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Gute Eltern

Als Eltern tragen wir alle in unserem Inneren ein Wissen darum, was es bedeutet, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein. Zugleich sind wir umgeben von äußeren Maßstäben – und fühlen uns oft schlecht oder unzureichend, weil wir diesen Maßstäben nicht entsprechen. Es gibt im Leben von Eltern Ungeduld, Ärger, Stress und Staubfocken in den Wohnzimmerecken. Auf dem achtsamen Weg Eltern zu sein und Kinder zu begleiten kann uns bewusst werden, wie schwierig und unpassend es ist, sich an äußeren Messlatten zu orientieren – und wie unkompliziert vieles wird, wenn wir einfach mit dem sind, was aus uns selbst heraus in diesem gegenwärtigen Augenblick möglich ist. Messlatten und Maßstäbe sind nicht das Hier und Jetzt. Wenn wir uns zu sehr an ihnen orientieren kann es schnell passieren, dass sich unsere Energie völlig zerstreut. Es geschieht auch, dass wir äußere Maßstäbe zu einem Ziel werden lassen und ständig deprimiert sind, weil wir es nicht erreichen. Es kann nämlich sein, dass uns dieses Ziel gar nicht entspricht. In solchen Situation entsteht sehr viel Stress: einmal durch den Moment in dem wir gestresst sind und ein zweites Mal dadurch, dass wir uns für den entstandenen Stress auch noch selbst verurteilen  oder Schuldgefühle haben. Eine solche Haltung zum Leben, zu uns selbst und unseren Kindern kostet sehr viel Kraft und hindert uns daran, in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren und neu mit uns selbst, so wie wir jetzt sind, zu beginnen.

Wir können uns hundertfach wünschen, dass wir als Eltern jederzeit wach, liebevoll, einfühlsam und innerlich klar sind und werden doch hundertfach feststellen, dass wir auch erschöpft, schlecht gelaunt und überfordert sind. Je freundlicher wir mit unserer Unvollkommenheit umgehen, desto klarer können wir sie wahrnehmen ohne uns zu verstricken und wie Kletten an unserem Ärger  festzuhängen. Eine Verstrickung der wir oft erliegen besteht zum Beispiel darin, dass wir den Ärger über eine Situation, die bereits vergangen ist, an anderen auslassen – auch an unseren Kindern. Auf diese Weise dreht sich das Rad des Ärgers weiter und weiter und zieht nicht nur uns sondern auch andere Menschen mit in den Ärger hinein.

Kleine Kinder sind uns in dieser Sache weit voraus. Nicht weil sie das gelernt haben, sondern weil sie noch offen sind, in jedem Moment wieder zur gegenwärtigen Situation und zur Beziehung zu den vertrauten Menschen zurückzukehren. Kinder brauchen keine Perfektion, sie brauchen keine Staubfreiheit in den Wohnzimmerecken, wohl aber unsere Bereitschaft, nach schwierigen Situationen immer wieder zu der ursprünglichen Liebe und Freundlichkeit zurückzukehren, die in uns ist und die wir im Zusammensein mit Kindern ausdrücken und ins Leben bringen können – wenn wir das wollen. Eltern zu werden ist eine große Herausforderung und zugleich verbunden mit der umfassenden Möglichkeit, Achtsamkeit, Mitgefühl und Freundlichkeit zum Ausdruck zu bringen und diese wirklich werden zu lassen – auch und besonders im Kontakt mit uns selbst. Die Art und Weise wie wir das in hundert kleinen Alltagssituationen tun, kann unsere Kinder, uns selbst und alle nachfolgenden Generationen zutiefst beeinflussen und verändern. (j.g.)

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