Alle Artikel mit dem Schlagwort: Selbstfreundlichkeit

Erwartungen

Seit ein paar Tagen begegnen mir in verschiedenen Zusammenhängen „Erwartungen“. Erwartungen an Freunde und Kollegen, an Partner, Kinder – und ganz besonders die hohen Erwartungen, die Menschen oft an sich selbst stellen. Dass Erwartungen da sind gehört wohl zu unserem Menschsein dazu, wir können das nicht verhindern. Die Frage ist aber: bemerken wir diese Erwartungen eigentlich oder werden wir wie automatisch von ihnen gesteuert? Wie viele Menschen neige auch ich dazu, hohe Erwartungen an mich zu stellen – und zugleich Strategien zu entwickeln, wie ich mich diesen Erwartungen auch wieder entziehen kann. Zugleich habe ich – kein Wunder! – schnell das Gefühl, dass andere viel von mir erwarten und reagiere je nach Stimmung mit Rückzug oder rumrüffeln. In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass dieses Ping-Pong-Spiel ganz schön viele Energien bindet – die ich eigentlich gut gebrauchen könnte, um einfach in aller Ruhe meinen Weg zu gehen und das zu tun, was zu tun ansteht. Erwartungen haben mit diesem „tun, was zu tun ansteht“ und mit dem „da sein mit dem, was jetzt …

Enttäuschung

Da habe ich doch gerade auf facebook einen schönen Satz gepostet – und der geht so: „Schiffe sinken nicht, weil sie von Wasser umgeben sind. Schiffe sinken, wenn das Wasser in sie eindringt. Lass nicht zu dass das, was um dich ist, in dich eindringt und dich nach unten zieht.“ Und kaum habe ich diese schöne Weisheit in die Welt geschickt, da macht es einmal kurz „plopp“ – und schon bin ich in einer Situation, in der ich mir diesen Spruch selbst an den Spiegel kleben kann… Gleichzeitig war das Leben so nett, mir diese Weisheit zwei Tage vor der akuten Situation zu schicken, so dass ich mich nach zwanzig Minuten Wut und Ärger dann doch daran erinnert habe. Wie war das noch mit der achtsamen Selbstfreundlichkeit? „Es geht vorbei!“. „Schau einfach mal, wie du morgen darüber denkst…“, „Lass es ziehen…“, „Lass dir nicht bange machen!“, „Lass nicht zu, dass die Kleinlichkeit anderer Raum in deinem Haus bezieht.“. Da war ich doch so voller Freude und Euphorie – und dann kommt da eine Bekannte und …

Disziplin, die von innen kommt

Ich gebe es unumwunden zu: wenn mir jemand was von Disziplin erzählt und davon, dass man doch nur diszipliniert sein muss, um…. dann stellen sich in mir alle Stacheln auf. Ich gerate auf der Stelle und ohne zu zögern in eine Haltung von innerem Widerstand, schalte auf Abwehr und lasse mich so gut wie gar nicht mehr zu irgend etwas überreden oder drängen. Ist das gut oder schlecht? Man weiß es nicht… Einerseits steht mir mein Widerstand sicher an der ein oder anderen Stelle im Weg und behindert auch, dass ich mir mit Ordnung, weniger Internet oder mehr frischer Luft etwas Gutes tue. Andererseits führt er aber auch zu der Frage, was mich eigentlich selbst und von innen heraus dazu bewegt, etwas zu tun, Anstrengungen oder Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen und zu wachsen. Jetzt, zu Beginn des Jahres, tragen ja viele Menschen gute Vorsätze mit sich herum und wir glauben oft, mit etwas mehr Disziplin sei das schon zu schaffen, „mehr Sport“ oder „weniger essen“ oder „weniger „Smartphone“. Aber kaum sind ein paar Tage …

Gute Eltern

Als Eltern tragen wir alle in unserem Inneren ein Wissen darum, was es bedeutet, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein. Zugleich sind wir umgeben von äußeren Maßstäben – und fühlen uns oft schlecht oder unzureichend, weil wir diesen Maßstäben nicht entsprechen. Es gibt im Leben von Eltern Ungeduld, Ärger, Stress und Staubfocken in den Wohnzimmerecken. Auf dem achtsamen Weg Eltern zu sein und Kinder zu begleiten kann uns bewusst werden, wie schwierig und unpassend es ist, sich an äußeren Messlatten zu orientieren – und wie unkompliziert vieles wird, wenn wir einfach mit dem sind, was aus uns selbst heraus in diesem gegenwärtigen Augenblick möglich ist.

Eltern im Stress

Jedes Kind kennt den Ton der Feuerwehr, die in höchstem Tempo zu einem Einsatz durch die Straßen rast. Und auch wir wissen, wenn wir im Auto unterwegs sind, was zu tun ist: möglichst schnell zu Seite fahren und der Feuerwehr Platz machen, denn Rettungsfahrzeuge haben Vorfahrt und ihr Durchkommen hat allerhöchste Priorität. Sehr ähnliche Vorgänge finden, soweit wir dies heute wissenschaftlich erforschen können, in unserem Gehirn statt, wenn wir (Erwachsene oder Kinder) unter akuten Stress geraten. Ein kleiner Teil in unserem Gehirn, die Amygdala, dient sozusagen als Alarmglocke. Wenn sie anspringt, rasen die Feuerwehrautos durch unser System und reagieren,  als wäre unser Leben in Gefahr. Sie zwingen uns zu Schutzreaktionen, zu Angriff, Flucht oder dazu, in Deckung zu gehen. Mitgefühl, Freundlichkeit, erst einmal nachdenken bevor wir handeln, Kreativität, Lernen, Spielfreude oder die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, müssen zur Seite treten. Unser Leben zu schützen oder zu verteidigen ist wichtiger als alles, was uns in Verbindung bringt – darauf ist unser Gehirn seit Urzeiten trainiert.

Mary Oliver: Familie aller Dinge

Du brauchst nicht gut zu sein. Du brauchst nicht Hunderte von Meilen Reuevoll auf Knien durch die Wüste zu rutschen. Du brauchst bloß das kleine weiche Tier deines Körpers Lieben zu lassen, was es liebt…. Erzähl mir von Verzweiflung, deiner, und ich erzähle dir von meiner. Derweil nimmt die Welt ihren Lauf. Derweil bewegen sich die Sonne und die klaren Kiesel des Regens Durch die Landschaften, über Prärien, die tiefen Bäume, die Berge und Flüsse. Derweil ziehen die wilden Gänse hoch in der klaren, blauen Luft Wieder heimwärts. Wer immer du bist, gleich, wie verlassen, die Welt bietet sich deiner Phantasie dar, ruft dich wie die wilden Gänse, mit rauer, aufregender Stimme – immer wieder, und verkündet dir deinen Platz in der Familie aller Dinge. You do not have to be good. You do not have to walk on your knees For a hundred miles through the desert, repenting. You only have to let the soft animal of your body love what it loves. Tell me about your despair, yours, and I will tell you …