Erfahrungen

Innere Weite

Immer wieder im Leben machen wir Menschen schwierige oder schmerzliche Erfahrungen, immer wieder wissen wir nicht, warum diese Situation jetzt da ist oder warum wir schon wieder in dieser Situation gelandet sind, obwohl wir es doch eigentlich besser…

Wir fühlen nur die Schwierigkeiten und den Schmerz und verstehen nicht, was eigentlich passiert. Erst im Laufe des Lebens oder im Rückblick sehen wir manchmal ein, dass uns schmerzliche Erfahrungen oft zu einem tieferen Verständnis geführt haben, zu einer Veränderung. Es ist wohl so, dass uns jede schmerzliche Situation innerlich weiten und uns helfen kann, Mitgefühl, innere Klarheit und Freundlichkeit mit uns selbst und anderen zu entwickeln – wenn wir gelernt haben, sie in den Raum von achtsamem Gewahrsein zu stellen.

Manchmal ist es schwer, über den eigenen Schmerz hinauszuschauen und zu erkennen, dass alle Menschen verwundbar sind und dass es im Leben mehr gibt als die eigene schmerzliche Erfahrung. Manchmal sind wir so sehr mit uns selbst beschäftigt, wie Raupen zurückgezogen im eigenen Kokon.

Leiden, so sagt man, ist wie ein Teelöffel Salz. Fällt er in ein Glas Wasser, wird das Wasser ungenießbar oder schädlich. Fällt er ins Meer, wird es einfach aufgenommen, löst sich auf und geht in die Weiten der Ozeane ein. Das Meer bleibt davon völlig unberührt.

Die Praxis der Achtsamkeit unterstützt uns immer wieder darin, dieses weite Gewahrsein aufzubauen, in dem leidvolle Erfahrungen aufgehoben sind und sich wandeln. Wenn in einer Familie, einer Schule oder einem Unternehmen nur ein Mensch diese Erfahrung gemacht hat und Zugang zu Achtsamkeit und mitfühlender Präsenz hat, wirkt sich dies auch auf alle anderen aus. Eine Garantie gibt es dafür nicht, keine Gebrauchsanweisung und wir wissen auch nicht, wie es „funktioniert“. Es gibt nur die eigene Erfahrung, die sich ausweiten und zu einer gemeinsamen Erfahrung werden kann…