Kinder, Kinder....
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Sich auf Freundlichkeit einstimmen

In der Begegnung mit kleinen Kindern habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie doch viele, viele Jahre lang offen und bereit sind, auf Erwachsene einzugehen, wenn wir ihnen mit Freundlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude begegnen, denn mit diesen Qualitäten sind Kinder ursprünglich verbunden.
Wenn wir Kindern auf dieser Ebene begegnen, entsteht Resonanz.
Freundlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude werden dann auf beiden Seiten gestärkt und können wachsen.

Im Laufe ihres Lebens erfahren Kinder aber, dass Erwachsene oft nicht mit diesen Qualitäten verbunden sind und dass dann auch keine Resonanz entsteht. Ich beobachte bei kleinen Kindern manchmal so etwas wie ein fassungsloses Staunen darüber, dass beispielsweise auf ihre ursprüngliche Freundlichkeit nicht immer mit ursprünglicher Freundlichkeit geantwortet wird. Bevor Abwehrreaktionen und Schutzmechanismen entstehen ist es eine Zeit lang so, als könnten sie einfach nicht glauben, dass Freundlichkeit nicht immer da ist.

Auf die ein oder andere Weise sind in unserer Kultur wohl die meisten Menschen durch diesen Prozess gegangen. Es ist ein Glück, wenn wir in unserer Kindheit einen Menschen in der Nähe hatten, der auf unsere ursprünglichen Qualitäten antworten konnte, weil er noch mit ihnen verbunden war. Erwachsene fürchten oft, die Kontrolle über Kinder zu verlieren, wenn sie sich auf Freunde, Leichtigkeit und Spielfreude einlassen. Es ist nicht leicht, auf diese Qualitäten zu vertrauen, wenn Kontrolle das ist, was uns zutiefst vertraut ist.

Was wir Erwachsenen dann benötigen, ist eine neue Erfahrung. Wir können einfach einmal einen Tag lang bewusst grundlegende Freundlichkeit wahrnehmen, im Kontakt mit anderen Menschen, in der Natur, mit uns selbst. Und dabei weniger erwarten, zum Beispiel von einer bestimmten Person in einer bestimmten Situation freundlich behandelt zu werden, als einfach offen zu sein für die Freundlichkeit, die uns unerwarteter Weise begegnet und die wir bewusst in uns aufnehmen können.

Ebenso können wir Freundlichkeit in die Welt bringen. Auch hier können wir offen sein und beobachten, in welchen Situationen und mit wem das leicht fällt. Es gibt Tage, da fällt uns Freundlichkeit ausschließlich mit der Kaffeetasse und der Kühlschranktüre leicht. Auch das ist dann völlig ausreichend und in diesem Augenblick in Ordnung. Denn, dass wir sie verbreiten können, auf Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge und alle Wesen – und dass Freundlichkeit dann weit werden kann, sich vermehrt und dann auch trägt – diese Erfahrung darf auch im ganz Kleinen beginnen.

Eine Übung kann auch einmal darin bestehen wahrzunehmen, in welchen Situationen wir eigentlich Freundlichkeit zeigen, obwohl uns innerlich gar nicht nach Freundlichkeit ist.

Ohne weiteres können wir auch einmal einen Tag unter das Motto „Leichtigkeit“ stellen und beispielsweise nur das tun, was uns leicht fällt. Welche Gedanken und Gefühle sind da, wenn du dir vorstellst, einen Tag lang nur das zu tun, was dir leicht fällt? Schau einmal, wie das dann ist und ob die Welt am Ende dieses Tages noch besteht… ( also ich hatte befürchtet, dass sie still steht oder sich in ihre Bestandteile auflöst, was aber dann doch nicht passiert ist!)

Und wie wäre es, wenn an einem anderen Tag „Spielfreude“ unser Motto wäre? Wenn wir uns von allen gängigen Vorstellungen von Spiel als „Kampf um Sieg oder Niederlage“ trennen würden um zu spielen und mit uns spielen zu lassen.

Wenn wir uns von diesen Qualitäten leiten lassen, finden wir in Kindern wunderbare Begleiter. Es ist leicht, solche Übungen in der Familie oder mit einer Kindergruppe zu machen, solange kein Zwang entsteht und sich jeder frei entscheiden kann. Und auch wenn nicht alle aktiv dabei sind, ändert sich doch etwas für alle, wenn einer beginnt. Auch müssen wir die Sache gar nicht an die große Glocke hängen, wir können einfach anfangen, ganz im Geheimen, nur mit uns selbst – und der Kaffeetasse. (j.g.)

 

3 Kommentare

  1. Christiane sagt

    Liebe Julia,
    Das ist so ein wunderbarer Impuls. Ich danke Dir sehr!
    Viele Grüße
    Christiane

  2. Von Kindern kann man eigentlich viel lernen so gesehen! Ich versuche anderen fast immer freundlich und höflich gegenüber zu treten, doch hier in der Stadt ist das fast nicht mehr üblich! Man merkt es auch beim SMS schreiben oder Nachrichten! Viele schreiben nicht mal mehr ein liebe Grüße oder sonstiges, das finde ich eigentlich auch schade … ist es so viel Aufwand zu grüßen ! Aber ich sollte mich darüber nicht ärgern sondern es einfach akzeptieren

    schönen Abend :)
    Lg babsi

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