Natur und Garten
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Schlichtes Tun

Im Sinne der Achtsamkeit ist es wohl nicht besonders hilfreich, vergangene Zeiten zu idealisieren oder zu glauben, dass früher alles besser war. Und doch spüre ich immer mal wieder so ein kleines Seufzen in mir und eine kleine romantische Sehnsucht nach dem „einfachen Landleben“. Ich stelle mir dann gerne vor wie es wohl wäre, die eigenen Kartoffeln zu ernten, Tiere zu versorgen und in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen auf einem Hof zu leben. Ich hätte dann unbedingt auch einen großen Sonnenhut, eine Bank in der Sonne mit Blick auf den Gemüsegarten und sonntags gäbe es immer frischen Apfelkuchen. Die Realität eines solchen Lebens blende ich dann natürlich gerne aus – und auch die Frage, wie es wirklich wäre, als „Selbstversorger“ zu leben oder wer wohl sonntags früh aufstehen würde, um für alle Kuchen zu backen.

Wenn ich in dieser Sache tiefer schaue gibt es zum einen den Wunsch, mehr mit der Natur verbunden zu sein und mehr im Rhythmus der Natur leben zu können. Zum anderen stelle ich mir vor, dass so ein mit Natur und  Tieren verbundenes Leben auch ein Tun aus der eigenen Mitte heraus einfacher macht. Ein Tun , das sich einfach daran orientiert, was in diesem Moment getan werden muss – also Kartoffeln zu ernten, weil sie jetzt eben geerntet werden müssen und Tiere zu füttern, weil auch dies einfach zu tun ansteht – im Gegensatz zu dem modernen Leben, das von Termine machen, Terminen nachrennen und von ständiger aber irgendwie ziellosen und entwurzelten Aktivität bestimmt ist.

Was treibt und an, was hindert uns eigentlich am Tun aus der eigenen Mitte? Oft geht es wohl um Angst. Um die Angst, Sicherheit oder Ansehen zu verlieren, vielleicht auch davor zu erkennen, dass wir selbst ganz anders sind und anderes brauchen, als wir es uns und anderen bisher vorgemacht haben.

Sich für Achtsamkeit zu öffnen ist in diesem Sinn immer auch ein großes Wagnis. Wir nehmen das Wagnis auf uns, dass der schöne Schein von ständiger Aktivität, von Rennen und wichtig sein, abblättert und darunter unsere wahren Bedürfnisse zutage kommen. Das ist gar kein einfacher Prozess, wenn wir nicht in einem Umfeld leben, das uns auf diesem Weg unterstützt. Wenn um uns herum nur  Menschen sind, die überhaupt keine Ahnung mehr davon haben, was ein „Tun aus der eigenen Mitte“ eigentlich bedeutet und wie es sich anfühlt so zu arbeiten, ist es wirklich nicht leicht, einen anderen Weg zu gehen. Zugleich legt Achtsamkeit unsere wahre innere Schönheit frei, unsere Freundlichkeit, unsere Güte, auch eine Schlichtheit. Einfach Mensch zu sein, einfach da zu sein und einfach zu tun, was zu tun ansteht, ist nicht so kompliziert, wie wir manchmal meinen. Wir müssen uns nicht so sehr anstrengen „jemand zu sein“, wir sind ja bereits. Aus diesem schlichten Da-sein ergibt sich auch ein schlichtes „tun, was zu tun ansteht“.

Auch wenn wir nicht selbst Kartoffeln ernten können, so können wir doch täglich Ausschau halten nach schlichten Arbeiten, die uns helfen, im Augenblick und bei uns selbst anzukommen: Kartoffeln schälen zum Beispiel, Wäsche falten oder einem Kind die Schuhe binden. Ich glaube, dass wir diese schlichten Arbeiten nur bewahren können, wenn wir sie selbst tun und dass wir dabei auch ein Stück von unserem schlichten Da-sein bewahren können.

 

 

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