Natur und Garten
Schreibe einen Kommentar

Von einer Wiese aus

Hinter dem Haus, am Rande der Siedlung in der ich lebe, liegt zwischen Häusern, Bahnlinie und Autobahn, eine Wiese.

Jahr für Jahr ist sie mir vertrauter geworden, aber erst vor einigen Tagen habe ich verstanden, dass diese Wiese unbeeindruckt vom Lärm um sie herum, eine vollkommene Stille bewahrt. Inmitten wechselnder Geräusche von Güterzügen, Flugzeugen und LKWs, bewachsen von einer für mich unüberschaubaren Vielfalt von Gräsern, Kräutchen und Blumen, bewohnt von unzähligen Kaninchen- und Krähenstämmen, ruht diese Wiese zu jeder Jahreszeit, bei Regen, Schnee und Sonnenschein, in ihrer umfassenden Vollkommenheit.

Was wäre, das frage ich mich, wenn ich mein Leben von einem solchen Ort der ruhenden Vollkommenheit aus leben könnte? Was, wenn ich von einem solchen Ort ausgehen würde? Was, wenn ich von dort aus alles um mich tastend, lauschend und schauend erforschen könnte, ohne gedrängt oder gehetzt zu sein? Was, wenn die Angst,
die Angst,
diese Angst also,
wenn die Angst so wie ein welkes Blatt, Hundekot und Krähenfedern auf den Boden und zu Staub zerfiele, wenn sie wie alles Fallende so bereitwillig angenommen und klaglos freundlich zu neuem Gras und neuen Kräutchen verwandelt werden würde?

Von einem solchen Ort aus will ich erspühren, wahrnehmen, erlauschen. Dorthin will ich zurückkehren und schauen, was sich findet, was sich ergibt. Dort also will ich eine neue Wurzel eingraben und warten, was entsteht und wächst.

j.g.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.