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In Bewegung sein

Zu den schönsten Momente im Leben mit kleinen Kinder gehören sicher die, in dem sie Laufen lernen. In diesen Zeiten machen nicht nur die Kinder ihre ersten Schritte, wir haben auch kleine Lehrmeister vor uns, von denen wir uns einiges über „Schritte machen“ abschauen können. Laufen zu lernen ist bei Kindern, wenn es im eigenen Tempo und aus eigener Kraft geschieht,  ein ganz fließender Prozess. Sie machen ein paar Schritte, sie fallen, sie stehen wieder auf, sie kehren zum Laufen zurück. Ein innerer Plan, ein Wunsch, ein Antrieb bringt sie dazu, sich immer und immer wieder aufzurichten und die nächsten Schritte zu unternehmen. Es gibt bei ihnen – soweit ich das beobachten kann – kein Urteil über Scheitern und Vorwärtskommen. Es gibt keine inneren Dramen (andere sind schuld daran, dass ich gefallen bin/ ich bin schon so oft gefallen und werde es nie schaffen / ich muss es schaffen um gut genug zu sein), kein Festhalten und keinen Stillstand. Alles fließt.

Und ja, es gibt Schmerz, denn hinzufallen tut manchmal einfach weh. Und doch: auch dieser Schmerz scheint wie im Fluss auch wieder zu vergehen – es gibt ja noch keine Angst davor, dass der Schmerz jetzt immer bleibt, keine Sorge darüber wie man weiter laufen soll mit einem schmerzenden Po, es gibt nur diesen Moment und den nächsten Moment und der ist wieder neu. Und von Moment zu Moment geht Schmerz vorbei, von Moment zu Moment kehren die Kinder wieder dahin zurück, aufzustehen, zu laufen, umzufallen und wieder aufzustehen.

Für Eltern ist es oft nicht leicht, diesen Prozess zu beobachten und ihm zu vertrauen. Wir nämlich sind ja von all den Geschichten und einschränkenden Erfahrungen über „Laufen und Fallen“ geprägt, von denen kleine Kinder noch ganz unberührt sind. Und doch können wir als Eltern lernen, bewusster mit unseren eigenen Erfahrungen und Gedanken umzugehen und dabei wahrzunehmen, dass die Erfahrungen der Kindern vielleicht andere sind als die, die wir in unserem Leben gemacht haben.

Was mich im Moment aber besonders fasziniert ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder immer wieder dahin zurückkehren oder von einer inneren Kraft dahin gelenkt werden, Laufen zu lernen. Es erinnert mich an Momente, in denen ich selbst zurückgekehrt bin: in der  Meditation, wenn ich die abschweifenden Gedanken und Ablenkungen aller Art wahrnehme und zur Konzentration auf den Atem zurückzukehre. Es erinnert mich an die Frage, unter welchen Bedingungen ich selbst bereit bin, an einer Aufgabe dranzubleiben oder zu ihr zurückzukehren. Und es erinnert mich daran wie es im Leben mit Kindern, meinem Partner und Freunden ist, über Gedanken, Zweifel, Stress und Ärger immer wieder auf den Weg des Kontakts zurückzukehren.

Diese kleine bewusste Bewegung, zurück zum Atem, zu einer Aufgabe, zum Herzenskontakt, zu Vertauen und Mitgefühl, ist, das lerne ich gerade, eine ganz entscheidende Bewegung. Was für kleine Kinder aus einem tiefen inneren Antrieb wie von selbst geschieht muss von uns, die wir dem Kindsein entwachsen sind, bewusst unternommen werden. Wenn wir uns aber  immer öfter an diese Bewegung erinnern liegt in ihr eine große Kraft: sie lenkt uns zurück zu diesem Fluss der Lebendigkeit, mit dem Kinder noch ganz urspünglich verbunden sind.  Es ist eine kleine innere Bewegung, die uns auch als Erwachsener in den gegenwärtigen Augenblich zurückkehren lässt und uns die große Möglichkeit eröffnet, weiter zu wachsen, zu lernen, zu spüren und immer wieder Schritte ins Leben hinein zu unternehmen. Und dabei vielleicht auch zu erkennen: In manchem sind die Kleinen den Großen doch immer wieder weit voraus… (j.g.)

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