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Ganz bei sich sein

Im Kontakt mit kleinen Kindern wird uns manchmal bewusst, wie die Kinder noch in Verbindung mit sich selbst sind, wie sie sich aus einem inneren Impuls heraus bewegen, spielen und forschen und welche ursprüngliche Freude sie am Tun haben. Kinder berechnen nicht, was sie tun – und denken nicht über die Folgen nach. Viele Missverständnisse und Konflikte entstehen zwischen Kindern und Erwachsenen, weil die Kinder vehement an dieser Verbindung zu sich selbst festhalten und sich nicht an äußere Maßstäbe und Erwartungen anpassen wollen oder einfach noch gar nicht reif dafür sind.

Diese tiefe Verbindung zu sich selbst und die Kraft der eigenen inneren Wahrnehmung zu vertrauen, geht den meisten Menschen auf dem Weg von Erziehung und Anpassung verloren. Mehr und mehr orientieren wir uns an äußeren Maßstäben und passen uns an, um unsere Ängste zu dämpfen – die größer werden, je weiter wir uns von unserer Mitte entfernen. Mehr und mehr werden wir süchtig nach Anerkennung und Bestätigung von außen. Mehr und mehr regiert unser Ego über die ursprüngliche Freude und Wachheit, die wir bei kleinen Kindern noch beobachten können. Viele Erwachsene suchen nach Erfüllung im „haben wollen“ und „immer mehr haben wollen“. Vielen Erwachsenen ist die Erfahrung, Dinge aus einer inneren Freude heraus zu tun, aus einer Neugier oder einfach aus einem inneren Bedürfnis, ganz verloren gegangen.

Wenn wir bei den Kindern sind und offener werden für diese Momente des „ganz bei sich seins“, wird sich automatisch auch ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, wie kostbar und heilsam dieser Zustand ist. Wir lernen dann auch abzuwägen, wann es gut ist, die eigenen Ziele und Pläne die wir mit dem Kind haben zurückzustellen und öfter zu schauen, was aus dem Inneren des Kindes heraus entsteht. In anderen Situationen, in denen wir eingreifen müssen, kann die Einsicht reifen, dass sich Kinder oft nicht widersetzen oder verweigern, um uns zu ärgern oder zu verletzen, sondern einfach weil ihnen die Verbindung zu sich selbst so über alle Maßen wichtig ist. Die bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist und wir jede Verhaltensweise tolerieren sollen. Vielmehr wird deutlich wie wichtig es für die Kinder ist von einem Erwachsenen zu lernen, dass wir in Verbindung zu unserem Inneren und zugleich mit allem was uns umgibt verbunden sein können.

Achtsames Atmen, einfach sitzen, einfach da sein, unterstützt uns Erwachsene sehr darin, wieder in Kontakt mit unserer Mitte zu kommen und die Verbindung zu uns selbst freizulegen und zu stabilisieren. Mit uns selbst verbunden wird auch unsere Wahrnehmung nach Außen klarer und feiner und wir lernen, wohlwollend und freundlich mit den Situationen umzugehen, in denen wir selbst oder unsere Kinder in einen Konflikt zwischen innerer Wahrnehmung und äußeren Anforderungen geraten.  (j.g.)

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