Achtsamkeit im Alltag
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Licht und Frieden

Es gibt Zeiten, in denen scheint alles still zu stehen.
Und es gibt Zeiten in denen scheint es, als würden sich Dinge zurück entwickeln. In denen Dinge von denen wir glaubten, sie wären erreicht, wir würden sie besitzen, wir könnten sie schon sicher haben, plötzlich wieder wie verschwunden sind.

Dieses Stagnieren oder sogar Zurückfallen in Zustände von denen wir glaubten, sie bereits überwunden zu haben, habe ich im Zusammensein mit kleinen Kindern oft beobachtet. Es gibt einen Fortschritt, ein paar erste Schritte zum Beispiel, und von einem zum nächsten Tag scheint plötzlich jedes Gehen in Vergessenheit geraten zu sein und es ist als hätte es „erste Schritte“ überhaupt nicht gegeben. Für Eltern, die Fortschritte erhoffen, die sich schon gefreut haben, die schon geglaubt haben „jetzt ist es geschafft“, ist das oft eine Zeit von Sorgen und Verunsicherung. Wir sind so gewöhnt an die Vorstellung, dass es voran geht, dass Wachstum stetig und gerade nach oben geht, und wir sind so zutiefst verunsichert und beängstigt wenn wir bemerken, dass das, was wir als sicher angenommen haben, plötzlich verloren scheint. Und oft schauen wir gebannt auf das was fehlt und sehen nicht, was zu gleicher Zeit an anderer Stelle bereits neu entsteht.

Es scheint ein wenig paradox, aber wenn wir uns darin üben, im gegenwärtigen Augenblick wirklich präsent zu sein, wenn wir wahrnehmen ohne Urteile zu fällen, wenn wir also Achtsamkeit kultivieren, wird unser Blick weiter. Wir sehen dann nicht nur das was fehlt, wir sehen nicht nur die Lücken, sondern auch das, was die Lücken umschließt. Es gibt Einatmen, es gibt Ausatmen – und es gibt die Momente dazwischen, in denen es scheint, als sei nichts. Es könnte aber sein, dass diese Lücke, dieses Fehlen von etwas, auf das hinweist was schon da ist. „Die Löcher sind die Hauptsache an einem Sieb“, sagt der Dichter Joachim Ringelnatz in einem meiner Lieblingsgedichte…

Wenn ich im Moment mit Menschen über das vergangene Jahr spreche, dann sind da viele die das Gefühl haben, dass sich das Rad gerade rückwärts dreht oder dass wir verlieren, was bereits sicher schien. Frieden, Demokratie, Offenheit, ökologisches Bewußtsein, Sicherheit, Verbundenheit, es ist als hätten sich gerade an jenen Stellen Lücken aufgetan, wo doch schon etwas existiert hat. Es ist als könnten Dinge, die sich schon gezeigt haben, verloren gehen.

Wenn ich auf die Kinder und ihre Entwicklung schaue und wenn ich durch den Wald gehe weiß ich, es geht nichts verloren.
Es gibt aber Zeiten, in denen sich Kräfte neu sammeln, in denen sich innerlich etwas wandelt, unbemerkt, unsichtbar.

Wir schauen nach Amerika, wir schauen in die Türkei, wir schauen nach Aleppo, nach Paris, Brüssel, Nizza und Berlin. Und wir verschließen die Augen nicht vor Zerstörung, Ungerechtigkeit, Wut und Verblendung.

Aber wir können lernen und kultivieren, tiefer und weiter zu schauen.

Zum Beispiel nach Israel. Dort haben im Oktober 2016 tausende Frauen für eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina demonstriert. Westliche Medien haben darüber nicht berichtet. Es ist aber nichts verloren – diesmal dank youtube ;-)

In diesem Sinn wünsche ich Euch ein friedliches und lichtvolles Jahr 2017.

Herzlichst
Julia

 

 

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