Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wandel

Meditation mit Blättern

Die Blätter fallen. Jeder kleine Windstoß, der zwischen die Äste der Birke fährt, löst sie und lässt sie sanft zu Boden rieseln. Rund um den Baum ist schon ein gelber Teppich entstanden und wenn ich durch den Garten gehe, raschelt unter den Schuhen das welke Laub. Ich sitze still und schaue den Blättern zu. Ihrem Tanz im Wind, der mir fröhlich erscheint, ein wenig aufgeregt vielleicht, als würden sie ihre Reise zur Erde genießen, ja als wüßten sie, dass sie nicht umsonst fallen und dass sie auch nicht verloren gehen. Viel wird jetzt davon geredet, dass der Herbst die Zeit des „loslassens“ ist und dass auch wir Menschen immer wieder loslassen müssen. Aber lässt ein Baum seine Blätter los? Oder lässt er sie nicht vielmehr einfach sein, nämlich das, was sie jetzt sind: bunte, welke Blätter auf ihrem Weg zur Erde? Und ich denke: Wir müssen doch nicht so viel tun, vor allem uns nicht krampfhaft dazu zwingen, loszulassen, was sich noch nicht lösen kann. Es reicht, manches einfach sein zu lassen: Gedanken und Gefühle …

Wellen

„Schmerzliche Situationen, Stress und Krankheit sind einfach Teil des Lebens!“ – wie leicht sagt sich das dahin, wenn der Himmel weit und blau ist, wenn wir keine Schmerzen haben, uns nicht bedroht fühlen und auch sonst alles ganz gut im Gleichgewicht ist. Wenn wir aber erschöpft sind, Schmerzen haben oder unser Leben gerade aus anderen Gründe aus den Fugen gerät, kann es schwer sein, diesen Satz zu lesen oder ihn von einem anderen Menschen zu hören. Schnell schwingt da etwas mit von „mach kein Theater, reiß dich halt mal zusammen, so schlimm ist es doch nicht“. Zugleich aber liegt in diesem Satz so viel Entlastung und Erleichterung in einer Zeit und einer Kultur in der viele glauben, wir müssten doch nur noch perfekter sein, noch mehr arbeiten, noch bessere Eltern sein und vor allem noch mehr, und noch mehr, und noch mehr machen, um gut genug zu sein. Achtsamkeit geht einen anderen Weg. Sie erzählt uns von Wellen, denen wir im Leben unterbrochen ausgesetzt sind – und von einem Übungsweg auf dem wir lernen können, …

Erblühen

Endlich kommen die ersten Blüten hervor. Wilde Primelchen, Osterglocken und die ersten Traubenhyazinthen wachsen im Garten, an den Sträuchern bilden sich winzige grüne Triebe und hier an der Odenwälder Bergstraße blühen die ersten Bäume. In wenigen Tagen verwandeln sich die Hänge dort in ein rosaweißes Blumenmeer – und die Wege werden voller Menschen sein, die aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, um diesen Anblick zu genießen. Mir scheint, ich habe nie länger auf die ersten Frühlingsboten gewartet, habe mich nie mehr nach dem ersten Grün gesehnt, als in diesem Jahr. Aber vielleicht denke ich das auch jedes Jahr und vergesse es im Lauf des Sommers wieder, das kann schon sein… Nun aber kommt der Frühling doch. Diesen Übergang von Winter zum Frühling bewusst erleben zu können ist ein Glück. Achtsamkeit entsteht bei diesem Schauen, Schnuppern und Lauschen in den Frühling hinein ganz natürlich. Die kühle feuchte Luft am Morgen, die Stimmen der Vögel, das Wachsen und Blühen – alles lädt uns ein, wahrzunehmen, da zu sein, Freude, Leichtigkeit und Verbundenheit mit der Natur entstehen zu lassen – …

Sich nicht einmischen

Schon lange begleitet mich ein Text der italienischen Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori über die Kunst, sich nicht einzumischen. Sie beschreibt darin die beständigen Impulse der Erwachsenen, sich in das Tun von Kindern einzumischen mit dem Ziel, Dinge zu verbessern, dem Kind zu helfen oder es zu verändern. Und regt dazu an, immer dann wenn wir einen solchen Impuls spüren, eine Perlenkette zu nehmen und eine Perle zu schieben – bis wir zu einem Gefühl der Ruhe und Stille kommen, das uns innerlich verändert. Dieses einfach da sein ohne ein Ziel zu verfolgen ist nicht leicht. Im Zusammensein mit Kindern habe ich oft erlebt, dass sich Eltern und Pädagogen zwar äußerlich still verhalten und sich weniger einmischen – innerlich aber mit der Vorstellung verbunden sind, dass Kinder auf diese Weise eigenständig lernen und forschen, selbstständig werden oder „besser lernen“ – und gar nicht bemerken, dass sich die Katze gerade in den Schwanz beißt und sie sich von der Haltung  sich „nicht einzumischen“ weit entfernt haben. Andererseits darf dieses „sich nicht einmischen“ nichts damit verwechselt werden, …

Licht und Frieden

Es gibt Zeiten, in denen scheint alles still zu stehen. Und es gibt Zeiten in denen scheint es, als würden sich Dinge zurück entwickeln. In denen Dinge von denen wir glaubten, sie wären erreicht, wir würden sie besitzen, wir könnten sie schon sicher haben, plötzlich wieder wie verschwunden sind. Dieses Stagnieren oder sogar Zurückfallen in Zustände von denen wir glaubten, sie bereits überwunden zu haben, habe ich im Zusammensein mit kleinen Kindern oft beobachtet. Es gibt einen Fortschritt, ein paar erste Schritte zum Beispiel, und von einem zum nächsten Tag scheint plötzlich jedes Gehen in Vergessenheit geraten zu sein und es ist als hätte es „erste Schritte“ überhaupt nicht gegeben. Für Eltern, die Fortschritte erhoffen, die sich schon gefreut haben, die schon geglaubt haben „jetzt ist es geschafft“, ist das oft eine Zeit von Sorgen und Verunsicherung. Wir sind so gewöhnt an die Vorstellung, dass es voran geht, dass Wachstum stetig und gerade nach oben geht, und wir sind so zutiefst verunsichert und beängstigt wenn wir bemerken, dass das, was wir als sicher angenommen haben, …

Lieblingsstücke

Es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu wenig zum Leben haben. Und es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu viel haben. Unser Gefühl zu wenig zu haben und mehr besitzen zu müssen, wird in unserer konsumorientieren Gesellschaft stetig wie ein großes Schwungrad am Laufen gehalten. Kaum ist ein Wunsch befriedigt, kommt ein neuer auf. Immer früher werden auch unsere Kinder wie durch einen unsichtbaren Sog in den Bann des „haben müssens“ hineingezogen.

Auch das geht vorbei….

Es gibt diese Tage im Leben mit Kindern, da ist alles gut. Wir fühlen uns offen und verbunden, die Kinder spielen friedlich und unsere Aufgaben erledigen sich mit Leichtigkeit. Wir begegnen Missgeschicken mit Humor, und überhaupt scheint die Sonne und die Welt erstrahlt in Himmelblau. Und es gibt diese Tage und Nächte, die nicht so sind….