Achtsamkeit im Alltag
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Zu wenig Selbstwertgefühl?

Über den Newsletter von familylab bin ich heute auf eine Artikel gestoßen, in dem von einer Studie mit mehr als 84 000 Müttern berichtet wird. Die Frauen wurden zu ihrem  Selbstwertgefühl befragt und sollten unter anderem darauf antworten ob der Satz „Manchmal fühle ich mich komplett nutzlos“ auf sie zu traf. „Die Auswertung der Daten offenbarte, dass das Selbstwertgefühl der Frauen bereits im Lauf der Schwangerschaft abnahm. Nach der Geburt bekam es kurzzeitig wieder Aufwind, bis der Nachwuchs ein Alter von etwa sechs Monaten erreichte. Anschließend begann es wieder kontinuierlich abzusinken. Dieses Muster zeigte sich unabhängig davon, ob eine Frau zum ersten, zweiten, dritten oder gar vierten Mal Mutter wurde.“

Wie so oft bei solchen Studien wüsste jetzt gerne viel mehr. Zum Beispiel ob dies auch Müttern in anderen Kulturen so ergeht, unter welchen Umständen sich Selbstwertgefühl wieder erholt, ob der Verlust von Selbstwertgefühl mit Einsamkeit, mangelnder Anerkennung und sozialer Isolation zu tun hat oder damit, dass Mütter einfach eine Zeit lang von ihrem Selbst absehen, dass das Selbst einfach nicht so im Vordergrund steht, wenn sie sich um ein Baby oder Kleinkind kümmern. Und natürlich wüßte ich auch gerne, wie es Vätern in dieser Situation erginge…

Zugleich aber frage ich mich, ob der Stellenwert von Selbstwertgefühl in unserer heutigen Zeit nicht auch immer mal übermäßig wichtig genommen wird – und ob der Gedanke, wir sollten immer mehr davon haben, das Gefühl von Mangel nicht nur weiter vertieft. Auch könnte es sein, dass genau jene Phasen im Leben, in denen das Selbstwertgefühl sinkt, auch sehr hilfreich sind um einmal unsere oft grundlegende Abhängigkeit von äußerer Bestätigung, von Lob und Erfolg zu hinterfragen. Wenn unser Selbstwertgefühl sehr von einem äußeren Gerüst getragen wird und dieses anfängt zu knacken und zu knacksen, können wir auch mehr darüber erfahren, wie wir eigentlich ein stabiles Selbstwertgefühl aus dem Inneren heraus aufbauen können.

Selbstwertgefühl ist instabil und leicht verletzlich, wenn es nicht Hand in Hand mit Selbstfreudlichkeit und Selbstmitgefühl geht. Auf der Basis von Selbstfreundlichkeit und Selbstmitgefühl entsteht ein Gefühl für den eigenen Wert, der von innen kommt und weniger abhängig ist von äußerem Lob, Anerkennung und Erfolg. Selbstfreundlichkeit fragt nämlich nicht nach dem Wert, den etwas hat, weil alles was lebt und da ist es auch wert ist, freundlich und mitfühlend betrachtet zu werden.

Achtsamkeit lehrt uns, einfach da zu sein und das Kommen und Gehen von Selbstwertgefühl von Augenblick zu Augenblick zu beobachten, ohne uns oder andere zu verurteilen oder zu beschuldigen. In Zeiten der Ebbe können wir uns  dann wie eine gute Freundin oder ein guter Freund selbst beistehen. Wir werden unabhängiger von äußeren Bedingungen und gewinnen zugleich an Kraft, diese zum Guten hin zu verändern.
Hilfreich sind dabei die geführte Meditationen für Selbstfreundlichkeit und Selbstmitgefühl aus dem MSC-Programm (Mindfulnes Self Compassion) nach Kristin Neff und Christopher Germer.  Ihr könnt sie zum Beispiel auf den Seiten von
Lienhard Valentin
Jörg Mangold
Kirsten Tofarn
anhören oder herunterladen.

Text:  j.g.
Foto: Pixabay/DayronV

 

 

 

 

 

 

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