Achtsamkeit im Alltag
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Staunen

Achtsamkeit wird beschrieben als offenes Gewahrsein für den Augenblick. Wir öffnen unsere Wahrnehmung für alles, was uns begegnet: für Gedanken, Gefühle, Sinneseindrücke und körperliche Empfindungen. Wir sind bei unserer Wahrnehmungen, ohne uns ein Urteil zu bilden.

Diese Haltung hat sehr viel mit der inneren Bereitschaft zu tun, uns auf  Nicht-Wissen einzulassen und zu staunen.
Zu staunen über die Schönheit und das Wunder des Lebens, das wir im Trubel des Alltags so schnell übergehen.
Zu staunen aber auch über die alltäglichen Zumutungen und Unebenheiten, die das Leben bereit hält.

Jetzt im Herbst morgens über eine feuchte Wiese zu gehen, das Glitzern der Tautropfen im Sonnenlicht zu sehen, die feinen Spinnweben, die kunstvoll zwischen Grashalmen gespannt vor mir liegen – da fällt das Staunen leicht. Es fiele mir nicht ein ergründen zu wollen, wie das alles gemacht oder entstanden ist und es fiele mir auch nicht ein, die Spinne dafür zu kritisieren, wie sie ihr Netz gewebt hat oder ihr zu sagen, was sie besser machen kann. Auf der herbstlich gefärbten Wiese im Morgenlicht kann ich da sein, wahrnehmen und staunen. Ich bin offen für das Wunder das darin liegt, zu sehen, zu gehen, zu atmen.

Staunen fällt dagegen schwer, wenn ich Angst bekomme, wenn ich mich ärgere oder unter Stress gerate. Es gibt dann eine Vorstellung davon, wie andere oder ich selbst sein sollten, wie sich eine Situation verändern sollte. Angesichts von Schwierigkeiten und Stress mit dem Staunen verbunden zu sein, ist wirklich keine leichte Sache.

Staunen meint nicht, wie gebannt zu stehen und zu glotzen. Vielmehr geht es um eine ganz feine innere Öffnung für das Wunder des Lebens. Wir dürfen staunen wie die Kinder, über die Vielfalt, die Pracht, die Schönheit die uns in jedem Augenblick umgibt und die auch in uns selbst ist. Staunen nicht zu vergessen, dem Staunen einen Platz im Leben einzuräumen, verbindet uns auf eine Weise mit dem Leben und vertieft den Respekt vor allen lebenden Wesen.

Der persische Dichter Rumi schreibt:

Gib deine Klugheit,
nimm das Staunen:
Die Klugheit ist nur Meinung,
Staunen innere Schau.

(Danke fürs Heraussuchen aus seinem schier unerschöpflichen Fundus, der mich immer wieder staunen lässt (!) an Werner A. Krebber und „Mystik aktuell“)

 

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