Achtsamkeit im Alltag, Achtsamkeit mit Kindern, Texte und Inspirationen
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Jugendliche

Immer wieder im Leben machen Menschen schwierige oder schmerzliche Erfahrungen, immer wieder wissen wir nicht, warum diese Situation jetzt da ist. Wir fühlen nur die Schwierigkeiten und den Schmerz und verstehen nicht, was eigentlich passiert. Erst im Laufe des Lebens oder im Rückblick sehen wir manchmal ein, dass uns schmerzliche Erfahrungen zu einem tieferen Verständnis geführt haben. Es ist wohl so, dass uns jede schmerzliche Situation innerlich weiten  und uns helfen kann, Mitgefühl, innere Klarheit und Freundlichkeit mit uns selbst und anderen zu entwickeln – wenn wir gelernt haben, sie in den Raum von achtsamem Gewahrsein zu stellen.

Im Zusammenleben mit Jugendlichen und jungen Menschen beobachte ich gerade, wie schwer es in diesem Alter sein kann, über den eigenen Schmerz hinauszuschauen und zu erkennen, dass alle Menschen verwundbar sind und dass es im Leben mehr gibt als die eigene schmerzliche Erfahrung. In diesem Alter sind sie noch so sehr mit sich selbst beschäftigt, manchmal wie  Raupen zurückgezogen in ihrem Kokon,  manchmal wie in einer Austernschale, die sich blitzschnell verschließen kann. Wie wichtig ist es doch für Jugendliche, wenn sie in dieser Phase immer mal wieder erfahren dass es sich lohnt, die Schale etwas zu öffnen und sich trotz aller Schwierigkeiten interessiert und fragend dem Leben zuzuwenden. Erzwingen können wir das als Eltern oder Lehrer allerdings nicht.

Wenn wir als Erwachsene allerdings den weiten Raum von achtsamem Gewahrsein kennen, in dem unsere eigenen schmerzlichen Erfahrungen aufgehoben sind, teilt sich das auch jungen Menschen mit. Es entsteht eine bestimmte Qualität, weil wir als Erwachsene weniger urteilen, den inneren Raum öffnen und einfach da sein können. Leiden, so sagt man, ist wie ein Teelöffel Salz. Fällt er in ein Glas Wasser, wird das Wasser ungenießbar oder schädlich. Fällt er ins Meer, wird es einfach aufgenommen, löst sich auf und geht in die Weiten der Ozeane ein. Das Meer bleibt davon völlig unberührt.

Die Praxis der Achtsamkeit unterstützt uns immer wieder darin, dieses weite Gewahrsein aufzubauen, in dem leidvolle Erfahrungen aufgehoben sind und sich wandeln. Wenn in einer Familie, einer Schule oder einem Unternehmen nur ein Mensch diese Erfahrung gemacht hat und Zugang zu Achtsamkeit und mitfühlender Präsenz hat, wirkt sich dies auch auf alle anderen aus. Eine Garantie gibt es dafür nicht, keine Gebrauchsanweisung und wir wissen auch nicht, wie es „funktioniert“. Es gibt nur die eigene Erfahrung, die sich ausweiten und zu einer gemeinsamen Erfahrung werden kann…

Bild: Pixabay/ Free-Photos

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentare

  1. wortsonate sagt

    Ob sich diese Erfahrung im Moment wandelt, da bin ich mir nicht so sicher.

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