Immer achtsam – das schafft keiner…

Eltern zu sein und mit Kindern zu leben ist in vielen Momenten eine schöne und erfüllende Erfahrung. Eltern zu sein kann uns aber auch an unsere Grenzen bringen und wird zur  Herausforderung, wenn wir viel Stress und wenig Unterstützung haben, uns Sorgen machen  oder sich unser Kind anders verhält, als wir es uns wünschen.

Unsere eigenen Idealvorstellungen, all die Menschen und Ratgeber die genau wissen, wie man es mit Kinder „richtig macht“ erleichtern die Situation meist nicht wirklich. Letztlich sind alle Eltern mit ihrem unvergleichbaren Kind auf einem ganz eigenen und besonderen Weg unterwegs, der mit wachsen, sich entwickeln, sich entfalten und lebendig sein zu tun hat – mit ständiger Bewegung also, mit Krisen und Einsichten, mit Nähe und Abstand, mit Halten und Loslassen.

Achtsamkeit zu entwicken und zu vertiefen ist für das Zusammensein mit unseren Kindern eine große Unterstützung. Zahlreiche Studien zeigen inzwischen, dass Achtsamkeitsübungen und Meditation uns sehr dabei helfen, mehr innerer Stabilität, Gelassenheit, Vertrauen und innere Klarheit auszubilden und uns weniger von allgegenwärtigen Anforderungen und Ablenkungen überrollen zu lassen. Zugleich ist Achtsamkeit kein neues Programm, dass uns zu perfekten Eltern macht. Vielmehr können wir nach und nach lernen, immer wieder in den bewussten Kontakt mit dem Augenblick zu kommen und päsent zu sein – mit unserem Kind, mit uns selbst und allem, was uns begegnet. Auf diese Weise erfahren wir anderes, oft ergeben sich auch überraschende Lösungen und Einsichten und es entsteht ein tieferes Verständnis für die ganze Situation.

Um ein Verständnis von Achtsamkeit zu entwickeln ist es für die meisten Menschen hilfreich, sich immer wieder Zeit für Meditation und Achtsamkeitsübungen zu nehmen. Das eigentliche Übungsfeld von Achtsamkeit aber ist der Alltag. Es ist der Moment, in dem ein Baby weint oder sich nicht wickeln lässt, der Moment, in dem wir schnell aus dem Haus müssen und unser Kind viel wichtigeres zu tun hat, der Moment, in dem unser Kind brüllend vor Wut auf dem Boden liegt. Je nach unserer eigenen inneren Verfassung und den Bewertung die wir vornehmen, werden wir als Eltern völlig unterschiedlich auf solche Situationen reagieren. Gelassen, humorvoll, verständnisvoll – oder ärgerlich, beschuldigend und gestresst.

Sich als Eltern an Achtsamkeit zu orientieren hilft uns dabei, innerlich klar zu werden, freundlich mit uns selbst umzugehen und bewusst Eltern zu sein. Schwierige Situationen und offene Fragen lassen sich nicht vermeiden, die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen, können wir aber beeinflussen.

Hinzu kommt: Kinder kommen mit einem großen Vorrat an Einfühlungsvermögen, Spielfreude, der Fähigkeit präsent zu sein, mit Freude am Lernen und am Tun, mit Kreativität, Freundlichkeit gegenüber sich selbst und anderen, Entdeckergeist, Bewegungsfreude, Vertrauen, Sanftheit und Großzügigkeit auf die Welt. Alle diese Qualitäten unterstützten unsere Kinder auf ihrem Weg, wenn wir sie als Eltern erkennen und uns auch auf sie einlassen können. Auf diese Weise geben wir unseren Kindern unabhängig von äußeren Bewertungen ein sicheres Gefühl für sich selbst und die eigenen Fähigkeiten.