Alle Artikel mit dem Schlagwort: Natur

Graue Tage

Ein Tag an der dänischen Ostseeküste. Es regnet nicht, aber trocken ist es auch nicht. Nieselregen, feuchte Luft. Das Meer ist grau, der Himmel ist grau, mehr Grau geht nicht. Und doch… unfassbar viele Schattierungen, Abstufungen, lichte und dunkle Stellen zwischen Weiß und Schwarz. Schönheit, Eleganz und Sanftheit liegen auch darin. Und dann diese Stille… Urplötzlich die Hagebutten – knallen ihr Rot in die Welt. Kraftstrotzend, glänzend, berstend vor Saft. Was wären sie ohne das Grau? Text: j.g. Foto: f.e.      

Staunen

Achtsamkeit wird beschrieben als offenes Gewahrsein für den Augenblick. Wir öffnen unsere Wahrnehmung für alles, was uns begegnet: für Gedanken, Gefühle, Sinneseindrücke und körperliche Empfindungen. Wir sind bei unserer Wahrnehmungen, ohne uns ein Urteil zu bilden. Diese Haltung hat sehr viel mit der inneren Bereitschaft zu tun, uns auf  Nicht-Wissen einzulassen und zu staunen. Zu staunen über die Schönheit und das Wunder des Lebens, das wir im Trubel des Alltags so schnell übergehen. Zu staunen aber auch über die alltäglichen Zumutungen und Unebenheiten, die das Leben bereit hält. Jetzt im Herbst morgens über eine feuchte Wiese zu gehen, das Glitzern der Tautropfen im Sonnenlicht zu sehen, die feinen Spinnweben, die kunstvoll zwischen Grashalmen gespannt vor mir liegen – da fällt das Staunen leicht. Es fiele mir nicht ein ergründen zu wollen, wie das alles gemacht oder entstanden ist und es fiele mir auch nicht ein, die Spinne dafür zu kritisieren, wie sie ihr Netz gewebt hat oder ihr zu sagen, was sie besser machen kann. Auf der herbstlich gefärbten Wiese im Morgenlicht kann ich da …

Ajahn Brahm: Idioten im Garten

„In Australien gehört ein Garten fast zu jeden Haus, doch nur wenige Menschen kommen in ihrem Garten wirklich zur Ruhe. Für die meisten ist er schlichtweg ein zusätzlicher Arbeitsplatz. Deshalb rate ich denjenigen, das Grün um ihr Haus eine gewisse Zeit lang zu hegen und zu pflegen und danach das Gleiche für ihr Herz zu tun. Dafür setzt man sich einfach ruhig in den Garten und erfreut sich an den Gaben der Natur.

Schlichtes Tun

Im Sinne der Achtsamkeit ist es wohl nicht besonders hilfreich, vergangene Zeiten zu idealisieren oder zu glauben, dass früher alles besser war. Und doch spüre ich immer mal wieder so ein kleines Seufzen in mir und eine kleine romantische Sehnsucht nach dem „einfachen Landleben“. Ich stelle mir dann gerne vor wie es wohl wäre, die eigenen Kartoffeln zu ernten, Tiere zu versorgen und in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen auf einem Hof zu leben. Ich hätte dann unbedingt auch einen großen Sonnenhut, eine Bank in der Sonne mit Blick auf den Gemüsegarten und sonntags gäbe es immer frischen Apfelkuchen. Die Realität eines solchen Lebens blende ich dann natürlich gerne aus – und auch die Frage, wie es wirklich wäre, als „Selbstversorger“ zu leben oder wer wohl sonntags früh aufstehen würde, um für alle Kuchen zu backen. Wenn ich in dieser Sache tiefer schaue gibt es zum einen den Wunsch, mehr mit der Natur verbunden zu sein und mehr im Rhythmus der Natur leben zu können. Zum anderen stelle ich mir vor, dass so ein mit …

Von einer Wiese aus

Hinter dem Haus, am Rande der Siedlung in der ich lebe, liegt zwischen Häusern, Bahnlinie und Autobahn, eine Wiese. Jahr für Jahr ist sie mir vertrauter geworden, aber erst vor einigen Tagen habe ich verstanden, dass diese Wiese unbeeindruckt vom Lärm um sie herum, eine vollkommene Stille bewahrt. Inmitten wechselnder Geräusche von Güterzügen, Flugzeugen und LKWs, bewachsen von einer für mich unüberschaubaren Vielfalt von Gräsern, Kräutchen und Blumen, bewohnt von unzähligen Kaninchen- und Krähenstämmen, ruht diese Wiese zu jeder Jahreszeit, bei Regen, Schnee und Sonnenschein, in ihrer umfassenden Vollkommenheit. Was wäre, das frage ich mich, wenn ich mein Leben von einem solchen Ort der ruhenden Vollkommenheit aus leben könnte? Was, wenn ich von einem solchen Ort ausgehen würde? Was, wenn ich von dort aus alles um mich tastend, lauschend und schauend erforschen könnte, ohne gedrängt oder gehetzt zu sein? Was, wenn die Angst, die Angst, diese Angst also, wenn die Angst so wie ein welkes Blatt, Hundekot und Krähenfedern auf den Boden und zu Staub zerfiele, wenn sie wie alles Fallende so bereitwillig angenommen und …

Gelesenes: Achtsamkeit im Garten

Gärtnern als Achtsamkeitspraxis, säen, gießen, pflanzen und Unkraut jätet als spirituelle Übung in einem Buch, in das ich zu jeder Jahreszeit eintauchen kann und erfrischt und bereichert wieder auftauche. Die Autorin ist Landschaftsgärtnerin und Mitglied der Intersein-Ordens von Thich Nhat Hanh und sie bringt die Arbeit im Garten und die innere Arbeit der Achtsamkeit auf ganz wunderbare Weise mit einander in Verbindung. Jedes Thema leitet sie mit einem Gatha ein, einem Vers, der uns in der Praxis unterstützen soll. Da heißt es zum Beispiel: „Beim eingehenden Betrachten eines Baumes spüre ich seine Präsenz. In seiner Stille finde ich mein wahres Sein.“ Um aus dem Reichtum dieses Buches zu schöpfen muss man übrigens keinen großen Garten besitzen, es reichen auch Blumentöpfe auf der Fensterbank…. Murray, Zachiah: Achtsamkeit im Garten Mit der Natur wahres Glück erleben. nymphenburger 2014 128 S., 7,99 EUR