Kinder, Kinder...., Texte und Inspirationen
Kommentare 2

Lieblingsstücke

Es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu wenig zum Leben haben. Und es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu viel haben. Unser Gefühl zu wenig zu haben und mehr besitzen zu müssen, wird in unserer konsumorientieren Gesellschaft stetig wie ein großes Schwungrad am Laufen gehalten. Kaum ist ein Wunsch befriedigt, kommt ein neuer auf. Immer früher werden auch unsere Kinder wie durch einen unsichtbaren Sog in den Bann des „haben müssens“ hineingezogen.

Gegen diesen Sog zu schwimmen kostet immense Kraft. Wie können wir uns als Eltern gegen die Flut von Angeboten stellen, denen unsere Kinder tagtäglich ausgesetzt sind? Wir können und wollen nicht alles kaufen – aber es geht auch nicht darum, auf alles zu verzichten, sich nichts mehr zu gönnen und Kinder nicht mehr zu beschenken.

Das Stofftier, die Tasse, die Hose, der Lippenstift – es ist nicht nur so, dass wir all das billig kaufen können, die teuersten Dinge werden ja auch billig und wertlos, wenn sie beliebig werden. Diese Gier immer mehr haben zu wollen ist in Kindern aber nicht angelegt. Kleine Kinder wollen das eine Stofftier, das überall dabei ist, das eine T-Shirt, das sie Tag und Nacht anziehen könnten. Sie lieben es auch, bekannten Dingen wieder neu zu begegnen, an den Urlaubsort vom letzten Jahr zurück zu kehren, einen verstaubten Playmobilritter unter dem Bett herauszufischen oder jeden Morgen von genau dem Teller zu essen, der einen kleinen Sprung an der Ecke hat.  Wir Erwachsene sind es, die ihnen durch ein „immer mehr“ und „immer noch etwas“ das Lieblingsstück abgewöhnen und es zu einem beliebigen Teil unter vielen machen.

Wie so oft geht es auch in dieser Sache wieder um Freundlichkeit und Präsenz. Indem wir Erwachsenen wieder lernen, die Dinge die da sind so wert zu schätzen, dass uns ihr Dasein bewusst ist und freut, können auch unsere Kinder erfahren, wie man mit Dingen so lebt, dass sie unser Leben wirklich bereichern. Es geht darum die Schönheit und Dienlichkeit der Dinge, die bereits da sind, immer wieder neu wahrzunehmen, sie zu schätzen und ihnen so ihren Wert zu verleihen. Eine kleine Übung: Entscheide dich für eine Lieblingstasse. Sitze und nimm wahr, was diese Tasse für dich wertvoll macht. Woran erinnert sie dich? Woher kommt sie und wie hat sie den Weg zu dir gefunden? Welche Erinnerungen teilt ihr und wie dient sie dir in deinem Alltag? Es ist nicht übertrieben einmal „danke Tasse!“ zu sagen!  (j.g.)

 

2 Kommentare

  1. iris sagt

    Wir sollten uns auf die Dinge im Leben konzentrieren, die wirklich erfüllend sind.
    Wenn Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Wohnen erfüllt und Bedürfnisse nach ein wenig Luxus gestillt sind, was braucht man dann noch??
    Dann müsste man doch eigentlich zufrieden sein, oder?
    Doch dann kommt der Vergleich. Wer hat was?? Was kann sich sich wer, wie leisten! Und desto mehr ich mir leisten kann, desto toller bin ich?? So als ob der eigene menschliche Wert von Konsumgütern abhängt.
    Und die Frage bleibt: Was ist wirklich erfüllend im Leben?? Und auch die Frage: Bin ich und der einzelne Mensch nicht mehr wert, als irgendein Besitztum?? Die Dinge verlieren dabei tatsächlich auch ihren eigentlichen Nutzen.
    So, das waren spontan meine Gedanken dazu.

    • Julia Grösch sagt

      Danke für deine Gedanken Iris. Ich sehe das wie du. Was muss passieren, damit wir zufriedener sind…!?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.