Achtsamkeit im Alltag
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Fehlern begegnen

Wie eigentlich würde es uns selbst, unseren Kindern und allen Menschen ergehen, wenn wir  immer öfter mal mit freundlicher Anteilnahme fragen würden: „Was hast du schon mal falsch gemacht – und was ist denn eigentlich daraus geworden?“ Was wäre, wenn wir Fehlerhaftigkeit in unser nicht urteilendes Gewahrsein einschließen könnten – und wenn wir über unsere Fehler mit einem Menschen sprechen könnten, der nicht urteilt, kein Ziel mit uns hat und auch keine Angst, das anzuhören, was ausgesprochen werden will? Der also einfach da ist, aufmerksam und freundlich, und der sanft nachfragt, wenn dies gebraucht wird?

Dass Fehler machen falsch ist, dass Fehler machen bedeutet, verurteilt, bestraft und ausgeschlossen zu sein, dass Fehler zu machen bedeutet, im eigenen Wesen falsch zu sein, dies alles lernen Kinder in unserer Gesellschaft weiterhin von klein auf. Noch immer glauben wir, dass Strafe, Beschämung und Trennung dazu führen, dass Kinder richtig lernen, sich richtig  verhalten  und sich richtig benehmen. Wir nennen es vielleicht nicht mehr „Strafe“, sondern „Konsequenz“ oder „Grenzen setzen“, letztlich aber geht es darum, sich die tiefere Wahrheit von Fehlern vom Leib zu halten, indem wir beschuldigen und ausgrenzen.

Einsicht aber kommt auf anderen Wegen. Um sich eigene Fehler eingestehen zu können, um wirklich anschauen zu können, dass wir mit unserem Handeln oder unseren Worten Menschen, Tieren oder der Erde Leid angetan haben, braucht es oft sehr viel innere Stabilität und sehr viel Mitgefühl mit uns selbst und anderen. Solange wir gestresst sind, Angst haben bestraft oder isoliert zu werden, kann kein Mitgefühl entstehen. Stress und Mitgefühl schließen einander aus. Stress und Angst verhindern tiefe Einsicht.

Wir alle, vor allem aber unsere Kinder, brauchen an unserer Seite Menschen, die keine Angst davor haben, die Konsequenzen von Fehlern in ihr nicht urteilendes Gewahrsein aufzunehmen und die die Erfahrunge gemacht haben, dass aus Fehlern Neues entsteht, dass sich Dinge wandeln und dass aus dem Schlamm von heute schon morgen neue Blumen wachsen können.

Diese innere Gewissheit, diese Präzenz und dieses Mitgefühl schulen wir in der Praxis der Achtsamkeit, jeder und jede auf dem eigenen Weg, jede und jeder in seinem eigenen Tempo. Konzentration auf unserem Atem, wie wir sie in Achtsamkeitsmeditationen üben, hilft uns auch im Alltag, unsere Konzentration und unsere freundliche Präsenz auf das zu richten, was aus einem Fehler entstehen kann, wenn wir nicht versuchen, ihn auszumerzen oder zu ignorieren, sondern ihn als Ausdruck dafür verstehen, dass Menschen, Tiere und die ganze Erde Weisheit,  Mitgefühl, Zuwendung und  Heilung brauchen.  (j.g.)

Lies zu diesem Thema auch den Artikel „Fehler machen“.

 

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