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Vom Sachen finden

Letze Woche hatte ich das Glück, mit einer Sachenfinderin im Park unterwegs zu sein. Meine Lehrerin im „Sachen finden“ war vier Jahre alt. Aber das Alter tut eigentlich nichts zur Sache. Entscheidend ist, dass ich an diesem Tag eine kleine Lehrstunde im Nicht-Suchen und Doch-Finden bekommen habe. Innerhalb kürzester Zeit haben wir gefunden: eine winzige hellblaue Perle, eine Zigarettenschachtel mit dem Foto eines Menschen im Krankenbett (!), Haselnüsse mit und ohne Puschel, eine weiße Feder, Steine mit Gesichtern, die erste Kastanie, winzige Tannenzapfen, Holzstückchen mit Löchern und Holzstücken mit feinen blauen Farbresten. Alle diese wunderbaren Schätze haben wir nicht gesucht, sie sind uns begegnet. Für eine kurze Zeit waren wir Sachenfinder. Das Erstaunliche ist: in einem Modus von ziellosem herumstreunen, von hierhin und dorthin gehen, haben wir gefunden, ohne zu suchen. Wir waren einfach offen für das, was uns begegnet. Eigentlich haben wir gar nicht nach Sachen gesucht, vielmehr wurden wir von den Sachen gefunden. In einem solchen Zusammenspiel aus Präsenz, offener Wahrnehmung, Neugier, Ziellosigkeit und „einfach da sein und schauen“ kommen wir in Kontakt …

Mit Kindern innehalten

Im Alltag stehen Eltern oft unter zeitlichem Druck. Wir haben ein Ziel vor Augen, zum Beispiel das Kind anzuziehen weil wir noch einkaufen wollen. Es soll schnell gehen mit der Jacke, den Schuhen, der Mütze. Das Kind unterm Arm geht es zum Auto, das Kind will sich nicht anschnallen lassen und wehrt sich. Es gibt Geschrei und innere Aufruhr und unsere Gedanken und Bewegungen werden spitz und sind manchmal nicht mehr gewaltfrei. Und weil viele Eltern diese Erfahrungen machen scheint es, als würden solche Situationen unweigerlich zum Leben mit Kindern dazu gehören. Wir kennen es ja nicht anders. Wir glauben, dass wir Zeit gewinnen wenn wir schneller werden und Druck ausüben.

Weniger urteilen

Im Leben mit Kindern sind wir Eltern oft sehr gefordert, schnell zu urteilen und spontan zu handeln. Wenn ein kleines Kind auf eine Treppe oder auf die befahrene Straße zuläuft, bleibt wenig Zeit für achtsame Wahrnehmung. Vielmehr ist es wichtig, dass wir Gefahren schnell erkennen und reagieren. In vielen anderen Situationen aber ist unser Drang nach schnellen Urteilen wenig hilfreich – er ist sogar schädlich, verschießt Möglichkeiten und verhindert den Blick aufs Ganze – auf unser Kind, eine Situation, andere Menschen, uns selbst.  Achtsamkeit erzählt von einem weiten Feld, in dem wir mit unseren Kindern sein dürfen, ohne bewertet und verurteilt zu werden, ohne uns selbst zu bewerten oder zu verurteilen und ohne unsere Kinder zu bewerten oder zu verurteilen. Dies ist, als würde man die Welt so wie sie im Moment ist, auf den Kopf stellen.