Blog, Kinder, Kinder....
Kommentare 2

Handtücher falten

Im Zusammensein mit kleinen Kindern erleben wir Erwachsene, dass Kinder lange Zeit nicht zwischen Arbeit und Spiel trennen. Kinder spielen, forschen und entdecken, sie sind tätig und bringen Dinge hervor und sie bewerten noch nicht was sie tun. Sie strengen sich an, sie ruhen aus. Es gibt eine Zeit, da lieben sie es, alles selbst zu machen und auszuprobieren, sie wollen das tun was die Erwachsenen machen, sie wollen helfen und freuen sich, wenn ihr Tun gelingt. Alles fliesst noch….

Unsere Erwachsenenwelt sieht meist ganz anders aus. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ – diese sechs Worte fassen den Lebensentwurf vieler Menschen zusammen, auch wenn er als Tretmühle, der sie entkommen wollen, empfunden wird. Und wir trennen nicht nur Arbeit von Freizeit, innerlich bewerten wir auch Arbeit mit der wir Geld verdienen ganz anders als Arbeit, die kein Geld einbringt, Hausarbeit zum Beispiel. Wir müssen uns ja gar nicht darüber wundern, dass die Phase des Mithelfens und freudigen Tuns bei den Kindern vergeht, wenn wir einmal darauf achten, wie wir selbst zu diesen Arbeiten stehen, die jeden Tag getan werden wollen. Natürlich vergeht den Kindern die Freude an solchen Tätigkeiten, wenn wir ihnen ununterbrochen signalisieren, dass diese Arbeiten lästig sind und dass man sich oder andere dazu zwingen muss, sie zu tun – bevor dann das eigentliche Leben stattfinden kann.

Der buddhistische Achtsamkeitslehrer Thich Nhat Hanh schreibt in seinem Buch „Achtsam arbeiten – achtsam leben“ darüber, wie alles was wir tun miteinander in Verbindung steht. Sein Beruf sei Dichter, und er pflanze auch Salat. Einmal habe ein Mann zu ihm gesagt, er solle das Salat pflanzen doch anderen überlassen um mehr Zeit fürs Schreiben zu haben. Salat pflanzen – das könne doch schließlich jeder, dichten nur wenige. Thich Nhat Hanh aber sagt, dass ihm Salat pflanzen beim dichten helfe und dass die Art und Weise, wie er mit dem Salat umgehe auch seine Gedichte beeinflusst.

Wenn es uns im Alltag immer mal wieder gelingt uns daran zu erinnern, dass sich alles gegenseitig beeinflusst, kommen wir auch zurück in einen Fluss aus „tätig sein“, Schritt für Schritt, von Augenblick zu Augenblick. Dies bringt auch mehr Ruhe, Bewusstheit und Freundlichkeit in unser Leben. Die Art und Weise, wie wir beispielsweise ein Handtuch zusammenlegen beeinflusst die Art und Weise, wie wir mit unserem Kind sprechen, eine email schreiben oder ein Telefonat führen. Wir Erwachsene sind es auch, die den Kindern durch die Art und Weise wie wir ein Handtuch zusammenlegen zeigen, wie wir selbst unser Tun bewerten und welchen Wert dieses Handtuch für uns hat.

Ganz bewusst ein Handtuch zu falten ist auch eine gute Übung, um uns selbst zu erforschen. Wie oft kommt dabei der Gedanke auf, dass eigentlich andere diese Arbeit tun sollten und wie beeinflusst dieser Gedanke unsere Gefühle und unsere innere Verfassung? Und wie anders wäre unsere innere Verfassung, wenn „ein Handtuch falten“ von der Mehrzahl der Menschen (und von uns selbst!) als wertvolle Arbeit angesehen wäre oder wenn wir einfach bei dem wären was im Moment ist, ohne zu vergleichen? Und warum eigentlich schneiden wir uns so oft von der inneren Freude ab, die in einfachen Tätigkeiten liegt?

Vielleicht ist es dann auch möglich uns mit dem Gedanken zu verbinden, dass viele Menschen daran teil hatten, dieses Handtuch herzustellen, damit wir unser Kind, uns selbst oder unser Geschirr abtrocknen können. Und vielleicht ist es vorstellbar, dass die Art wie wir ein Handtuch falten nicht nur unsere eigene innere Verfassung beeinflusst, nicht nur das nächste Gespräch sondern auf eine Weise auch die Arbeiterin, die irgendwo auf dieser Welt die Baumwolle geerntet hat, aus der das Handtuch gemacht wurde.

Es braucht nicht so viele Worte, keine Regeln und keine Programme für unsere Kinder, wenn wir selbst in kleinen Dingen auf bewusste Weise tätig werden – Schritt für Schritt, von Augenblick zu Augenblick.
(j.g.)

2 Kommentare

  1. Fraupiepsegal sagt

    Hallo!
    Wie war. Das erinnert mich daran, wie mein Mann und ich am Samstag Fenster putzten und der Große rief: Mama, Papa ich will mit spielen ;).
    Lg

    • Julia Grösch sagt

      ach das passt ja wirklich schön! Danke für die kleine Anmerkung, ich musste sehr darüber schmunzeln :-) Ich hoffe ihr hattet ein schönes Putzspiel!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.