Alle Artikel mit dem Schlagwort: Präsenz

Jon Kabat Zinn: Präsenz

„Präsent sein ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es ist vielleicht die schwerste Arbeit der Welt. Ach, vergessen Sie ruhig das „vielleicht“. Es ist die schwerste Arbeit der Welt – zumindest das Aufrechterhalten der Präsenz. Und die wichtigste Arbeit. Wenn sie zur Präsenz gelangen – und gesunde Kinder leben die meiste Zeit in der Landschaft der Präsenz – dann wissen Sie es augenblicklich, dann fühlen Sie sich sofort zu Hause. Und da sie zu Hause sind, können Sie sich entspannen, können Sie loslassen, können Sie in Ihrem Sein ruhen, in Gewahrsein, in der Präsenz selbst, in Ihrer eigenen guten Gesellschaft.“ Jon Kabat Zinn „Zur Besinnung kommen“ Foto: Pixabay/Zichrini

Norman Fischer: Frustration

Zu versuchen, nicht frustriert zu sein, wenn man es ist, erzeugt noch zusätzliche Frustration. Warum sie sich also nicht aus aller Nähe ansehen? Wenn du das machst wirst du feststellen, dass das Erste was du tust, wenn die Frustration aufsteigt, darin besteht, dass du nach jemandem oder etwas suchst, dem du die Schuld dafür geben kannst – sogar wenn du selbst das bist. Aber sobald du das tust, vermehrst du sie in Wirklichkeit, weil du dein tatsächliches Gefühl der Frustration übergehst – in dem in der Tat vergeblichen Versuch, es zu meiden -, indem du deine Energie auf das Objekt deiner Schuldzuweisung fokussiert. Das Ausmaß der Frustration ist aber immer zu groß, um diese zu übergehen. Man fällt nur immer wieder in sie zurück. (…) Wie fühlt sich Frustration an? Atmest du angespannt? Verspannen sich deine Schultern oder wird dein Gesicht rot und heiß? Beißt du die Zähne auf einander? Wie steht es mit deinen Fäusten? Was für Gedanken schießen dir in den Kopf? Kommen Erinnerungen hoch? Bilder? Wie ist Frustration wirklich? Merkwürdigerweise wird dich …

Sich nicht einmischen

Schon lange begleitet mich ein Text der italienischen Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori über die Kunst, sich nicht einzumischen. Sie beschreibt darin die beständigen Impulse der Erwachsenen, sich in das Tun von Kindern einzumischen mit dem Ziel, Dinge zu verbessern, dem Kind zu helfen oder es zu verändern. Und regt dazu an, immer dann wenn wir einen solchen Impuls spüren, eine Perlenkette zu nehmen und eine Perle zu schieben – bis wir zu einem Gefühl der Ruhe und Stille kommen, das uns innerlich verändert. Dieses einfach da sein ohne ein Ziel zu verfolgen ist nicht leicht. Im Zusammensein mit Kindern habe ich oft erlebt, dass sich Eltern und Pädagogen zwar äußerlich still verhalten und sich weniger einmischen – innerlich aber mit der Vorstellung verbunden sind, dass Kinder auf diese Weise eigenständig lernen und forschen, selbstständig werden oder „besser lernen“ – und gar nicht bemerken, dass sich die Katze gerade in den Schwanz beißt und sie sich von der Haltung  sich „nicht einzumischen“ weit entfernt haben. Andererseits darf dieses „sich nicht einmischen“ nichts damit verwechselt werden, …

Weniger urteilen

Im Leben mit Kindern sind wir Eltern oft sehr gefordert, schnell zu urteilen und spontan zu handeln. Wenn ein kleines Kind auf eine Treppe oder auf die befahrene Straße zuläuft, bleibt wenig Zeit für achtsame Wahrnehmung. Vielmehr ist es wichtig, dass wir Gefahren schnell erkennen und reagieren. In vielen anderen Situationen aber ist unser Drang nach schnellen Urteilen wenig hilfreich – er ist sogar schädlich, verschießt Möglichkeiten und verhindert den Blick aufs Ganze – auf unser Kind, eine Situation, andere Menschen, uns selbst.  Achtsamkeit erzählt von einem weiten Feld, in dem wir mit unseren Kindern sein dürfen, ohne bewertet und verurteilt zu werden, ohne uns selbst zu bewerten oder zu verurteilen und ohne unsere Kinder zu bewerten oder zu verurteilen. Dies ist, als würde man die Welt so wie sie im Moment ist, auf den Kopf stellen.

Praxis im Alltag

Der Schüler fragt seinen spirituellen Meister: „Meister, wie setzt Ihr Eure Erleuchtung in die Tat um? Wie praktiziert Ihr sie im Alltag?“ „Indem ich esse und indem ich schlafe“ antwortet der Meister… „Aber Meister, jeder isst und jeder schläft“. „Aber nicht jeder isst, wenn er isst, und nicht jeder schläft, wenn er schläft.“