Alle Artikel mit dem Schlagwort: Übungen

Pema Chödrön: Passanten beobachten

„Es kann zu einer täglichen Übung werden, Passanten, an denen wir auf der Straße vorübergehen, in ihrem Menschsein wahrzunehmen. Wenn ich das tue, gewinnen Unbekannte für mich ein Gesicht. Sie rücken in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit und werden zu lebendigen Wesen, die an Freuden und Leiden teilhaben, so wie ich auch, zu Menschen, die Eltern, Nachbarn, Freunde und Feinde haben so wie ich. Auch meine Ängste und vorgefassten Meinungen, die über diese Unbekannten wie aus dem Nichts auftauchen, werden mir allmählich bewusster. Ich begreife, dass ich und diese Menschen dasselbe sind, und ich begreife auch, was dieses Verständnis trübt und dazu führt, dass ich mich von ihnen getrennt fühle. Dadurch, dass uns diese Übung unsere Kraft wie auch unsere Verwirrung stärker vor Augen führt, deckt sie die natürliche Wärme auf und bringt uns der Welt um uns herum näher.“ Text: Pema Chödrön, Den Sprung wagen. Wie wir uns von destruktiven Gewohnheiten und Ängsten befreien. Goldmann Verlag

Vom Anfangen und Aufhören

In meinem Blogbeitrag  „Der Erschöpfung begegnen“ habe ich darüber geschrieben, wie wohltuend es sein kann, immer mal wieder aus dem Modus von „planen und machen“ auszusteigen und sich statt dessen von innen heraus leiten zu lassen  – und das zu tun, was zu tun ansteht, Schritt für Schritt und im eigenen Tempo. Heute lade ich Euch ein, einmal einen Tag lang ganz bewusst mit Tätigkeiten anzufangen –  und sie dann auch ganz bewusst wieder abzuschließen. Wie fühlt es sich an, anzufangen? Welche Gedanken und Impulse sind da, bevor ich anfange? Welche inneren Stimmen höre ich dabei? Wie fühle ich mich, wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe? Welche Gedanken und inneren Stimmen sind dann da?

Eltern im Stress

Jedes Kind kennt den Ton der Feuerwehr, die in höchstem Tempo zu einem Einsatz durch die Straßen rast. Und auch wir wissen, wenn wir im Auto unterwegs sind, was zu tun ist: möglichst schnell zu Seite fahren und der Feuerwehr Platz machen, denn Rettungsfahrzeuge haben Vorfahrt und ihr Durchkommen hat allerhöchste Priorität. Sehr ähnliche Vorgänge finden, soweit wir dies heute wissenschaftlich erforschen können, in unserem Gehirn statt, wenn wir (Erwachsene oder Kinder) unter akuten Stress geraten. Ein kleiner Teil in unserem Gehirn, die Amygdala, dient sozusagen als Alarmglocke. Wenn sie anspringt, rasen die Feuerwehrautos durch unser System und reagieren,  als wäre unser Leben in Gefahr. Sie zwingen uns zu Schutzreaktionen, zu Angriff, Flucht oder dazu, in Deckung zu gehen. Mitgefühl, Freundlichkeit, erst einmal nachdenken bevor wir handeln, Kreativität, Lernen, Spielfreude oder die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, müssen zur Seite treten. Unser Leben zu schützen oder zu verteidigen ist wichtiger als alles, was uns in Verbindung bringt – darauf ist unser Gehirn seit Urzeiten trainiert.