Alle Artikel mit dem Schlagwort: wachsen

Erblühen

Endlich kommen die ersten Blüten hervor. Wilde Primelchen, Osterglocken und die ersten Traubenhyazinthen wachsen im Garten, an den Sträuchern bilden sich winzige grüne Triebe und hier an der Odenwälder Bergstraße blühen die ersten Bäume. In wenigen Tagen verwandeln sich die Hänge dort in ein rosaweißes Blumenmeer – und die Wege werden voller Menschen sein, die aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, um diesen Anblick zu genießen. Mir scheint, ich habe nie länger auf die ersten Frühlingsboten gewartet, habe mich nie mehr nach dem ersten Grün gesehnt, als in diesem Jahr. Aber vielleicht denke ich das auch jedes Jahr und vergesse es im Lauf des Sommers wieder, das kann schon sein… Nun aber kommt der Frühling doch. Diesen Übergang von Winter zum Frühling bewusst erleben zu können ist ein Glück. Achtsamkeit entsteht bei diesem Schauen, Schnuppern und Lauschen in den Frühling hinein ganz natürlich. Die kühle feuchte Luft am Morgen, die Stimmen der Vögel, das Wachsen und Blühen – alles lädt uns ein, wahrzunehmen, da zu sein, Freude, Leichtigkeit und Verbundenheit mit der Natur entstehen zu lassen – …

Erwartungen

Seit ein paar Tagen begegnen mir in verschiedenen Zusammenhängen „Erwartungen“. Erwartungen an Freunde und Kollegen, an Partner, Kinder – und ganz besonders die hohen Erwartungen, die Menschen oft an sich selbst stellen. Dass Erwartungen da sind gehört wohl zu unserem Menschsein dazu, wir können das nicht verhindern. Die Frage ist aber: bemerken wir diese Erwartungen eigentlich oder werden wir wie automatisch von ihnen gesteuert? Wie viele Menschen neige auch ich dazu, hohe Erwartungen an mich zu stellen – und zugleich Strategien zu entwickeln, wie ich mich diesen Erwartungen auch wieder entziehen kann. Zugleich habe ich – kein Wunder! – schnell das Gefühl, dass andere viel von mir erwarten und reagiere je nach Stimmung mit Rückzug oder rumrüffeln. In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass dieses Ping-Pong-Spiel ganz schön viele Energien bindet – die ich eigentlich gut gebrauchen könnte, um einfach in aller Ruhe meinen Weg zu gehen und das zu tun, was zu tun ansteht. Erwartungen haben mit diesem „tun, was zu tun ansteht“ und mit dem „da sein mit dem, was jetzt …

Besucher im Gasthaus

Auf einer Seite über Achtsamkeit darf natürlich der Text „Das Gasthaus“ des persischen Dichters und Gelehrten Rumi nicht fehlen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es mir während meiner Achtsamkeitsausbildung zum ersten Mal begegnete und wie mir von diesem Moment an bildlich vor Augen stand, was mit dem Kommen und Gehen von Gedanken, Gefühlen, inneren Bildern und Impulsen eigentlich gemeint ist. Wir alle kennen wohl Tage und Zeiten, in denen Gedanken, Vorstellungen und Urteile fröhlich in unserem Inneren ein- und ausspazieren oder sich manchmal auch gewaltsam Einlass verschaffen. Und manchmal scheinen sich all diese „Gäste“ nicht in einem Gasthaus, sondern vielmehr in einem 1000-Betten-Hotel zu tummeln und die Räume mit unterschiedlichen Aussagen und widersprüchlichen Meinungen und Forderungen zu erfüllen. Dabei fällt mir auch das großartige Buch

Disziplin, die von innen kommt

Ich gebe es unumwunden zu: wenn mir jemand was von Disziplin erzählt und davon, dass man doch nur diszipliniert sein muss, um…. dann stellen sich in mir alle Stacheln auf. Ich gerate auf der Stelle und ohne zu zögern in eine Haltung von innerem Widerstand, schalte auf Abwehr und lasse mich so gut wie gar nicht mehr zu irgend etwas überreden oder drängen. Ist das gut oder schlecht? Man weiß es nicht… Einerseits steht mir mein Widerstand sicher an der ein oder anderen Stelle im Weg und behindert auch, dass ich mir mit Ordnung, weniger Internet oder mehr frischer Luft etwas Gutes tue. Andererseits führt er aber auch zu der Frage, was mich eigentlich selbst und von innen heraus dazu bewegt, etwas zu tun, Anstrengungen oder Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen und zu wachsen. Jetzt, zu Beginn des Jahres, tragen ja viele Menschen gute Vorsätze mit sich herum und wir glauben oft, mit etwas mehr Disziplin sei das schon zu schaffen, „mehr Sport“ oder „weniger essen“ oder „weniger „Smartphone“. Aber kaum sind ein paar Tage …

Licht und Frieden

Es gibt Zeiten, in denen scheint alles still zu stehen. Und es gibt Zeiten in denen scheint es, als würden sich Dinge zurück entwickeln. In denen Dinge von denen wir glaubten, sie wären erreicht, wir würden sie besitzen, wir könnten sie schon sicher haben, plötzlich wieder wie verschwunden sind. Dieses Stagnieren oder sogar Zurückfallen in Zustände von denen wir glaubten, sie bereits überwunden zu haben, habe ich im Zusammensein mit kleinen Kindern oft beobachtet. Es gibt einen Fortschritt, ein paar erste Schritte zum Beispiel, und von einem zum nächsten Tag scheint plötzlich jedes Gehen in Vergessenheit geraten zu sein und es ist als hätte es „erste Schritte“ überhaupt nicht gegeben. Für Eltern, die Fortschritte erhoffen, die sich schon gefreut haben, die schon geglaubt haben „jetzt ist es geschafft“, ist das oft eine Zeit von Sorgen und Verunsicherung. Wir sind so gewöhnt an die Vorstellung, dass es voran geht, dass Wachstum stetig und gerade nach oben geht, und wir sind so zutiefst verunsichert und beängstigt wenn wir bemerken, dass das, was wir als sicher angenommen haben, …

Leitsterne für Eltern

Es gibt in dieser Zeit und in unserem Leben als Eltern immer wieder innere und äußere Einflüsse, die uns von Achtsamkeit entfernen, die uns verwirren oder entmutigen und die dazu führen, dass wir uns selbst beschuldigen und das Gefühl haben, als Eltern niemals gut genug zu sein. Auf dem Weg Eltern zu sein lernen wir aber mit der Zeit, dass es in keinem Augenblick darum geht, perfekt zu sein und die „einzig richtige Entscheidung zu treffen“. Was unsere Kinder vielmehr beeinflußt ist die Summe vieler kleiner Entscheidungen, die wir ununterbrochen mehr oder weniger unbewußt treffen. Kinder werden auch beeinflußt von der grundlegenden Stimmung oder Haltung in ihrer Familie, zum Beispiel davon ob es viel Stress gibt, ob sich die Eltern nach Konflikten wieder annähern, wie über andere Menschen gesprochen wird, welcher Umgang mit Geld vorherrscht, welche Situationen Angst oder Sorge hervorrufen und für was wir uns engagieren. Als Eltern mussen wir auch akzeptieren, dass Kinder manchmal etwas mit auf die Welt bringen, das wir nicht kennen und das uns fremd ist. Wenn beispielsweise ein sehr …

In Bewegung sein

Zu den schönsten Momente im Leben mit kleinen Kinder gehören sicher die, in dem sie Laufen lernen. In diesen Zeiten machen nicht nur die Kinder ihre ersten Schritte, wir haben auch kleine Lehrmeister vor uns, von denen wir uns einiges über „Schritte machen“ abschauen können. Laufen zu lernen ist bei Kindern, wenn es im eigenen Tempo und aus eigener Kraft geschieht,  ein ganz fließender Prozess. Sie machen ein paar Schritte, sie fallen, sie stehen wieder auf, sie kehren zum Laufen zurück. Ein innerer Plan, ein Wunsch, ein Antrieb bringt sie dazu, sich immer und immer wieder aufzurichten und die nächsten Schritte zu unternehmen. Es gibt bei ihnen – soweit ich das beobachten kann – kein Urteil über Scheitern und Vorwärtskommen. Es gibt keine inneren Dramen (andere sind schuld daran, dass ich gefallen bin/ ich bin schon so oft gefallen und werde es nie schaffen / ich muss es schaffen um gut genug zu sein), kein Festhalten und keinen Stillstand. Alles fließt.