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Vom Anfangen und Aufhören

In meinem Blogbeitrag  „Der Erschöpfung begegnen“ habe ich darüber geschrieben, wie wohltuend es sein kann, immer mal wieder aus dem Modus von „planen und machen“ auszusteigen und sich statt dessen von innen heraus leiten zu lassen  – und das zu tun, was zu tun ansteht, Schritt für Schritt und im eigenen Tempo.

Heute lade ich Euch ein, einmal einen Tag lang ganz bewusst mit Tätigkeiten anzufangen –  und sie dann auch ganz bewusst wieder abzuschließen. Wie fühlt es sich an, anzufangen? Welche Gedanken und Impulse sind da, bevor ich anfange? Welche inneren Stimmen höre ich dabei? Wie fühle ich mich, wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe? Welche Gedanken und inneren Stimmen sind dann da?

Besonders im Zusammensein mit Kindern neigen wir dazu, ihnen sehr oft vorzuschreiben, wann der Zeitpunkt für sie gekommen ist, anzufangen oder aufzuhören. Wie oft ermahnen wir sie: „Wann fängst du endlich an, dein Zimmer aufzuräumen?“, „Wann fängst du endlich an, deine Hausaufgaben zu machen?“, „Fang doch endlich an zu essen… dein Zeug zu packen… deine Schuhe anzuziehen… schlafen zu gehen!“ Andersrum geht es natürlich genau so: „Wann hörst du endlich auf, am Handy zu spielen?“, „Hör doch mal auf, so rumzuhüpfen, so laut zu sein, in der Nase zu bohren…“ – na, es werden Euch sicher selbst einige Situationen einfallen! Eine weitere Variante: „Ach, du hast ja dein Bild gar nicht fertig gemalt…. dein Essen gar nicht fertig gegessen…. nicht fertig aufgeräumt“. Wir sind schnell darin, uns in die Dinge der Kinder einzumischen und zu festzulegen, wann Anfang oder Ende für sie gekommen sind. Und ja… es kann eine freundliche Geste sein, Kinder an Anfangen und Aufhören zu erinnern, zugleich nehmen wir ihnen dabei aber auch die Chance, die eigene innere Stimme zu hören und auf die eigenen inneren Impulse zu hören.

Und wie ergeht uns selbst denn eigentlich mit anfangen und aufhören? Wann entsteht der Impuls, die Spülmaschine auszuräumen – und schließen wir diese Arbeit dann auch ab, bevor wir etwas Neues beginnen? Oder kommen wir vom Hundertsten ins Tausendste, weil uns auf dem Weg von der Spülmaschine zum Küchenschrank einfällt, dass wir ja auch schon längst beim Bäcker anrufen wollten, um die Brötchen zu bestellen oder schnell noch den Spinat aus der Tiefkühltruhe holen wollten…

Achtsamkeit lehrt uns, solche Verhaltensweisen bewusster wahrzunehmen, ohne sie oder uns selbst zu verurteilen. Es ist ja möglich, auf achtsame Weise vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Meist sind wir dabei aber wie fremdgesteuert – und dies können wir unterbrechen, wenn wir eine Erfahrung damit machen, innezuhalten bevor wir etwas anfangen, und innezuhalten, wenn wir etwas beendet haben. Dinge bewußt abzuschließen gibt uns auch ein Gefühl für das, was wir getan haben, was nun abgeschlossen ist – und in diesem Gefühl können wir einmal für ein paar Momente verweilen – bevor wir den nächsten Schritt machen und etwas Neues anfangen. Auf diese Weise nehmen wir, wenn wir uns das wünschen, Eile aus unserem Alltag – und würdigen unser Tun auf neue Weise. (j.g.)

 

 

 

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