Blog, Kinder, Kinder....
Schreibe einen Kommentar

Freundlichkeit einladen

Eltern zu sein und ein Kind ins Leben zu begleiten ist ein Weg, auf dem wir Freundlichkeit,  Mitgefühl, Kreativität und auch Humor in die Welt bringen können. Wir sind durch die Verbindung mit Kindern mit diesen Qualitäten verbunden und in jedem Augenbick frei, uns neu für sie zu entscheiden.

Zugleich lenken uns innere und äußere Einflusse von diesen Qualitäten ab. Auch gibt es in unserer Kultur Geschichten über Erziehung, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden und die uns daran hindern, diese Qualitäten zu leben und ihnen zu vertrauen. Manches steckt uns buchstäblich in den Knochen und ist uns gar nicht bewusst. Wir lehnen beispielsweise Gewalt gegen Kinder ab und es gibt sicherlich einen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Gewalt schlecht für Kinder ist. Und doch kennen Eltern Momente, in denen wir außer uns sind, hilflos, wütend und erschöpft und in denen wir Kindern körperlich oder seelisch verletzen. In solchen Situationen haben wir die Verbindung zur Freundlichkeit verloren. Dies ist besonders bitter und ruft wiederum Selbsthass und Schuldegfühle – also Formen der Gewalt gegen uns selbst – hervor, wenn wir uns doch eigentlich Ideen wie Gewaltfreier Kommunikation, erziehen „nach“ Montessori, „nach“ Jesper Juul oder eben „nach“ Achtsamkeit verpflichtet haben. Wieder ein Ziel, das wir nicht erreicht haben, wieder ein Grund für Schuldgefühle, für Beschämungen, wieder eine Begebenheit, die uns hindert, in Verbindung mit Freundlichkeit zu sein.

Einerseits ist es so, dass wir Freundlichkeit im Lauf des Tages immer wieder verlieren. Zugleich aber können wir viel dafür tun, uns für Freundlichkeit zu entscheiden und Freundlichkeit vor allem uns selbst gegenüber zu kultivieren. Jetzt in diesem Moment ist eine freundliche Geste uns selbst, unserem Kind, einem anderen Menschen, einem Tier oder einer Pflanze gegenüber möglich. Eine Geste, eine kleine wohlwollende Bewegung, die die Kraft der Veränderung in sich trägt. Es ist auch eine schöne Übung, einfach für uns selbst oder im Gespräch mit unseren Kindern aufzuspüren, in welchen Situationen wir über den Tag Freundlichkeit begegnet sind. Gab es eine Begegnung mit einem Menschen, einem Tier, einer Blume in der Freundlichkeit lag? Gab es einen Moment, in dem wir uns statt zu verurteilen für Freundlichkeit entschieden haben? Haben wir unserem Kind mit einer Geste der Freundlichkeit einen Dienst erwiesen, ihm etwas erleichtert oder sein Tun mit Freundlichkeit im Herzen beobachtet?

Es gibt eine große Geschichte in unserer Kultur die besagt, dass Freundlichkeit ausgenutzt wird und dass sie nichts verändert. Dies kann geschehen, wenn wir Freundlichkeit benutzen um andere zu manipulieren, wenn wir also Freundlichkeit in den Dienst des Kampfes stellen oder durch Freundlichkeit etwas erreichen wollen. In uns und unseren Kindern gibt es aber eine grundlegende Freundlichkeit ohne Ausrichtung, die wir wahrnehmen und stärken können – hier und jetzt, in jedem Augenblick. Auf diese Weise entsteht auch eine neue Geschichte der Freundlichkeit  – in uns und um uns herum. (j.g.)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.