche Grüsse, Céline

    • Julia Grösch sagt

      Danke für deinen Kommentar, liebe Céline. Ich glaube es gibt auch eine Qualität die darin liegt, als „Lehrende“ nicht zu versteinern oder abzuheben. Von solchen „Lehrern“ gibt es schon genug. Ich habe es immer geschätzt, wenn sich meine LehrerInnen von ihrer menschlichen und durchaus auch verletzlichen Seite gezeigt haben und hatte das Glück, solche kennen zu lernen. Wie du sagst… wir sind alle auf dem Weg. Alles Gute für deine Arbeit! Herzliche Grüße Julia

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