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Frieden wahrnehmen

Eltern zu sein und mit Kindern zu wachsen eröffnet uns eine große und umfassende Möglichkeit, Frieden in die Welt, in Familien, Gemeinschaften und in uns selbst zu bringen. Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler hat dazu einmal gesagt: „Friedenserziehung beginnt auf dem Wickeltisch“. Was sie damit meinte war, dass bereits die Art und Weise, wie wir ein kleines Kind wickeln und pflegen, wie wir es berühren, anziehen und betrachten den Samen des Friedens in ein Kind legen kann. Im Sinne der Achtsamkeit aber geht dieser Ansatz viel weiter: Könnte nicht jeder Moment unseres Lebens, jeder Schritt den wir gehen und jedes Wort das wir aussprechen von Frieden und Freundlichkeit geprägt sein?

Offensichtlich ist zunächst einmal, dass das Leben mit Kindern in vielen Momenten alles andere als friedlich ist. Es gibt im Zusammensein mit ihnen Stress, Ärger, Wut und Tränen. Kinder geraten in Familien und im öffentlichen Raum in gewaltvolle Situationen.
Bilder des Leidens drängen gerade in diesen Wochen von allen Seiten in unsere Köpfe und in die unserer Kinder.
Und auch in uns selbst lauern nicht-friedlichen Anteile und manchmal ist es, als würden sie nur auf Gelegenheiten warten um den Rachen aufzureißen und die nächste Generation mit Nicht-Frieden anzustecken. Mir hat sich der Satz einer Mutter sehr eingeprägt, die in einem Seminar einmal sagte: „Bevor ich Mutter wurde konnte ich in dem Glauben leben, ein guter Mensch zu sein.“
Kinder bringen vieles aus uns hervor, unsere freundliche, liebevolle und friedliche Seite, aber in vielen Momenten eben auch Anteile, die wir bisher gut vor uns selbst verstecken konnten….

Achtsamkeit aber lehrt uns, dass wir in jedem Augenblick, auch im Streit oder wenn der Stress einmal wieder übermächtig ist, zu Frieden in uns selbst zurückkehren können. Wir können lernen, uns auch in schwierigen Momenten mit Frieden und Freundlichkeit zu verbinden, indem wir für ein paar Momente unserem Atem folgen und zulassen, dass sich Stille und Frieden in uns breit machen. Wir können lernen, langsamer zu werden und in schwierigen Situationen weniger automatisch zu reagieren. Gewiss gibt es Situationen, in denen schnelle und automatische Reaktionen hilfreich und wichtig sind – in vielen anderen aber können wir diesen einen winzigen Schritt unternehmen und Frieden wahrnehmen, bevor wir reagieren.

Diese Praxis ist uns jederzeit zugänglich – bevor wir ein Kind wickeln, bevor wir es darum bitten, seine Socken vom Fußboden aufzuheben oder bevor wir ihm erklären, dass die Zeit am Computer nun abgelaufen ist. Wir können Frieden in uns kultivieren, bevor wir zum Telefonhörer greifen, emails lesen oder Nachrichten schauen. Wir können einmal eine Woche damit verbringen, Momente des Friedens bewußt wahrzunehmen und wir können den Frieden in der Welt vermehren, indem wir anderen von diesen Momenten erzählen. Eine schöne Übung in der Famile kann es auch sein, abends darüber zu sprechen, was wir friedliches erlebt haben und für jeden Moment des Friedens eine kleine Perle in eine Schale zu legen. So wird allen bewußt, dass es Frieden gibt, dass Frieden in uns selbst ist und dass wir Frieden kultivieren und vermehren können. (j.g.)

 

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